Studie bestätigt: Grundschulen gehen die Musiklehrer aus – Tendenz steigend

Epoch Times14. März 2020 Aktualisiert: 14. März 2020 15:36
Musiklehrer sind derzeit rar, viele Schulen müssen den Musikunterricht "fachfremd" abhalten oder gar ausfallen lassen. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung schlägt Alarm.

Lediglich 43 Prozent des Musikunterrichtes an Grundschulen wird von Fachpersonal (Musiklehrern) abgehalten. Der übrige Unterricht wird von fachfremdem Personal geregelt – beziehungsweise wird nicht selten auf den Musikunterricht verzichtet. Generell ist man in Pädagogenkreisen der Meinung, dass zu wenig Musik an den Schulen gelehrt wird.

„Der musisch-ästhetische Bereich in der Grundschule ist sehr wichtig, wird aber total vernachlässigt“, schreibt der Grundschulverband. Das ist keine Überraschung, denn glaubt man einer Studie der Bertelsmann Stiftung fehlen aktuell in Deutschland knapp 23.000 Musiklehrer.

Grundschulen kämpfen mit Musiklehrer-Mangel

Die in Gütersloh vorgestellte Studie gab der Deutsch Musikrat (gemeinsam mit der Landesmusikräte-Konferenz) in Auftrag. Dabei wurden die Daten von 14 Bundesländern analysiert – ohne Zahlen für Bayern und das Saarland.

Fakt ist, dass es laut der Studie einen Bedarf von 40.000 Musiklehrern an den Schulen gibt. Derzeit sind aber nur 17.000 Pädagogen im Einsatz. Je nach Bundesland variiert die Anzahl der Musikstunden pro Woche. In der Studie wird von 1 bis 2 Musikstunden innerhalb von 7 Tagen ausgegangen.

Die Zahl der Grundschulkinder steigt und somit auch der Bedarf an Musiklehrern. Viele Lehrer verlassen die Schulen mit dem Rentenalter. Unterm Strich würden laut Prognosen in acht Jahren knapp 25.000 Musiklehrer fehlen.

Musikunterricht wichtig für die Entwicklung

Der Zugang zu Musik ist vor allem für Kinder aus ärmeren Familienverhältnissen schwierig. Somit ist der Musikunterricht für viele Schüler der einzige Berührungspunkt mit dem Thema.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt aber auch, dass im Westen öfter „fachfremd“ Musik unterrichtet werde, als im Osten. Vor allem der soziale Aspekt des Musikunterrichtes wird durch Liz Mohn von der Bertelsmann Stiftung hervorgehoben. Bei Kindern mit Sprachproblemen kann laut Mohn der Musikunterricht helfen.

Die Studie ist für Christian Höppner, Generalekretär des Deutschen Musikrates, eine Art Weckruf für die Schulbehörden und die Hochschulen. Wenn man in Zukunft nicht gegensteuere, werde der Musikunterricht bald Geschichte sein, so Höppner. Der Musikunterricht wäre aber „zentral für den weiteren Bildungsverlauf“. Er verweist darauf, dass Musik-Fachkräfte für Schulen ungemein wichtig seien.

Chance für Quereinsteiger

Vor allem aufgrund des sozialen Aspektes und der ersten Musikförderung sind, mit Blick auf die beliebten Schulchöre oder Musikaufführungen, Fachkräfte heute gefragter denn je.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung regt an, dass in Zukunft mehr Studienplätze geschaffen werden sollten. Bei einer möglichen Übergangsphase regt man zudem an, Quereinsteiger in diesem Bereich nach vorgefertigten (Bundesländer-)Standards zu forcieren. (cs)

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