Migrantenanteil und sozialer Frieden: Wie viel Einwanderung kann Deutschland verkraften?

Von 23. November 2018 Aktualisiert: 26. November 2018 14:13
Der Psychologe und Hochschullehrer Albert Wunsch hat in einem Beitrag für den „European“ vier Faktoren dargelegt, die aus seiner Sicht darüber entscheiden würden, ob Einwanderung eine Gesellschaft voranbringe oder destabilisiere. Deutschland kann in keinem dieser Bereiche überzeugen.

„Wie viel Zuwanderung verträgt eine Gesellschaft?“ Mit dieser nicht erst seit Merkels Flüchtlingspolitik und der Debatte um den UN-Migrationspakt drängenden Frage hat sich der promovierte Psychologe und Erziehungswissenschaftler Albert Wunsch im „European“ auseinandergesetzt.

Der Hochschullehrer und Autor von Büchern wie „Die Verwöhnungsfalle“ und „Mit mehr Selbst zum stabilen Ich – Resilienz als Basis der Persönlichkeitsbildung“ sieht frühe Mahner vor einem zu hohen Anteil an Einwanderern aus stark von europäischen abweichenden Kulturen wie den Altbundeskanzler Helmut Schmidt bestätigt, der bereits 1981 erklärt hatte: „Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag.“

Wunsch vergleicht die Reaktion des Staates auf Ängste der Bevölkerung angesichts der Migrationsströme der letzten Jahre mit Eltern, die subjektive Bedrohungsempfindungen ihrer Kinder ignorieren. Entscheidend sei dabei nicht die tatsächliche Gefahr, sondern der Umgang mit dem Hilfe-Gesuch. Die Folge davon seien nicht selten tiefe emotionale Verletzungen und Bindungsstörungen, oft mit traumatischer Langzeitwirkung.

Selbstschädigendes Toleranz-Verständnis als Bürde

In der derzeitigen Krisensituation fühlen sich Bürger vom „Vater Staat“ allein gelassen, wenn dieser auf ihre Angst-Signale nicht reagiere und Schutz gewähre. Faktoren, die diese Angst begünstigen, sind demnach beispielsweise No-Go-Areas in Stadtvierteln, in denen kaum noch Deutsch gesprochen wird oder „fast schon gehirnwäscheartige“ Formen der Konfrontation mit islamischen Regelwerken in Kindertagesstätten und Schulen bei gleichzeitiger Preisgabe christlicher Wertvorstellungen und eigenen religiösen Brauchtums.

Umbenennungen von Martinsfesten oder Weihnachtsmärkten bei gleichzeitigen verpflichtenden Moscheebesuchen von Schulkindern oder Feiern des Zuckerfestes in der Kita offenbaren, so Wunsch, ein falsches, die eigene Identität aufgebendes Toleranz-Verständnis, das immer häufiger gegenüber Muslimen an den Tag gelegt werde.

„Solche Entwicklungen schaden der Identität der Stammbevölkerung, schüren die Angst vor einer Überfremdung und unterminieren – eher unbemerkt – die innere Sicherheit und Stabilität eines Volkes.“

Jede Überfremdung führt zu Selbstentfremdung, zur Verunsicherung des eigenen Personseins bzw. der gesellschaftlichen Identität, meint Wunsch, und er skizziert vier sozialpsychologische Aspekte, die entscheidend dafür seien, ob und wie eine Gesellschaft sich in der Lage zeige, mit dem Zuzug von Fremden umzugehen.

Deutscher kultureller Selbsthass als Integrationsbarriere

Als ersten Aspekt nennt Wunsch die Feststellung: „Je stabiler eine Gesellschaft ist und je selbstverständlicher sie ihre Kultur lebt, je geringer ist die Gefahr, dass Migranten zur Instabilität beitragen.“

Von einer stabilen Gesellschaft und einem selbstverständlichen Leben der eigenen Kultur mit Blick auf Deutschland zu sprechen, erscheint vermutlich nicht wenigen Leuten als gewagt. Es sei denn, man betrachtet einen „demokratischen Konsens“, der durch einen erheblichen Gesinnungsdruck und Konformitätszwang erzwungen wird, als Zeichen von Stabilität und eine Kultur der Selbstverleugnung, die bereits das Zeigen der Nationalflagge problematisiert, als Identitätsstiftung durch Identitätsleugnung.

Der zweite Zusammenhang, den Wunsch skizziert, lautet: „Je größer die Integrations-Bereitschaft und -Fähigkeit von Migranten ist, je erfolgreicher und schneller entwickeln sich Integrations-Prozesse.“

Es gibt zwar zweifellos auch bei Einwanderern aus der Türkei oder anderen nichteuropäischen Ländern, die schon länger in Deutschland leben, Fortschritte, wenn es um sozialen Aufstieg oder aktive Mitwirkung am Gemeinwesen geht. Allerdings zeichnen sich nicht zuletzt in islamisch geprägten Einwanderercommunitys auch diametral entgegengesetzte Tendenzen ab, wo sich Parallel- und sogar Gegengesellschaften bilden, gezielt abschotten oder sogar feindselige Gefühle gegenüber der Mehrheit entwickeln.

Dass Deutschland weitgehend immer noch nicht zu einem positiven Selbstverständnis gefunden hat und an die Stelle früheren nationalistischen Auftretens heute weithin eine auch Dritten gegenüber fordernde Form der nationalen Selbstverleugnung getreten zu sein scheint, trägt eher zur Abschottung bei als dass es zur Identifikation einlädt.

Neigung zur Pauschalisierung steigt

Drittens gelte: „Wird der zu integrierende Bevölkerungsanteil zu hoch, bzw. wirkt er zu geballt und fehlt zu umfänglich eine echte Integrationsbereitschaft, kommt auch eine starke Gesellschaft schnell an ihre Belastungs-Grenzen.“

Jüngste Berichte aus Berlin-Neukölln und den Verhältnissen an dortigen Grundschulen illustrieren diesen Zusammenhang sehr deutlich. Die Schulleiterin der Schule an der Köllnischen Heide, wo nur eines von 103 eingeschulten Kindern deutsche Eltern hat, sprach offen von „Arabisierung“. In den entsprechenden Communitys mit ihren ausgeprägten Clan-Strukturen zeigen sich sogar schon Tendenzen hin zu einer parallelen Rechtsordnung. Diese Entwicklung vollziehen sich vielerorts und bleiben der Bevölkerung nicht verborgen.

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Viertens warnt Wunsch: „Entwickeln Migranten oder Migranten-Gruppierungen stark destruktive Kräfte und lehnen offensiv Integrations-Maßnahmen ab, dann werden auch die Integrations-Bereiten und schon gut integrierten Einwanderer mit aggressiven Gegenmaßnahmen der Stammbevölkerung rechnen müssen, auch wenn dies so nicht hinnehmbar ist.“

Umfrage zufolge befürworten zwar nur noch drei Prozent der Bundesbürger die These, dass Deutscher nur sein könne, wer keinen Migrationshintergrund aufweise oder zumindest keinen, der optisch erkennbar wäre. Dennoch ist mit Blick auf bestimmte Einwanderergruppen zu beobachten, dass die Ablehnung ihnen gegenüber auch aufseiten der Mehrheitsbevölkerung größer werde. Dies zeigt sich beispielsweise mit Blick auf Sportler mit Migrationshintergrund oder an vielen Reaktionen in sozialen Medien auf die jüngste Ernennung eines Beamten mit türkischem Migrationshintergrund zum Vizechef des Verfassungsschutzes.

Wunsch zieht den Vergleich mit einem 1000-Einwohner-Dorf, das problemlos in der Lage wäre, vier bis fünf Familien oder insgesamt 20 Personen zu integrieren, die pro Jahr zuziehen und sich selbst um Eingliederung bemühen. Hingegen würde dies bei 15 bis 20 Familien mit bis zu 90 Personen bereits völlig anders aussehen – insbesondere, wenn diese geballt untergebracht würden und wenig Integrationsbereitschaft zeigten.

Zehn Prozent als kritische Masse

Bereits Ludwig Erhard habe, so der Psychologe, im November 1965 gewarnt: „Die Heranziehung von noch mehr ausländischen Arbeitskräften stößt auf Grenzen. Nicht zuletzt führt sie zu weiteren Kostensteigerungen und zusätzlicher Belastung unserer Zahlungsbilanz.“ Damals, in Zeiten der „Gastarbeiter“-Anwerbung, seien anders als heute während der Flüchtlingskrise, keine Unterbringungs-, Lebenshaltungs- und Eingliederungskosten angefallen. Die legalen Einwanderer seien gezielt angeworben wurden und daher meist mit einem festen Arbeitsvertrag in der Tasche nach Deutschland gekommen. Es habe damals lediglich kulturelle Unterschiede und den Fortschritt im Integrationsprozess gegeben, der für potenzielle Belastungen gesorgt hätte.

Wunsch zitiert auch die Aussage des früheren Ministerpräsidenten von NRW, Heinz Kühn, vom 13. September 1980 in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“:

„Wenn die Zahl der Ausländer, die als Minderheit in einer Nation leben, eine bestimmte Grenze überschreitet, gibt es überall in der Welt Stimmungen des Fremdheitsgefühls und der Ablehnung, die sich dann bis zur Feindseligkeit steigern. Allzu viel Humanität ermordet die Humanität. Wenn jedoch eine Grenze überschritten ist, wird sich die Feindseligkeit auch auf jene erstrecken, die wir sogar gern bei uns haben möchten.“

Kühn sah einen Ausländeranteil von zehn Prozent als eine kritische Schwelle, von wo an die Bevölkerung „rebellisch werden“ könnte. Seit dieser Zeit hat sich der Anteil der Einwanderer in Deutschland, auch aus nichteuropäischen Herkunftsländern, weiter deutlich erhöht. Der innere Frieden ist größtenteils erhalten geblieben, es zeigen sich jedoch bereits mancherorts beunruhigende Eskalationstendenzen.

Ob die Politik der offenen Grenzen und das nunmehrige Vorhaben der Regierung Merkel, diese durch die Unterzeichnung des UN-Migrationspaktes noch einmal zu untermauern, vor dem Hintergrund der Mahnungen früherer Spitzenpolitiker wirklich als vernünftig qualifiziert werden können, bleibt fraglich.

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