Coronavirus-Test in einem Labor in Deutschland.Foto: MARIJAN MURAT/dpa/AFP via Getty Images

Virologe kritisiert „gemächliche“ Behörden-Reaktion – Coronavirus „zehnmal gefährlicher“ als die Grippe

Epoch Times25. Februar 2020 Aktualisiert: 25. Mai 2020 15:50
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schätzt aus Sicht des Virologen Alexander Kekulé den Ernst der Lage bei der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus nicht richtig ein. Das Virus werde weiterhin als harmloser als die Grippe dargestellt, sagte er.

Der Virologe Alexander Kekulé hat die Reaktionen europäischer Behörden auf den neuartigen Coronavirus kritisiert. Diese gingen das Thema zu „gemächlich“ an, sagte Kekulé am Dienstag im Deutschlandfunk. Er habe „frühzeitig“ Einreisekontrollen und „flächendeckende Screenings“ zum Schutz vor der Epidemie gefordert, das sei nicht passiert und „daraufhin hat es dann Einschleppungen gegeben“.

Kekulé ist Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. Er forderte nun anlässlich des Ausbruchs in Norditalien großflächig „jeden Fall“ in Europa zu testen, der „schwere Atemwegsinfektionen“ habe.

Dies hatte der Virologe nach eigenen Angaben den europäischen Gesundheitsministern bereits vor zwei Wochen vorgeschlagen. „Darauf haben sich die Minister nicht geeinigt, und jetzt haben wir den Fall in Italien.“ Nun müssten die Behörden die „Zigarette austreten, bevor sie einen Waldbrand verursacht“, mahnte der Mediziner.

Unterdessen kritisierte er auch die Einschätzung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seiner Behörden zur Gefährlichkeit des Coronavirus. „Vor allem ist es so, dass seine Behörden ja immer noch das Coronavirus harmloser als die Grippe darstellen.“ Das Virus sei für denjenigen, der die Infektion bekomme „zehnmal gefährlicher“ als die Grippe, so der Virologe.

Beim Coronavirus seien im Gegensatz zur Grippe auch die Risikogruppen noch unbekannt. „Das ist eine ganz andere Situation“, so Kekulé. Das neuartige Coronavirus sei nicht nur für ältere oder sehr junge Menschen tödlich gewesen, sondern auch für Menschen im mittleren Alter.

Man habe auch keinen Impfstoff für den Coronavirus und „deshalb sehe ich das überhaupt nicht, warum man das bisher so auf die leichte Schulter genommen hat“.

Hohe Dunkelziffer macht Berechnungen schwierig

Weiter liege die Sterblichkeit bei der Grippe bei etwa 0,1 Prozent, beim neuartigen Coronavirus hingegen zwischen 0,5 und 1,5 Prozent, so der Virologe. Die Gesundheitskommission in Peking nannte am 4. Februar eine Sterblichkeitsrate von 2,1 Prozent. Das wäre knapp jeder Fünfzigster.

Geht man bei der Berechnung von den offiziellen Zahlen von derzeit 80.289 Infizierten und 2.704 Toten aus, kommt man auf eine Sterblichkeitsrate von 3,368 %. Berechnet man anhand der 27.878 Genesenen und 2.704 Toten, kommt man auf eine Sterblichkeitsrate von 8,853 %.

Die Dunkelziffer macht eine Berechnung der Sterblichkeitsrate allerdings problematisch. Beobachter und Experten nehmen an, dass die Zahl der Infizierten und Verstorbenen weitaus höher sei.

Laut einer Recherche der chinesischen Epoch Times vom 4. Februar bei Krematorien in Wuhan, wurden nach einer Hochrechnung allein an diesem Tag mehr Leute verbrannt, als bis zu dem Zeitpunkt insgesamt als Verstorbene gemeldet. Dabei nahm ein Epoch Times-Reporter unter falscher Identität Kontakt zu den Krematorien auf und erhielt Informationen über Zahlen und Auslastung von drei der sieben Verbrennungsanlagen in Wuhan.

Rasche Verbreitung in Europa

Unterdessen breitet sich der Virus auch in Europa immer schneller aus. In Italien wurden bei knapp 230 Menschen eine Infektion mit dem Erreger der Lungenkrankheit Covid-19 nachgewiesen, sieben Infizierte starben bereits. Die meisten Infektionen wurden in der nördlichen Region Lombardei verzeichnet. Die italienische Regierung stellte elf Orte mit insgesamt mehr als 50.000 Einwohnern unter Quarantäne.

Laut Kekulé habe man „eigentlich auf dem Papier die Pandemie schon“. Es sei nur „eine politische Frage, wann die WHO die Seuche zu einer Pandemie erklärt. (afp/dts/sk)


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