Für dieses Jahr rechnet das Kfz-Gewerbe, dass sich die Diesel-Problematik entspannt.Foto: Sebastian Gollnow/dpa

„Es wird eine Wertvernichtung betrieben“: Autohäuser ächzen unter Diesel-Krise

Epoch Times14. Februar 2019 Aktualisiert: 14. Februar 2019 15:58
Knapp 12.000 Euro für einen Gebrauchten, rund 31.000 für einen Neuen: Autokäufer geben immer mehr Geld aus. Gute Zeiten für Händler, sollte man meinen. Doch die winken ab.

Nicht nur Diesel-Fahrer leiden unter dem Wertverlust ihrer Fahrzeuge – auch die Autohäuser ächzen unter der Krise.

„Es wird eine Wertvernichtung betrieben, die wir nicht länger hinnehmen können“, sagte der Autohändler Thomas Peckruhn aus Sachsen-Anhalt. Mancherorts ließen sich Euro-5-Diesel auch mit Rabatten von mehr als 30 Prozent nicht mehr verkaufen – wegen bestehender oder drohender Fahrverbote.

Peckruhn ist Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, und der hat nachgezählt: 190.000 Autos der Abgasnorm Euro 5 stehen noch auf den Höfen der Händler. Der Autoverkäufer sieht einen „hysterischen Hype“ um das Diesel-Thema.

Denn neben einem neuen Abgasprüfstandard drückt vor allem dieses Problem auf die Margen der Betriebe: Im vergangenen Jahr konnten sie nur noch 1,0 bis 1,3 Prozent vom Umsatz als Gewinn verbuchen – nach 1,5 Prozent im Vorjahr, was auch schon sehr wenig gewesen sei.

Großes Problem: Leasing-Rückläufer. Ein 40.000-Euro-Auto, vor der Dieselkrise verleast, komme nun zurück und sei ein Viertel weniger wert als üblich, erläuterte Verbandspräsident Jürgen Karpinski. Diese Belastung zwinge einzelne Betriebe sogar in die Knie. Auch im vorigen Jahr machten Autohäuser dicht. 720 Betriebe gingen vom Netz, so viele wie seit 2009 nicht mehr. 36.750 Werkstätten und Autohäuser gibt es noch.

Der Diesel beutelt eine Branche, die ohnehin unter Druck steht. Bei Neuen und Gebrauchten drängen sich Online-Marktplätze zwischen die Händler und ihre Kunden. Knapp jeden achten Neuwagen haben die Deutschen 2018 über Neuwagenportale im Internet gekauft, bei Gebrauchten war es mehr als jeder vierte, wie es beim Verband hieß.

Gemischte Gefühle bereitet den Werkstätten das Ziel, mehr Elektroautos auf die Straßen zu bringen. Für 2025 erwartet die Branche, dass knapp jedes zwanzigste Auto rein elektrisch fährt. Knapp jedes sechste werde einen Hybrid-Antrieb haben; dabei unterstützt ein Elektromotor den Verbrenner.

Weil Elektromotoren nicht so komplex sind wie Verbrenner, rechnet der Verband mit Einbußen beim Service. Doch gerade das Wartungsgeschäft hatte sich zuletzt gut entwickelt, es brachte 2018 schon knapp 34 Milliarden Euro (+5 Prozent) bei einem Branchenumsatz von rund 179 Milliarden Euro (+2,6 Prozent). Die Unternehmen dringen denn auch darauf, dass synthetische Kraftstoffe ebenso gefördert werden wie E-Mobilität.

Für dieses Jahr rechnet das Kfz-Gewerbe damit, dass sich die Diesel-Problematik entspannt. Denn seit Dezember stehen die technischen Kriterien dafür fest, wie Werkstätten Autos nachrüsten können, damit sie in die Umweltzonen fahren dürfen. „Das wird Ruhe bringen“, sagte Karpinski – und den Werkstätten Aufträge. Peckruhn warb: Bei einem drei bis vier Jahre alten Auto seien die rund 2500 Euro sinnvoll investiertes Geld.

Die Deutschen hatten im vergangenen Jahr erstmals seit fünf Jahren wieder etwas weniger neue Autos gekauft, auch wenn die Zahl mit 3,44 Millionen wieder ein hohes Niveau erreichte. Probleme machte außer der Diesel-Problematik ein neuer Abgasprüfstandard, für den die Hersteller nicht für alle Modelle rechtzeitig die Genehmigung hatten. Sie mussten zum Teil die Produktion drosseln. Händler konnten ihren Kunden über Monate keine sicheren Liefertermine nennen. (dpa)



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