Das Forschungsteam stellte kleine Honigbienenvölker an elf Standorten in der Region Göttingen/Kassel neben Erdbeerfeldern auf.Foto: Svenja Bänsch

Der Tanz der Honigbienen: Hummeln und Wildbienen fliegen auf Erdbeeren

Epoch Times27. Januar 2020 Aktualisiert: 27. Januar 2020 13:29
Während Honigbienen sich von einem reichhaltigen Blütenangebot "ablenken" lassen, fliegen Wildbienen nach Möglichkeit immer auf Erdbeeren. Sie stellen damit eine Gruppe der wichtigsten Bestäuber von Nutzpflanzen dar.

Bienen sind Bestäuber vieler Wild- und Nutzpflanzen, ihre Vielfalt und Dichte nimmt in zahlreichen Landschaften ab. Ein Forschungsteam der Universitäten Göttingen, Sussex und Würzburg hat nun das Sammelverhalten von Bienen in Agrarlandschaften untersucht. Dafür analysierten die Wissenschaftler die sogenannten Bienentänze.

Sie fanden heraus, dass Honigbienen Erdbeerfelder bevorzugen, auch wenn direkt in der Nähe der Raps blühte. Nur bei starker Rapsblüte waren weniger Honigbienen im Erdbeerfeld zu beobachten. Wildbienen wählten hingegen konstant das Erdbeerfeld. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Agriculture, Ecosystems & Environment erschienen.

Ein Team aus den Abteilungen Funktionelle Agrobiodiversität und Agrarökologie der Georg-August-Universität Göttingen stellte für die Untersuchungen kleine Honigbienenvölker an elf Standorten in der Region Göttingen/Kassel neben Erdbeerfeldern auf. Am Rand der durchschnittlich 2,24 Hektar großen Felder schlossen sich Landschaften mit unterschiedlichem Anteil an Raps, halbnatürlichen Lebensräumen und Apfelbäumen an, um mögliche Präferenzen der Bienen zu erkennen.

Anhand von Videoaufnahmen entschlüsselten die Wissenschaftler dann die Bienentänze. Diese Tänze nutzen Honigbienen, um die Richtung und Entfernung einer attraktiven besuchten Nahrungsquelle zu kommunizieren. In Kombination mit Landschaftskarten konnten so die bevorzugten Landnutzungstypen bestimmt werden. Zudem untersuchte das Team, welche Pflanzen die Bienen als Pollenressourcen nutzen und bestimmte die Honigbienen- und Wildbienendichte im Feld.

Bienen fliegen auf Erdbeeren

Die Honigbienen sammelten im Durchschnitt 7,9 Prozent Erdbeere, 49,0 Prozent Raps, 30,2 Prozent Pyrustyp (zum Beispiel Apfel) und 12,9 Prozent andere Pollenarten. Die durchschnittliche Entfernung der Honigbienen zur Futtersuche betrug 740 Meter und nahm mit der Verfügbarkeit von Raps ab.

In den Bienenstöcken wurden die Tänze für Erdbeerfelder nicht direkt von der Verfügbarkeit von Raps oder halbnatürlicher Bodenbedeckung beeinflusst.

Das Ergebnis: Honigbienen bevorzugen das Erdbeerfeld (sofern verfügbar) – auch wenn Raps massenhaft in der Landschaft blüht. Die Honigbienen aus der umgebenden Landschaft sind bei starker Rapsblüte jedoch seltener im Erdbeerfeld anzutreffen. „Solitär lebende Wildbienen, wie Sandbienen, halten sich hingegen konstant im Erdbeerfeld auf“, sagt Erstautorin Svenja Bänsch, Postdoktorandin in der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen.

Hummeln waren am häufigsten in Erdbeerfeldern zu finden (54,1 Prozent), und zusammen mit den Solitärbienen (19,7 Prozent) stellten sie etwa drei Viertel der beobachteten Bienen dar.

„Dieses Ergebnis betont die große Bedeutung von Wildbienen für die Bestäubung von Nutzpflanzen”, ergänzt Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie.

„Mit der Studie konnten wir zeigen, dass insbesondere kleine Honigbienenvölker für die Bestäubung von Erdbeeren im Freiland geeignet sein können. Jedoch zeigen unsere Ergebnisse auch, dass Wildbienen in den Landschaften durch geeignete Managementmaßnahmen gefördert werden sollten“, schlussfolgert Leiterin der Abteilung Funktionelle Agrobiodiversität Prof. Dr. Catrin Westphal. (GAU/ts)



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