„Welt“-Herausgeber kritisiert herbeigeführte Dreierkonstellation – „Politisch sittenwidrig“

Von 21. September 2021 Aktualisiert: 21. September 2021 16:02
Die letzte Woche vor der Wahl, die Umfragen bleiben beim Alten, doch „Welt“-Herausgeber Stefan Aust hält Überraschungen für die Meinungsforscher am Wahltag für durchaus möglich. Ohnehin wundert sich der Journalist über die ständige TV-Einladung von Annalena Baerbock (Grüne) zu den Duellen der tatsächlich aussichtsreichen Kanzlerkandidaten. Wozu das Ganze?

Nur noch wenige Tage sind es bis zur Bundestagswahl. In der jüngsten Umfrage (INSA, 20.9.) unter 2.054 Online-Befragten bleibt die SPD mit 25 Prozent (-1) führend, vor der Union (22, +1), gefolgt von den stagnierenden Grünen (15), der FDP (12) und der AfD (11). Mit mehr Abstand kommen dann auch die Linken (6,5) mit einem leichten Plus von 0,5 Prozentpunkten, den sie möglicherweise aus dem Bereich der sonstigen Parteien abziehen konnten (8,5 Prozent, -0,5). In mehreren anderen Umfragen vom 16.9. wurde dieser Bereich noch in sonstige und 3 Prozent für die Freien Wähler aufgegliedert.

Doch Wahlumfragen sind keine Wahlen, sondern lediglich Momentaufnahmen in einem sehr begrenzten Rahmen. Die Entscheidung findet erst an der Wahlurne statt. Nun sind auch die TV-Trielle vorbei und die letzten Chancen, noch einmal den einen oder anderen Wähler für sich zu gewinnen, schwinden für die Kanzlerkandidaten von Tag zu Tag. Ungewöhnlicherweise wurde die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock trotz geringster Aussichten auf die Kanzlerschaft von den Medien immer wieder zum Schlagabtausch der tatsächlichen Anwärter auf Merkels Krone, Armin Laschet (CDU/CSU) und Olaf Scholz (SPD), hinzugeholt.

Politisch sittenwidrige Dreierkonstellation

Stefan Aust, Herausgeber der überregionalen deutschen Tageszeitung „Die Welt“, findet nicht nur die Zahl der Begegnungen „zweifelhaft“, sondern hält auch diese Zusammenstellung für „politisch sittenwidrig“. Diese „Dreierkonstellation“ wurde seiner Ansicht nach gerade erst durch Meinungsumfragen und die „Selbstbehauptung einer Partei wie den Grünen“ möglich.

In seiner „Klartext“-Kolumne vom 13.9. sprach Aust bereits darüber und erinnerte an die lediglich 8,9 Prozent der Grünen bei der letzten Bundestagswahl und dass sich da auch andere wie Baerbock zur Kanzlerkandidatin hätten erklären können. Aust bezweifelte aber, dass diese dann genauso bereitwillig in die „Show-Arena“ eingeladen worden wären. Bei Baerbock seien die Umfragewerte, „Snapshots on moving targets“, so Aust, als „wackelige Basis“ für die „Bevorzugung der Grünen bei der großen Wahlkampf-Show“ genutzt worden. Auch Baerbock habe damit erfolgreich gepokert und sich als Kanzlerin in spe hochgejubelt.

Im letzten TV-Aufeinandertreffen habe man dann auch gesehen, wie sich die SPD und die Grünen bei fast allen Themen gegen den CDU-Kanzlerkandidaten Laschet verbündet hätten, wodurch dieser fast immer in der Defensive gewesen sei.

Aust wünschte sich für die Zukunft, dass nur die beiden stärksten Parteien der vorangegangenen Wahl zu TV-Duellen eingeladen würden – oder aber alle Spitzenkandidaten der Bundestagsparteien, was Aust für inhaltlich deutlich ergiebiger hält.

Momentaufnahme der Umfragen

Auch auf die relativ stabilen Umfragewerte der letzten Wochen ging Aust ein und suchte in seinen Erinnerungen. Bei keiner der vergangenen Wahlen hätte sich da nicht noch einiges verändert, so Aust. Das gesellschaftliche Stimmungsbild in den Umfragen leite zwar viele in ihren Beurteilungen der Kandidaten, doch im Augenblick der Entscheidung am Wahltag fielen dann persönliche Grundeinstellungen, Lebenssituationen und auch die eigenen Werte stärker ins Gewicht. Aust erinnert in diesem Zusammenhang an Angela Merkels erste Wahl im Jahr 2005, bei der sich ein großer Umfragevorsprung am Ende als doch nur sehr knapper Vorteil entpuppte.

Stefan Aust würde sich nicht wundern, wenn es am Wahltag auch für die Meinungsforscher noch so manche Überraschungen gebe. Auch die Siegessicherheit des SPD-Kandidaten Olaf Scholz könnte sich noch auswirken, wie etwa, dass er schon darüber spreche, in welcher Form er die Vereidigungsformel sprechen werde. Dieser hatte nämlich schon angekündigt, dass er nicht sagen werde: „So wahr mir Gott helfe“. Das habe er noch nie gemacht, so der Sozialdemokrat.



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