Wirtschaft in China schrumpft – mit bis zu 200 Millionen Arbeitslosen

Von 22. April 2020 Aktualisiert: 23. April 2020 7:11
Nach der Finanzkrise 2008 erkaufte sich das KP-Regime in China internationales Prestige, als es mit einem ambitionierten Fiskalpaket sowohl die Binnennachfrage als auch jene auf dem Weltmarkt stützte. Eine ähnliche Spritze für die Wirtschaft ist derzeit nicht in Sicht.

Einer der Gründe, warum das KP-Regime in China in den vergangenen Jahren allen Verstößen gegen internationale Handelsbräuche, Menschenrechte und völkerrechtliche Regeln zum Trotz auf viel Verständnis und Nachsicht zählen konnte, war seine Funktion nach der weltweiten Finanzkrise 2008.

Damals hatte die Führung in Peking ein Fiskalpaket in Höhe von mehr als 500 Milliarden US-Dollar verabschiedet, was damals in etwa 13 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprach, und auf diese Weise die Binnennachfrage gestützt. Zudem waren die Unternehmen dadurch schneller in der Lage, auf eine wieder anziehende Auslandsfrage zu reagieren – und auf diese Weise für Impulse auf den Weltmärkten zu sorgen.

Bislang versucht das Regime, das die Ausweitung von COVID-19 zur Pandemie zugelassen hat, durch Maskendiplomatie und Fake-News über den Ursprung von seiner Verantwortung abzulenken. Die Option, sich erneut als Starthelfer einer wiedererstarkenden Weltwirtschaft zu inszenieren, wird es diesmal hingegen nicht geben. Und das könnte signifikant sein, gingen doch 46 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums im Jahr 2019 allein auf das Konto Chinas.

Dies meint unter anderem Hanns Günther Hilpert, Leiter der Forschungsgruppe Asien bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). „China hat die Weltwirtschaft in der Finanzkrise maßgeblich gestützt“, erklärt er gegenüber dem „Handelsblatt“. „Dieses Mal wird China bei weitem nicht die Konjunkturlokomotive sein wie damals.“

In einer Zeit, in der das Regime offiziellen Angaben zufolge die Seuche in den Griff bekommen habe, im Rest der Welt jedoch immer noch mehr oder minder strikte Restriktionen herrschen, müsse mit bis zu 200 Millionen Arbeitslosen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gerechnet werden. Neben etwa 60 Millionen, die offiziell in den Statistiken geführt werden, haben auch viele der 293 Millionen Wanderarbeiter, die nicht registriert sind, ihre Beschäftigung verloren.

Quartalsdaten am Freitag erwartet

Michael Pettis, Finanzprofessor an der Universität Peking, geht davon aus, dass die reale Arbeitslosigkeit mindestens doppelt so hoch sei wie offiziell angegeben – und die war im Februar mit 6,2 Prozent bereits ungewöhnlich hoch.

Bereits jetzt haben mehrere internationale Unternehmen, die zuvor in China produziert hatten, ihre Fabriken nach Indien verlegt. Von Dezember auf Januar stürzten die Exporte von 230 auf weniger als 150 Milliarden US-Dollar ab, die Importe von etwa 190 Milliarden auf ein ähnliches Niveau. Immerhin ist der Einkaufsmanagerindex wieder von unter 30 auf 46,7 gestiegen – ein Wert von über 50 lässt eine steigende Zuversicht und Nachfrageimpulse erwarten.

Am kommenden Freitag (24.4.) werden die Wachstumsdaten des Bruttoinlandsprodukts für das erste Quartal bekannt gegeben. Allgemein wird davon ausgegangen, dass erstmals ein Minus vor der verkündeten Zahl stehen wird, seit 1992 das System offizieller Quartalszahlen auch in China eingeführt wurde – und ein deutliches noch dazu. Auch für das zweite Quartal rechnen Experten nicht mit einer Rückkehr ins Plus.

Regime will nicht vorschnell sein Pulver verschießen

Dass die Corona-Krise weiterhin nicht ausgestanden sein wird, drückt nicht nur auf Konsum und Auslandsfrage. Auch die Führung selbst hält sich zurück mit vorschnellen Stimulationspaketen. Zwar wird damit gerechnet, dass es höhere Staatsausgaben geben wird.

Das Regime wird sich jedoch tunlichst zurückhalten, vorschnell mit einem ambitionierten Stimulus-Programm vorzupreschen, dessen Erfolg ungewiss wäre, weil die Entwicklung der Exportwirtschaft noch in den Sternen steht. „China wird erst dann ein großes Fiskalpaket auflegen, wenn dieses auch greifen kann“, erklärt auch SWP-Experte Hilpert.

Deshalb begnügt man sich vorerst mit Erleichterung bei der Steuerlast und den Sozialabgaben für die Unternehmen – und damit, den staatlichen Banken mehr Spielraum bei der Kreditvergabe zu lassen. Lokalregierungen geben Gutscheine aus.

Wie viele faule Kredite sind im Umlauf?

Allerdings ist noch kaum jemand in der Stimmung, um an größere Anschaffungen zu denken.

Zudem geht das Institute for International Finance von einem kumulierten Schuldenstand Chinas von 310 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus – nicht nur deutlich mehr als in der Zeit der Finanzkrise, sondern auch eine Höhe, die auch die öffentliche Hand zögern lässt, zusätzliches Geld zu verteilen. Schon jetzt sei es ungewiss, wie hoch der Umfang fauler Kredite an den noch nicht vollständig getilgten Darlehensverträgen im Land ist.


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