Das geheimnisvolle „Blau“ des alten Ägyptens

Von 4. Mai 2010 Aktualisiert: 4. Mai 2010 7:35

Obwohl die meisten ägyptischen Keramikarbeiten undekoriert waren, gab es während des Neuen Königreiches – dem Goldenen Zeitalter Ägyptens – eine Vielfalt eleganter, blau gefärbter Gefäße.

Die Tonarbeiten wurden an vielen Plätzen Ägyptens, im mittleren Osten und im Sudan gefunden. Die meisten Fundstätten befinden sich allerdings in Ägypten. Beachtet man die eingeschränkte Nutzung blauer Farbe, dürfte sie nur Handwerkern mit Beziehung zu königlichen Residenzen zur Verfügung gestanden haben.

Um für die chemische Analyse eine Probe dieser blauen Farbe ohne Verunreinigungen zu erhalten, krochen Dr. Jennifer Smith, eine Professorin an der Washington Universität in St. Louis, Dr. Colin Hope, Professor und Direktor des Zentrums für Archäologie und Alte Geschichte, an der Monash Universität in Australien und Paul Kucera, ein Doktorand der Monash Universität, bäuchlings durch einen langen engen Tunnel der zur Pharaonenzeit nahe der bekannten Wüstenoase Dakhleh in den Fels gehauen wurde .

Diese Oase, deren Grundwasser, durch den eigenen Druck entlang Rissen im Gestein an die Oberfläche gelangt, wird vermutlich seit 400.000 Jahren durchgehend bewohnt.

Obwohl die Verwendung kupferhaltiger Mittel zur Färbung mancher Skulpturen bekannt ist, kommt Kupfer zur Färbung des blauen Geschirrs nicht in Frage. Es musste davon ausgegangen werden, dass eine kobalthaltige Lösung oder Masse als Färbemittel verwendet worden war.

Die Analyse der Scherben vom Fundort zeigte, dass in der Farbe tatsächlich Kobalt enthalten ist. Daneben wurde auch Zink, Nickel und Mangan in einer charakteristischen Zusammensetzung gefunden, die auch als chemischer Fingerabdruck dienen könnte.

„Wenn wir ein natürliches Mineral charakterisieren möchten, interessiert uns nicht nur seine chemische Zusammensetzug, sondern auch wie die Elemente, die es bilden angeordnet sind, bzw. seine Kristallstruktur“, sagt Smith.

Im Fall der Dakhleh-Keramik konnte die Kristallstruktur zur Aufklärung nur wenig beitragen, da sie bereits während der Vorbereitung der Farbe zerstört worden wäre. Nur die Zusammensetzung  konnte das Mineral mit dem Ton verbinden.

„Pigmente auf Kupferbasis müssen in dicken Lagen aufgetragen werden, was nach dem Brennen geschieht; deshalb platzt die Farbe später leicht ab. Bei der blauen Tonware, so stellte man fest, wurde das Mittel zum Färben allerdings aufgebrannt“, sagte Hope in einer Pressenachricht.

Als sich die Forscher auf der Suche nach der rätselhaften Farbe befanden, bemerkten sie in der Umgebung der Oase einen alten Schutthaufen an einer Kalksteinklippe, die dort das Niltal nahe des bereits erwähnten Tunnels von der Wüste trennt.

Im unteren Teil der Klippe am westlichen Ende von Dakhleh waren vier Minenschächte akribisch genau von Hand aus dem Felsen gehauen worden. Es ist bekannt, dass die ägyptischen Verwalter des Niltales zurzeit ihres größten Einflusses die Erschließung von Mineralvorkommen im Tal und den umliegenden Wüstenregionen finanziell gefördert hatte.

Stufen, die sich entlang der Schächte befanden, ermöglichten einen sicheren Abstieg. Die Schächte boten den Zugang zu horizontal angelegten Galerien. Manche davon sind bis zu 15 Metern lang und folgen Adern des Minerals Alaun.

Die Mineralien dieser nur wenige Zentimeter dicken Adern sind faserig, blassgrau bis pink gefärbt und zeigen beim Kontakt mit der Haut eine austrocknende Wirkung.

Mit der Vermutung, dass der Alaun möglicherweise die geheime Zutat zur Herstellung der blauen Farbe war, entnahm Smith eine Probe zur Analyse.

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Die Ergebnisse zeigten, dass der Alaun Kobalt enthielt. Das enthaltene Kobalt wies Spuren von Mangan, Nickel und Zink auf, die genau zu gleichen Prozentteilen enthalten waren wie in der blauen Farbe!

Da jedoch die Kobaltkonzentration im Alaun zu gering war, um als Färbemittel zu dienen, fragte sich Smith, wie die Töpfer in der Lage waren den Alaun zu konzentrieren. Sie bemerkte, dass ein Mineralbrocken, den sie am Rand eines teilweise überfluteten Schachtes gesammelt hatte, eine höhere Konzentration an Kobalt aufwies als andere Funde. Smith sagte, das würde wahrscheinlich daran liegen, dass sich die im Alaun enthaltenen Sulfate in Wasser leicht lösen, wodurch das verbleibende Kobalt einen höheren Prozentanteil bekam.

„Ich sehe all die verschiedenen Mineraladern hier und könnte ohne Analyse nicht sagen, welche konzentriertes Kobalt zu Färbung enthält und welche nicht; aber damals müssen sie Beobachtungsmöglichkeiten gehabt haben zur Unterscheidung, welche Ader ausgeschachtet werden kann. Das beeindruckt mich sehr“, sagte sie.

Originalartikel auf Englisch: Scientists Discover ‘Blue‘ Mystery of Ancient Egypt