Springer-Restrukturierung: Weniger Journalismus zugunsten der Rendite

Epoch Times1. Oktober 2019 Aktualisiert: 1. Oktober 2019 1:12
Der Axel-Springer-Verlag will den Konzern ab 2020 deutlich umstrukturieren, so eine Mitteilung vom 30. September. Friede Springer, "ewige Hüterin der Träume ihres Mannes Axel Cäsar", erfülle dem Vorstandsvorsitzenden den Traum von einem "Weltreich mit Rubrikenanzeigen", so die Einschätzung des Manager-Magazins.

Kurz nachdem der US-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) bei Springer eingestiegen ist, soll der Konzern restrukturiert werden, wie der Springer-Verlag mitteilte: Weniger Journalismus, mehr TV, mehr Sport, mehr Bezahlartikel und weniger Mitarbeiter – so die Kernstrategie des Restrukturierungsplans.

Springer setzt auf News Media National

In den kommenden drei Jahren sollen digitale Projekte im Fokus der Investitionen stehen: insgesamt mehr als 100 Millionen Euro Investitionen sollen in Wachstumsprojekte bei den journalistischen Kernmarken „Bild“ und „Welt“ fließen. Dabei soll die Bild-Zeitung als Live-Plattform für News, Entertainment und Sport ausgebaut werden. Die Welt soll den Schwerpunkt auf Experten und Kommentatoren legen,  mit mehr Bezahlartikeln. So lautet der Plan von Springer.

Des Weiteren ist ein virtueller Umzug geplant, der sogenannte Axel-Springer-Neubau. Dabei soll es einen gemeinsamen Newsroom für Fernsehen, Digital und Print geben.

Der alte Traum vom Fernsehen

Nach dem Scheitern des Zusammengehens mit ProSiebenSat.1 wird der Traum des verstorbenen Axel Springers vielleicht doch noch wahr. Jedenfalls gehe Friede Springer, dessen Witwe, mit der Zeit, zitiert das Manager-Magazin.

Die BILD soll künftig auf TV-Bildschirme kommen. Informationen von Spiegel zufolge soll ein „18 Stunden Live-Fernsehen täglich“ mit einer eigenen Sendelizenz geplant sein. „Wenn künftig Geschichte passiere, Wahlen gewonnen und verloren, royale Babys geboren würden“ oder ein Erdbeben passiere, sollte man das über das Bild-Fernsehen erfahren, zitiert der Spiegel Julian Reichelt, Chef der BILD.

Mehr AUTO Bild und COMPUTER Bild

Mit einem stärkeren Focus auf AUTO Bild und COMPUTER Bild verspricht sich der Konzern künftig Leserzuwachs und neue Geschäftsmodelle. Es soll ein sogenanntes markenübergreifendes Sport-Kompetenzzentrum eingerichtet werden. AUTO Bild und COMPUTER Bild sollen zu erfolgreichen Spezialmagazinen werden und neue Geschäftsfelder erschließen.

Stellenabbau und schlankere Organisation

Springer plant die folgenden Maßnahmen:

  • Die Ausgaben „Welt Kompakt“ und „Welt Hamburg“ werden künftig nicht mehr auf dem Markt angeboten.
  • Das Wirtschaftsmagazin BILANZ, das ursprünglich mit dem Manager-Magazin konkurrierte, wird künftig in die Welt integriert.
  • Die Redaktionen „Bild“ und „Bild am Sonntag“ werden zusammengeführt.

Infolge der Umstrukturierungen sollen Stellen abgebaut werden. Betroffen sind die nicht mehr wirtschaftlichen Bereiche Media Impact, Sales Impact, einige Redaktionen und Verlagsstrukturen – das soll 50 Millionen Euro einsparen. Die Restrukturierung „erfordert Einschnitte, leider auch bei Mitarbeitern“, sagte Vorstandsmitglied Stephanie Caspar. Das Unternehmen setze dabei in erster Linie auf Vorruhestandsregelungen und Fluktuation.

Gleichzeitig zu sparen und zu investieren wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, gibt Springer selbst zu, glaubt aber dennoch, dass das Vorgehen ein Garant für Wachstum sei.

Der Deutsche Journalisten-Verband rechnet mit einem Abbau von 20 Prozent der Arbeitsplätze in den betroffenen Unternehmensbereichen.

Weniger Journalismus zugunsten der Rendite

Der einst „deutscheste aller deutschen Verlage“ sei nun der „globalste, am stärksten finanzgetriebene Spieler im deutschen Mediengeschäft, der Journalismus gewissermaßen im Nebenerwerb betreibe“, schrieb das Manager-Magazin.

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Das ist keine Reform, sondern ein grundlegender Umbau, der viele bewährte und qualifizierte Journalistinnen und Journalisten auf der Strecke lässt“, kritisierte der DJV-Vorsitzende Frank Überall.

Einer der größten Medienverlage Europas strukturiert so massiv um, dass kein Stein auf dem anderen bleibt“, beanstandete Überall weiter. Springer gehe „auf dem Rücken der Belegschaft ein zu hohes Risiko“ ein, um „die Renditeerwartung des neuen Gesellschafters KKR zu erfüllen.“

Der DJV forderte Springer daher auf, die massiven Umbaupläne nicht durch betriebsbedingte Kündigungen zu bewerkstelligen. Weiterbildungen oder Umschulungen sollten Kündigungen vorgezogen werden.

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte, dass die Verlagsleitung konkrete Zahlen zum geplanten Stellenabbau schuldig geblieben sei.

Sinkende Umsatzerlöse im zweistelligen Prozentbereich erwartet

Springer selbst korrigierte seine Prognose für das Geschäftsjahr 2019 nach unten. Einerseits wegen der Umbaupläne, andererseits wegen des Schwächelns einiger Geschäftsbereiche. Der Konzernumsatz werde voraussichtlich um einen „niedrigen bis mittleren einstelligen“ Prozentsatz sinken (Prognose bislang: Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich). Im Vorjahr stiegt der Konzernumsatz noch leicht an.

Überall rechnet mit Nachteilen für die Leser. Er fragt nach dem Nutzen für die Leser, wenn sie „in drei Zeitungen künftig die gleichen Sportberichte finden.“ Er meint: „Das ist das Gegenteil von Medienvielfalt.“ (bm mit Material von afp)