Symbolbild Leipziger Buchmesse.Foto: Jens Schlueter/Getty Images

Klett-Cotta-Geschäftsführer: Am Messe-Aus sind nicht nur die großen Verlage Schuld

Von 2. März 2022 Aktualisiert: 2. März 2022 10:16
Überraschend kam für viele Verlage, Autoren und Leser die erneute und damit dritte Absage in Folge der Leipziger Buchmesse 2022. Grund war in erster Linie nicht Corona, sondern die Absagen zahlreicher Verlage. Autoren-Initiativen gaben vor allem den großen Verlagen die Schuld. Der verlegerische Geschäftsführer von Klett-Cotta, Tom Kraushaar, sieht das anders. Von einer Einteilung der Branche in Klein und Groß, in Gut und Böse hält er wenig.

„Es haben nicht nur die großen, sondern auch viele kleine Verlage entschieden, nicht an der Messe teilzunehmen“, sagte der verlegerische Geschäftsführer Tom Kraushaar von Klett-Cotta im Interview mit „nd“. „Aber natürlich ist die Tragweite der Absage großer Verlagsgruppen einfach gewichtiger“. Klett-Cotta gehört zu den größeren Verlagen, hatte jedoch bereits fest eingeplant, an der Leipziger Buchmesse teilzunehmen.

„Je größer das Unternehmen, desto größer ist die Verantwortung und desto schwieriger die Abwägung von Nutzen und Risiken einer Messeteilnahme“, sagte Kraushaar weiter. Die Schwierigkeit für die Branche in der Pandemie sei unter anderem, genug Mitarbeiter für eine erfolgreiche Planung und Durchführung der Messe zusammenzubekommen.

Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse, sieht unter den aktuellen Umständen die Vielfalt und damit das Marken- und Leistungsversprechen gefährdet. Eine digitale Messe ist für ihn als Veranstalter keine Alternative. Bei der beliebten Publikumsmesse stünden Begegnung, das persönliche Kennenlernen zwischen Verlegern, Autoren und Lesern im Vordergrund. Zille und sein kleines Team sind fest entschlossen und blicken zuversichtlich auf das Jahr 2023. Die Unterstützung der Gesellschafter und auch der Stadt Leipzig seien ihnen sicher, sagte er im „Deutschlandfunk“.

Persönlich, digital oder hybrid?

Thilo Schmid, Geschäftsführer bei Oetinger, fordert im „Börsenblatt“eine zeitgemäße digitale oder hybride Begegnungsmöglichkeit und mehr Transparenz. Nur so könne man den Veränderungen in der Gesellschaft und der Branche gerecht werden. „Ein reines, sentimentales ‚Messe-Fahne-hochhalten‘, das uns hohe 5- bis 6-stellige Beträge kostet, wollen und werden wir uns nicht mehr leisten“, sagte Schmid. „Das Geld können wir besser investieren. Wir brauchen moderne, agile, transformierte Messen. Offene, pulsierende Begegnungsorte.“

„Ein… ‚Weiter so‘ wie in den vergangenen Jahrzehnten kommt für uns also nicht in Frage…und ist für unser Zielpublikum nicht länger interessant und relevant“, so Schmid weiter. Daher hat die Verlagsgruppe Oetinger bereits vor einigen Wochen der Leipziger Buchmesse eine Absage erteilt.

Pop-Up-Messe als kleiner Trost

Obwohl die Buchmesse nicht stattfindet, hat sich ein Bündnis aus über 60 Verlagen zusammengetan und präsentiert sich in der spontanen Pop-Up-Buchmesse vom 18. bis 20. März im Leipziger Kulturzentrum „Werk2“. Darunter auch Klett-Cotta.

Tom Kraushaar ist der Kontakt, die zwischenmenschliche Beziehungspflege wichtig. Er sieht in der Pop-Up-Buchmesse einen ersten Schritt, um zu zeigen: Wir sind wieder da. „Ich würde sagen, es geht um die Energie, die Begegnungen erzeugen. Und diese Energie können wir nutzen, um Aufmerksamkeit auf die Bücher und Autoren zu lenken, auch auf das Medium Buch an sich“.

Bei der Pop-Up-Buchmesse werden die Gastländer Portugal und Österreich ebenso vertreten sein wie die Initiative „weiter:lesen“, die Lesungen streamen, und der Autorenverband PEN. Unabhängig von der Pop-Up-Buchmesse werden schon ab dem 16. März zahlreiche Veranstaltungen und Lesungen in Leipzig stattfinden.

Der mit 60.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse für herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung wird trotz Absage der Buchmesse am 17. März um 16 Uhr verliehen und per Stream übertragen.



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