Fridays for Future in der Kritik: Umweltschule auf Abschlussfahrt mit AIDA – Schule verteidigt Klassenfahrt

Epoch Times20. September 2019 Aktualisiert: 20. September 2019 13:01
Freitags streiken sie für das Klima und schwänzen die Schule. Doch ihre Abschlussfahrt genießen sie auf einem Kreuzfahrtschiff. Verkehrte Welt?

Das letzte Schuljahr ist schon eine besondere Sache. Viele Klassen krönen das Ende ihrer Schulzeit mit einer Abschlussfahrt. Oft zieht es die Schüler in fernere Gebiete. Nicht immer stehen klimafreundliche Züge zum geplanten Ziel parat. Aus diesem Grund geriet die Abschlussfahrt von Schülern eines Frankfurter Gymnasiums in den Fokus von Klimaschützern.

Erst im August wurde die Carl-Schurz-Schule laut „Hessenschau“ von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) für ein Projekt des bundesweiten Wettbewerbs „Umwelt macht Schule“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Aus diesem Grund wurde über die Abschlussfahrt im Vorfeld besonders heiß von Lehrern und Schülern diskutiert.

Um das Ende ihrer Schulzeit zu besiegeln, stimmten die 33 Schüler über eine Abschlussfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff „AIDAbella“ ab. Von Kiel soll es über Oslo weiter nach Kopenhagen gehen. Fünf Tage ist für die Reise eingeplant – bedenklich, denn einige der Schüler sind auch in der Fridays-for-Future-Bewegung aktiv.

Wirbel um Abschlussfahrt

Eine Klassenfahrt mit dem Kreuzfahrtschiff sei nichts Neues, sagte Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken. Bereits vor zwei Jahren seien Schüler aus einem Mathematik-Leistungskurs auf der gleichen Route unterwegs gewesen. „Damals hat das nur niemanden interessiert“, betonte Wyneken. Er bezeichnete es als „symbolische Attacke“, dass um die Abschlussfahrt so viel Wirbel gemacht wird.

Kritik zur Abschlussfahrt gibt es laut „Hessenschau“ von Maike Weber von Fridays for Future in Hessen. Die Schule werde ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht. Vielmehr würde den Schülern gezeigt, „dass sie nicht an einem nachhaltigen Lebensstil interessiert“ seien. Klimaschäden würden bewusst in Kauf genommen, bemängelte Weber.

„Natürlich ist eine Kreuzfahrt problematisch“, sagte Studienleiter Michael Winn. Er ist einer der vier Lehrer, die die Schüler auf der Klassenfahrt begleiten, und ist beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aktiv.  Allerdings würde die Debatte auf der Grundlage von „völlig falschen“ Daten geführt.

CO2-Werte unter der Lupe

1.250 Kilogramm CO2 fallen pro Kopf bei einer Kreuzfahrt an, so die Berechnungen von Klaus Vajen, Professor für Elektrotechnik an der Universität Kassel. Grundlage für die Ermittlungen waren Publikationen der Klimaschutzorganisation Atmosfair.

Diese 1.200 Kilogramm CO2 ließen sich kompensieren, indem man 2,2 Jahre lang vegetarisch isst, 1,3 Jahre die eigene Wohnung nicht beheizt, 9.000 Kilometer Fahrrad fährt und das Auto stehen lässt und 16 Jahre lang kalt duscht, zitiert die „Hessenschau“ die Universität Kassel, Institut für thermische Energietechnik.

Im Vergleich dazu verursache laut Vajen ein Deutscher jährlich 11 Tonnen CO2, und damit viel zu viel. Denn um das 1,5 Grad-Ziel für die Erderwärmung bis 2050 zu erreichen, dürften es lediglich 1,6 Tonnen sein.

Diese Berechnungsansätze hält Studienleiter Winn für falsch.

„Die AIDAbella fährt nicht mit Schweröl, sondern mit schwefelarmem Diesel (0,5% Schwefelanteil), arbeitet mit einem sogenannten Scrubber (einerFilteranlage) sowie einem Katalysator, die zusammen 60% der Rußpartikel, 99% des restlichen Schwefeldioxids und 75% der Stickoxide abfangen“, heißt es in einer Stellungnahme der Schule.

Zudem verfüge das Schiff über einen Landstromanschluss, sodass in Kopenhagen und Oslo die Dieselmotoren abgestellt werden. Der Landstrom werde in Oslo zu 100 Prozent durch Wasserkraft erzeugt.

Laut Winn betragen die CO2-Emissionen mit dem Schiff gerade einmal 600 Kilogramm, also nicht einmal die Hälfte.Und genau für 600 kg haben Lehrer und Schüler Umweltzertifikate bei atmosfair gekauft – und zwar lange bevor die „Hessenschau“ berichtete. Abgesehen von der Bahnfahrt würde sich die Abschlussfahrt damit der CO2-Neutralität annähern. Naomi Baumann ist anderer Meinung. Sie kritisierte laut „Hessenschau“:

Das ist das Schlimmste, was man an Emissionen verursachen kann.“

Die Schülerin engagiert sich bei Fridays for Future und sagte: „Es gibt tausend Alternativen, die man hätte machen können, aber die wurden überhaupt nicht bedacht.“ Als Alternative zur Kreuzfahrt sei eine Fahrt nach Würzburg vorgeschlagen worden, aber das wollte dann keiner.

Schule verteidigt Klassenfahrt

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In einer ausführlichen Stellungnahme verteidigt die Schule die Klassenfahrt. Sie wirft einer Journalistin vor, dass in „ihrem Beitrag alles herausgeschnitten, was nicht in ihren reißerischen Beitrag passte –ein Beispiel für schlechten Journalismus, den ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht verantworten sollte.“

Bei der Abschlussfahrt handele es sich nicht um eine reine Vergnügungsfahrt. Die Reise hätte den Charakter einer Studienfahrt. Zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten vor Ort würden die Schüler Vorträge halten. Museumsbesuche stehen ebenso auf dem Programm wie eine Diskussion über Klimaschutz mit dem bordeigenen Umweltoffizier.

Bahnfahren ist keine grüne Alternative

Keineswegs seien die Fahrten mit der Bahn „so grün, wie es durch Politik und Medien gern dargestellt wird“, heißt es in der Stellungnahme.

Die Schule verweist darauf, dass „gerade für die Hochgeschwindigkeitsstrecken zahlreiche Tunnel gebaut worden [sind]. Jeder Kilometer Tunnelbau verbraucht etwa 30 000 Tonnen (!) CO2. Die Bahn fährt de facto weitgehend mit Kohlestrom und ist Deutschlands größter Verbraucher von Glyphosat.“

Die Schule kritisiert: „Dass wir täglich Lebensmittel einkaufen, die mit Frachtschiffen nach Europa transportiert werden und die mit Schweröl fahren, scheint auch nicht weiter aufzuregen. Nein, es ist ausgerechnet die Fahrt mit einem der umweltfreundlichsten Schiffe weltweit.“ (sua)