(Symbolbild).Foto: iStock

Das Atlantis des Mittelmeeres: Die 9.000 Jahre alte Siedlung Atlit Yam

Epoch Times31. Mai 2019 Aktualisiert: 31. Mai 2019 10:02
Unweit des Küstendorfes Atlit am Mittelmeer liegen die versunkenen Ruinen der jungsteinzeitlichen Stätte Atlit Yam. Die prähistorische Siedlung geht auf das 7. Jahrtausend vor Christus zurück und ist aufgrund des sandigen Meeresbodens bis heute außergewöhnlich gut erhalten. So steht noch heute ein mysteriöser Steinkreis im Zentrum, als sei er erst vor kurzem errichtet worden. Außerdem finden sich unter Wasser Dutzende von menschlichen Skeletten, die ungestört in ihren Gräbern liegen.

Atlit Yam, in der Nähe des heutigen Haifa in Israel, ist eine der ältesten und größten versunkenen Siedlungen, die je gefunden wurde und wirft ein neues Licht auf das tägliche Leben seiner einstigen Bewohner, wie Ancient Origins schreibt. Heute liegt die Stätte jedoch zwischen 8 und 12 Metern unter dem Meeresspiegel und umfasst eine Fläche von 40.000 Quadratmetern. Der Meeresarchäologe Ehud Galili entdeckte sie erstmals 1984.

Seither wurden bei Unterwasserausgrabungen zahlreiche Häuser, steinerne Brunnen, eine Reihe von langen, unverbundenen Mauern, rituelle Bauten, Steinpflasterflächen, eine megalithische Struktur, Tausende von Pflanzen- und Tierresten, Dutzende von menschlichen Überresten und zahlreiche Artefakte aus Stein, Knochen, Holz und Feuerstein freigelegt.

Im Zentrum der Siedlung sind sieben bis zu 600 Kilogramm schwere, zwischen 1,0 bis 2,1 Meter hohe Megalithen in einem steinernen Halbkreis angeordnet. Sie befanden sich einst um eine Süßwasserquelle herum angeordnet, was darauf hindeutet, dass sie für eine Art Wasserritual verwendet worden sein könnten.

Eine weitere Struktur besteht aus drei ovalen Steinen, jeweils 1,6 bis 1,8 Meter hoch, zwei von ihnen mit schematischen Darstellungen von menschenähnlichen Figuren.

Ein Brunnen voller Tierknochen, Holz und vieles mehr

Ein weiteres wesentliches bauliches Merkmal der Anlage ist der aus Stein gebaute Brunnen. Dieser wurde von den Menschen des Dorfes bis in eine Tiefe von 5,5 Metern ausgehoben. An seiner Basis entdeckten die Wissenschaftler eine Sedimentfüllung mit Tierknochen, Stein, Holz und Knochenartefakten. All das deutet darauf hin, dass der Brunnen in seiner Endphase nicht mehr als solches fungierte. Stattdessen wurde er als Abfallgrube sekundär verwendet.

Eine Theorie für die Aufgabe des Brunnens ist die Versalzung des Wassers, das wiederum durch einen Anstieg des Meeresspiegels verbunden war. Die Trinkwasseranlage wurde vermutlich in den ersten Besiedlungsphasen, am Ende des 9. Jahrtausends vor Christus, angelegt und waren für die Aufrechterhaltung einer dauerhaften Siedlung in der Region unerlässlich.

Weiterhin geben die in Atlit Yam gefunden Artefakte Hinweise darauf, wie die prähistorischen Bewohner einst lebten. So fanden die Forscher unter anderem die Spuren von mehr als 100 Pflanzenarten, die um das Dorf wuchsen oder aus der Umgebung gesammelt wurden.

Die tierischen Überreste setzten sich aus Knochen von wilden und domestizierten Tieren zusammen. So konnten die Forscher Schafe, Ziege und Schweine aber auch Hunde und Rinder nachweisen. Darüber hinaus konnten mehr als 6.000 Fischgräte freigelegt werden. In Kombination mit der Untersuchung der menschlichen Überreste, zeigte sich, dass die Fischerei in ihrer Gesellschaft eine große Rolle spielte.

Menschliche Überreste zeigen den ältesten bekannten Fall von Tuberkulose

Neben den Zeugnissen des aktiven Lebens fanden die Unterwasserarchäologen auch Bestattungen. In gehockter Haltung, von Lehm eingeschlossen und mit dicken Sandschichten bedeckt lagen die menschlichen Skelette sowohl innerhalb der Häuser, als auch außerhalb des Dorfes.

Insgesamt entdeckten die Wissenschaftler 65 Bestattungen mit menschlichen Überresten. Eine der bedeutendsten Entdeckungen dieser prähistorischen Stätte ist der Nachweis der Krankheit Tuberkulose in dem Dorf. Die Skelette einer Frau und eines Kindes, die 2008 freigelegt wurden, erbrachten den frühesten bekannten Fall von Tuberkulose. Die Größe der Knochen des Säuglings und das Ausmaß der Krankheitsspuren deuten darauf hin, dass die Mutter die Krankheit an ihr Baby weitergegeben hat.

Was hat Atlit Yam zum Sinken gebracht?

Eines der größten archäologischen Rätsel ist, wie es zum Untergang von Atlit Yam kommen konnte. Die Frage führte in der Vergangenheit bereits zu einigen hitzigen Debatten in akademischen Kreisen.

Eine italienische Studie unter der Leitung von Maria Pareschi vom Italienischen Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie in Pisa gibt einen vulkanischen Zusammenbruch der Ostflanke des Ätna vor 8.500 Jahren als mögliche Ursache an. Dieser Vorgang löste wahrscheinlich einen 40 Meter hohen Tsunami aus, der innerhalb weniger Stunden einige Küstenstädte im Mittelmeerraum verschlang.

Einige Wissenschaftler verweisen dabei auf Atlit Yam und die zurückgelassenen Speisen. Diese blieben zurück als die Menschen des Dorfes plötzlich vor dem Tsunami flohen.

Andere Forscher sind von dieser Theorie nicht überzeugt, da es für sie keine stichhaltigen Beweise für eine Tsunami gibt. Schließlich blieb der megalithische Steinkreis an der Stelle, an der er errichtet worden war, stehen.

Eine Alternative Theorie sei dagegen der Anstieg des Meeresspiegels. So könnte die Siedlung langsam durch den Anstieg des Mittelmeeres überschwemmt worden sein. Dies führte dann zu einer allmählichen Aufgabe des Dorfes, lässt jedoch die Frage offen, warum Archäologen 9.000 Jahre später noch Speisereste fanden.

Was auch immer die Ursache für das Versinken der Siedlung war, es waren die einzigartigen Bedingungen von Ton und sandigen Sedimenten unter salzigem Wasser, die es diesem Dorf ermöglichten, über Jahrtausende hinweg so gut erhalten zu bleiben. (ts)



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