LEGO-Steine können bis zu 1.300 Jahre durch die Meere treiben - oder als Mikroplastik über Kläranlagen im Grund- und Trinkwasser enden.
LEGO-Steine können bis zu 1.300 Jahre durch die Meere treiben - oder als Mikroplastik über Kläranlagen im Grund- und Trinkwasser enden.Foto: Andrew Turner, University of Plymouth

LEGO hält sich bis 1.300 Jahre im Ozean – unsichtbare Plastik in Trinkwasser und Dünger

Von 16. März 2020 Aktualisiert: 16. März 2020 19:38
Vergleiche von am Strand angespülten LEGO-Steinen und Neuware zeigt: Die kleinen Plastik-Steinchen könnten auch noch im nächsten Jahrtausend Tiere und Pflanzen bedrohen. Deutlich akuter ist das Problem von Nano- und Mikroplastik im Wasser, denn "wir finden diese Kunststoffe im Trinkwasser, aber wir wissen nicht, warum", so die Forscher.

In den letzten zehn Jahren haben Freiwillige aus Cornwall, darunter die Strandpflege der Rame Peninsula und das „LEGO Lost at Sea“ Projekt, tausende LEGO-Bausteine geborgen. Anhand dieser konnten Forscher der Universität Plymouth ermitteln, inwieweit die beliebten Steinchen in der Meeresumwelt abgenutzt wurden – und wie lange die Plastik in den Ozeanen der Welt verbleiben.

Aus Vergleichen mit unbenutzten Steinen aus den Lagern des Herstellers schätze das Team um Dr. Andrew Turner die Haltbarkeit auf 100 bis 1.300 Jahre. Die vollständigen Ergebnisse ihre Untersuchungen veröffentlichten die Forscher in der Zeitschrift „Environmental Pollution“.

Bis zu 1.300 Jahre: „Volles Ausmaß der Haltbarkeit sogar für uns eine Überraschung“, so die Forscher

Für diese spezielle Studie untersuchte das Team 50 verwitterte LEGO-Steine aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS). Alle Steine stammen von Stränden Südwestenglands. Nach dem Waschen und Wiegen bestimmte Turner die Zusammensetzung des Kunststoffs. Spezifische Mischungsverhältnisse lassen dabei auf das Alter der LEGO-Steine schließen und ermöglichen die Paarung mit Teilen aus dem LEGO-Archiv.

Durch den direkten Vergleich mit unverwitterten Sets aus den letzten 50 Jahren konnten die Forscher den Grad der Abnutzung und daraus die Lebensdauer in der Meeresumgebung ermitteln. Dr. Turner wusste, dass LEGO eine außerordentliche Haltbarkeit aufweisen muss, um in Kinderhänden über Jahre bespielt zu werden. „Das volle Ausmaß der Haltbarkeit war jedoch sogar für uns eine Überraschung“, so der Forscher.

Die untersuchten Stücke wiesen Verformungen und Verfärbungen auf. Zudem waren einige der Strukturen zerbrochen und fragmentiert. Dies, so die Forscher, deutet darauf hin, dass sie auch in Mikroplastik zerfallen könnten.

Chemieprofessor: „Wir trinken ein paar Gramm Plastik jeden Monat“

Diese Mikro- bis Nanometer kleinen Partikel der am häufigsten verwendeten Kunststoffe neigen dazu, sich durch die Wasserversorgung zu bewegen. Insbesondere im Frischwasser, aber auch in Kläranlagen, wo sie als Schlamm, auf Deponien und oft als Dünger enden, fanden Forscher der Washington State University feinste Plastikpartikel.

Forschungsleiter Professor Indranil Chowdhury sagte: „Wir trinken fast ein paar Gramm Plastik jeden Monat oder so. Das ist beunruhigend“. Als Vergleich: Fünf Gramm Plastik entsprechen etwa einer Kreditkarte. Was mit den winzigen Kunststoffen passiert, die sich ihren Weg in die aquatische Umwelt bahnen, veröffentlichten die Forscher in der renommierten Zeitschrift „Water Research“.

Chowdhury geht davon aus, dass mehr als 90 Prozent des Leitungswassers in den USA für den Menschen unsichtbare Kunststoffpartikel enthalten und dass täglich etwa acht Billionen Stückchen Mikroplastik über Kläranlagen in die aquatische Umwelt (Grundwasser, Flüsse und Meere) gelangen.

„Unsere Trinkwasseranlagen sind nicht ausreichend eingerichtet, um diese mikro- und nanoskaligen Kunststoffe zu entfernen“, sagte der Forscher. „Wir finden diese Kunststoffe im Trinkwasser, aber wir wissen nicht, warum [sie sich stabilisieren und so lange halten].“

Sicher ist indes, dass Mikroplastik – unter Umständen auch aus alten LEGO-Steinen – über Jahrhunderte in der Umwelt verbleiben und unbekannte Risiken für Menschen, Tiere und Pflanzen bergen. Während Chowdhury und sein Team an Techniken zur Entfernung von Mikroplastik aus dem Wasser arbeiten, ermutigt er die Menschen, die Verwendung von Einwegkunststoffen zu reduzieren.



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