Aus dem Herzen gesprochen: Ein Artikel von Gao Zhisheng freigegeben

Von 16. Januar 2011 Aktualisiert: 26. Juni 2017 12:26
Der chinesische Bürgerrechtsanwalt Gar Zhisheng wurde am 6. Februar 2009 erneut verhaftet. Nun autorisierte sein Frau Epoch Times, einen seiner unveröffentlichten Artikel zu publizieren. Hier exklusive: „Aus meinem Herzen gesprochen".

Im Jahr 2007 schrieb der chinesische Bürgerrechtsanwalt Gao Zhisheng den Artikel „Dunkle Nacht, dunkle Kapuze und Entführung durch eine dunkle Mafia in China„, der eine bedrückende Darstellung von 50 Tagen der Folter in den Händen chinesischer Sicherheitsbeamter im September, Oktober und November 2007 lieferte.

Der Artikel wurde nach einer neuerlichen Verhaftung Gaos am 6. Februar 2009 zur Veröffentlichung freigegeben. Gaos Frau Geng He, die mit ihren Kindern in die USA entkommen konnte, entdeckte kürzlich den Prolog zu „Dunkle Nacht“, den Artikel „Aus meinem Herzen gesprochen“.

Sie autorisierte die Epoch Times, den Artikel zum ersten Mal mehrsprachig zu veröffentlichen:

Aus meinem Herzen gesprochen

Unter dem wachsamen Auge des Himmels und inmitten der riesigen, freien und zivilisierten Welt gibt es keine Untat, vor der die Kommunistische Partei Chinas zurückschrecken würde, oder zu der sie unfähig wäre sie zu vollbringen. Es ist in der Tat schockierend!

Obwohl es in China 1,3 Milliarden Menschen gibt, ist meine Familie, jeglicher Unterstützung beraubt, so unglaublich hilflos!

Vor dem September 2007 gab es nur vier Personen in ganz China, die sich weigerten der Kommunistischen Partei zu folgen und die darauf bestanden, öffentlich zu ihrer Freundschaft mit mir zu stehen. Als Resultat davon wird einer nun ständig von der Polizei beschattet; die anderen drei wurden im September gekidnappt und erlitten brutale Schläge und psychische Folter.

Im Jahr 2008, wurde Hu Jia, der fortfuhr, sich den Befehlen der KPCh zu widersetzen, in Haft festgehalten. Huang Yan wurde gekidnappt und im Gefängnis mit Falun GongPraktizierenden gemeinsam festgehalten, wo sie brutale Folter erlitt. Zusätzlich wurde Huang Zeugin davon, dass die Folter, der die Falun Gong-Praktizierenden ausgeliefert waren, bei weitem noch furchtbarer war. Unter der Einschüchterung der Folter traut sich im heutigen China niemand mehr, öffentlich mit mir zu kommunizieren.

Jetzt ist es für mich unglaublich schwer, meiner Stimme Gehör zu verschaffen. Darüber hinaus bin ich ständig einer bedrohlichen Lage ausgesetzt. Seit mehr als drei Jahren haben die Behörden eine große Menge an Personal, Geld als auch gnadenlosen Methoden entwickelt, um ihr Ziel, mich zum Schweigen zu bringen, zu erreichen.

Im November letzten Jahres, als ich in einem Hotel lebte, teilte ich mir mit den Polizeibeamten einen Raum, sie erstickten jeden kleinsten Happen persönlicher Freiheit. Sie haben ihr Ziel erreicht, mich in ein lebendiges und nichtsdestotrotz erbärmliches menschliches Wesen zu verwandeln. Ich erzähle meiner Frau Geng häufig im Spaß: „In diesem globalen Dorf leben sechs Milliarden Menschen zusammen, aber unsere Familie lebt abgetrennt vom Rest der Welt.“

Außenstehenden mag es so vorkommen, als führe unsere Familie ein furchtbar armseliges Leben. In der Tat hat meine Frau am meisten gelitten. Ich selber bin grundsätzlich optimistischer Natur und glaube an den Schöpfer.

Selbst als ich bis an den Rand des Todes gefoltert worden war, war der Schmerz nur in meinem physischen Körper zu spüren. Ein Herz, das mit Gott gefüllt ist, kennt keinen Raum um Schmerz und Leid zu unterhalten. Ich singe häufig laut mit meinen beiden Kindern, aber meine Frau singt niemals mit. Ungeachtet all meiner Bestrebungen fühlt sie sich im Herzen immer noch elend.

Tochter darf nicht zur Schule gehen

Die Wurzel ihres Leidens rührt daher, dass unsere Tochter Gege nicht zur Schule gehen kann. Seitdem es ihr verboten worden war zur Schule zu gehen, war auch ich für einige Zeit verzweifelt. Es gibt nichts, was traumatisierender sein könnte. Geschockt und empört protestiere ich hiergegen fortwährend gegenüber den Behörden. Meine Frau ist wegen dieser Umstände am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und an die Freunde appellieren, die immer noch einen letzten Rest von Freiheit genießen, um für Guo Feixiong einzustehen und seiner Frau und Kindern zu helfen. Wenn die von der KPCh angeheuerten Schurken überall in China auftauchen, wenn der Geist unserer Nation in einer Sackgasse steckt, dann brauchen wir Helden wie Guo, die für die Leute kämpfen.

Diese mutigen Helden, Guo Feixiong, Hu Jia, Yang Tianshui, Chen Guangcheng, Xu Wanping, Wang Bingzhang und Guo Quan, die sich opfern und ihre Leben für Chinas Freiheit und Glauben riskieren, sind Chinas wahre Hoffnung. Wenn wir ihnen und ihren Angehörigen heute mehr Hilfe anbieten, werden sich unsere Kinder und Enkel nicht schämen, wenn sie auf dieses Kapitel der Geschichte zurückblicken werden.

Keine Moral im heutigen China: KPCh – Synonym für Unmoral und Bösartigkeit

Im heutigen China wissen wir, das Güte und Moral immer schwerer zu finden sind. Hu Jias Erfahrung hat die raue Realität deutlich gezeigt – es ist nicht nur schwierig, sondern sogar gefährlich, moralisch integer zu sein.

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Seit uralten Zeiten haben die Leute daran geglaubt, dass Gutes mit Gutem und Böses mit Bösem vergolten wird. Wie dem auch sei, dieser Glaube wurde im heutigen China zerstört, indem die Parteikultur der KPCh jede Ordnung der Gesellschaft infiltriert hat.

In den alten Tagen, in denen die Tradition aufrechterhalten wurde, achteten die Menschen auf Güte und Werte. Wie auch immer, im heutigen China wurde das Aufrechterhalten moralischer Werte und Gutherzigkeit entwurzelt. Das chinesische kommunistische System wurde zum Synonym für Unmoral und Bösartigkeit.

Das sogenannte Wirtschaftswunder in China wurde auf der Zerstörung der Umwelt aufgebaut. Während sich die Leute an der verzerrten wirtschaftlichen Entwicklung, die zu Chinas oberflächlichem Wohlstand führte, erfreuen, ignorieren sie wissentlich den furchtbaren Schaden an Chinas Umwelt und die grausame Wirklichkeit, dass siebzig Prozent der chinesischen Bevölkerung jeglicher Bürgerrechte enthoben sind.

Im heutigen China haben die Menschen in Dörfern mit Wasserressourcen Angst, ihr eigenes Wasser zu trinken, die auf den Milchfarmen haben Angst, ihre eigene Milch zu trinken, Bauern fürchten sich, ihre eigene Ernte zu essen, und Hersteller von Nahrungsmitteln scheuen davor zurück, ihre eigenen Produkte zu essen.

Das ist die überwältigende Wirklichkeit: die Leute geben vor, die Realitäten nicht zu sehen und bestreiten die Wahrheit. Es ist zu einem Trend in China geworden, Schönheit abzulehnen und das Hässliche zu verehren. Währenddessen geht die KPCh mit schlechtem Beispiel voran und ist die Ursache aller Probleme in China.

Die verdorbene Regierung von China entwirft Regeln, um das Gute zu unterdrücken und das Böse zu ermutigen, was die bösen Menschen in China dazu bringt, ungezügelt in China zu wüten. Die, die an der Macht sind, werden sich im Wettbewerb stets durchsetzen. Diejenigen ohne Moral werden sich ebenfalls durchsetzen. Diejenigen mit Macht und ohne Moral bilden die Gruppen der Mächtigen.

Das korrupte Rechtswesen von China hat den Hass und die Abscheu gegen die Gruppen, die aus den ungerechten wirtschaftlichen Reformen hervorgegangen sind, weiter geschürt. Proteste und Gewalt sieht man überall in China und sie führen China in einen weiteren Kreislauf der Gewalt.

Das heutige China ist eine korrupte Gesellschaft. Es wird nicht von ein paar auserwählten Wenigen korrumpiert. Stattdessen ist es die Mehrheit der Bevölkerung, die korrupt ist.

Fackellauf in China – eine Farce

Als der KPCh die große Ehre übertragen worden war, die Olympischen Spiele 2008 auszurichten, erlaubten die Spiele dem Regime seine totalitären Gesetze auf diese bedeutende Sportveranstaltung auszuweiten. Die KPCh tauschte den olympischen Geist mit ihrem Totalitarismus.

Die Programme im nordkoreanischen Stil zur olympischen Eröffnungs- und Abschlussfeier verkörperten die autoritäre Kultur, inklusive einer Darstellung von Chinas „friedlichem Aufstieg“. Die Lieder und Tänze bei den Spielen überdeckten die Schreie nach Hilfe der Menschen am unteren Rand der chinesischen Gesellschaft und der Opfer der Menschenrechtsverletzungen der KPCh.

Als ich in Xinjiang war, fand ich heraus, dass die Massen, die dem olympischen Fackellauf an den Straßen zujubelten, von den chinesischen Behörden angeheuert worden waren. Alle Familien, die entlang des Verlaufs des Fackellaufes wohnten, sind tatsächlich gewarnt worden: Niemandem war es erlaubt Fenster oder Türen zu öffnen. Niemandem war es erlaubt, Banner zu zeigen oder Slogans zu rufen. Bei Zuwiderhandlung wären sie von den Scharfschützen auf den Straßen erschossen worden.

Die Welt außerhalb wusste nicht, dass hinter dem Jubel des olympischen Fackellaufs Gewalt und Drohungen der KPCh steckten. Das ist die Methodik, die China anwendet, um die Menschen zu kontrollieren und die unterschiedlichen Stimmen der Chinesen zu unterdrücken, um der Welt ein verfälschtes Bild von China zu präsentieren.

Einige der Machthaber in China müssen begriffen haben, das all diese falschen Vorstellungen, die die KPCh gibt, sie nicht vor ihrem Untergang schützen werden. Die kostspielige Propaganda der KPCh hat weder die Korruption der chinesischen Behörden unterbunden, noch geholfen, die Proteste überall in China zu unterbinden.

Aufrechter Dank an friedliche demokratische Bewegungen

Ich möchte die Gelegenheit nutzen und denjenigen Chinesen innerhalb und außerhalb Chinas, die ernsthaft um Chinas Zukunft bemüht sind, meinen aufrechten Dank aussprechen.

Ich möchte die Auslandschinesen dazu anhalten, zusammen für ein demokratisches China zu arbeiten.

Ich möchte demokratische und religiöse Gruppierungen dazu anhalten, zusammen zu arbeiten und in dem Bemühen auszuharren, sich für eine friedliche Umwandlung Chinas in einen demokratischen Staat einzusetzen.

Ich möchte weiterhin vorschlagen, ein Menschenrechtskomitee einzurichten, das jedes Opfer von Menschenrechtsverletzungen in China repräsentiert. Alles in allem gibt es in China heute mehr derartiger Opfer, als man zählen kann. Die dokumentierten Fälle sollten den Menschenrechtskomitees der UN und Staaten überall auf der Welt präsentiert werden.

Ich möchte weiterhin empfehlen, eine Zeitung zum Thema Menschenrechte ins Leben zu rufen, die täglich Menschenrechtsverletzungen dokumentiert und die Namen der Opfer und die Städte, in denen die Verbrechen stattgefunden haben, vor den Augen der Welt veröffentlicht. Das vorgeschlagene Komitee sollte Niederlassungen in verschiedenen Provinzen und Städten Chinas haben, so dass Berichte über Menschenrechtsverletzungen in China systematisch gesammelt werden können.

Das Komitee kann verschiedene Arbeitsgruppen bilden, die die Verbrechen gegen Religionsfreiheit, die Unterdrückung von Menschen,  die für ihre Rechte eintreten, Bauern, die von ihren Ländereien vertrieben worden sind und für diejenigen, die wegen ihrer Teilnahme an den demokratischen Protesten in Peking 1989 teilnahmen, welche im Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni gipfelten. Der Wert, der demokratisches Recht für uns bedeutet, setzt uns in die Position jenen zu helfen, die unter Menschenrechtsverletzungen leiden.

Ich schlage vor, das Leute, die gewillt sind sich einzusetzen, anstreben sollen, alle Chinesen, die gegen ein totalitäres System sind, zu vereinen, inklusive ethnischer Gruppen, die eine Autonomie anstreben. Außerdem sollten sie Netzwerke zur Veröffentlichung nutzen, um die Bürger über die Vorzüge einer föderalen Union autonomer Provinzen aufzuklären. Lasst sie wissen, dass dies automatisch zu der Verwirklichung der Autonomie ethnischer Gruppen führen wird.

Das neue System muss auch medizinische Versorgung, Pensionen und andere generelle soziale Sicherheitsmaßnahmen für das zukünftige China einführen; ein unabhängiges Rechtssystem entwickeln, das Versprechen einer jährlichen Ausgleichszahlung für die Opfer der Verfolgung durch Diktatoren einführen und die Verbrechen aufklären, die durch die Führung der Kommunistischen Partei begangen worden sind.

Wir müssen unser Gedankengut effektiv ausbreiten, in der Art wie die Lehre der „Neun Kommentare“ verbreitet worden sind und die Aufmerksamkeit der Menschen vorantreiben.

Ich möchte weiterhin Gruppen innerhalb und außerhalb Chinas aufrufen, jede Anstrengung zu bemühen um Guo Quan und Liu Xiaobo zu retten. Die Verhaftung von Liu Xiaobo macht die Schamlosigkeit des derzeitigen Regimes offensichtlich.

Verfolgung von Falun Gong: Schlimmste und brutalste Verfolgung in der Geschichte Chinas

Desweiteren kann ich mir nicht helfen und sehe mich gezwungen an die chinesischen Demokraten und Menschenrechtsaktivisten zu appellieren. Derzeit sind viele der Persönlichkeiten aus den Kreisen der Demokraten und Menschenrechtler keine rechtschaffenen Fürsprecher einer Änderung mehr:  Sie haben sich zu ruhmsüchtigen Opportunisten entwickelt. Sie ignorieren wissentlich die Verfolgung von Falun Gong durch die Kommunistische Partei Chinas, als ob sie nicht existiere, die jedoch die schlimmste und brutalste Verfolgung in der Geschichte von Chinas Katastrophen darstellt.

Nachdem ich mich öffentlich für Falun Gong-Praktizierende ausgesprochen hatte, bezeichneten diejenigen, mit denen ich privat Kontakt hatte, mich als radikal. Diese Art des „Konsens“ nährt die bösartigsten Verbrechen, die jemals in China begangen worden sind und verschlimmert die Verfolgung unserer Landsleute bei weitem.

Der Hungerstreik gegen Gewalt, den ich initiierte, war friedlich und im Rahmen der Gesetze, jedoch jene ruhmsüchtigen demokratischen Aktivisten, anstatt dass sie mich unterstützten, mobilisierten, um gegen mich Stimmung zu machen. Die Schreiber unter ihnen beriefen sich sogar auf die Gesetzgebung, um mich anzugreifen. Sie hörten nicht einmal auf, als ich hinter Gittern war. Das hat mich in der Tat vor Enttäuschung aufseufzen lassen.

Warum haben sie das getan? Es gibt nicht so häufig die Gelegenheit für mich, öffentlich zu sprechen, aber heute muss ich eine Sache deutlich machen: Dies sind Taten der dunklen Seite der menschlichen Natur! Der selbstsüchtigen Natur! Hört umgehend damit auf! Ungeachtet wie geschickt ihr eure schamlosen Ansichten zum Ausdruck bringen könnt, es ist alles umsonst. Nachdem ich durch die Folter gegangen bin spreche ich mit meiner wahren Stimme des Schmerzes.

Auch wenn es sich unangenehm anhört, ist es doch nicht die Stimme des Zorns.

Für alle Kollaborateure der KPCh, überall in der Welt, sie sollten alle wissen, dass die KPCh das derzeit dunkelste Regime weltweit ist, das eine Natur besitzt, die im Gegensatz zur Zivilisation steht. Wie auch immer, viele, die gemeinsame Sache mit der KPCh machen, sind inzwischen Teil ihrer dunklen Politik geworden, um ihre materiellen Interessen zu verwirklichen. Andere Kollaborateure sind von den verworrenen Lügen der KPCh verführt worden, verstehen nicht die bösartige Natur der KPCh und singen sogar Loblieder auf ihre falschen Versprechungen und Täuschungen.

Zu guter Letzt möchte ich jenen Freunden außerhalb des Landes danken, denen es wirklich um die Menschenrechte in China geht. Vielen Dank an Scott [Edward McMillan-Scott, Vizepräsident der Europäischen Union], Manfred Nowak [ehemaliger UNO-Sonderbeauftragter für Folter], den beiden Davids [David Kilgour und David Matas, nominiert für den Friedensnobelpreis und Autoren von „Blutige Ernte“) in Kanada und den Damen und Herren der Europäischen Union! Sie haben uns ihre selbstlose Unterstützung und unsere Hoffnung für Freiheit und Menschenrechte einzutreten, gegeben.

Die Veröffentlichung dieses Artikels wird zu einer neuerlichen Entführung von mir führen. Entführungen sind derweil Teil meines normalen Lebens geworden. Wenn es erneut passieren wird, dann lass es geschehen!

Gao Zhisheng, 1. Januar 2009

Dieser Artikel auf Englisch: Speaking from My Heart: A New Article by Gao Zhisheng