Ein Komet aus den Weiten des Alls hat - wahrscheinlich - vor über 12.000 Jahren Teile der Atacama-Wüste in Chile zu Glas geschmolzen.
Sternenhimmel über der Atacama-Wüste.Foto: iStock

Explodierender Komet verwandelte Teile der Atacama-Wüste vor 12.000 Jahren zu Glas

Von 3. Dezember 2021
Eine Studie unter Leitung von Forschern der Brown University ergab, dass vor 12.000 Jahren ein Komet knapp über dem Boden der Atacama-Wüste explodierte und ihren sandigen Boden über 75 Kilometer zu gläsernen Flecken zerschmolz.
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Vor etwa 12.000 Jahren versengte etwas einen großen Teil der Atacama-Wüste im heutigen Chile mit. Die Hitze war derart stark, dass sich der sandige Boden in ausgedehnte Glasplatten verwandelte. Ein Forscherteam, das die Verbreitung und Zusammensetzung dieser Gläser untersuchte, konnte nun den Ursprung entschlüsseln: Ein Komet hat dieses Inferno verursacht. Höchstwahrscheinlich.

In ihrer Studie zeigen die Forscher um Pete Schultz, Professor an der Brown University (USA), dass die Proben des Wüstenglases winzige Fragmente mit Mineralien enthalten, die häufig in Gesteinen außerirdischen Ursprungs zu finden sind. Diese Mineralien stimmen genau mit der Zusammensetzung von Material überein, das von der „Stardust-Mission“ der NASA zur Erde zurückgebracht wurde. Bei dieser Mission sammelte die NASA 2004 Partikel von einem Kometen namens „Wild 2“.

Das Team kommt daher zu dem Schluss, dass es sich bei Mineralien aus dem „Atacama-Glas“ wahrscheinlich um die Überreste eines außerirdischen Objekts handelt. Dieses Objekt – höchstwahrscheinlich ebenfalls ein Komet – besaß eine ähnliche mineralische Zusammensetzung wie Wild 2. Seine markanten Spuren hinterließ er kurz nach einer bodennahen Explosion, bei der er die darunter liegende sandige Erdoberfläche zum Schmelzen brachte.

„Dies ist das erste Mal, dass wir eindeutige Beweise für Gläser auf der Erde haben, die durch die Wärmestrahlung und die Winde eines Feuerballs entstanden sind, der direkt über der Oberfläche explodiert ist“, erklärte Prof. Schultz. „Um eine so dramatische Wirkung auf ein so großes Gebiet zu haben, muss dies eine wirklich massive Explosion gewesen sein. Viele von uns haben schon Feuerbälle über den Himmel ziehen sehen, aber das sind winzige Flecken im Vergleich zu diesem“.

Riesige Waldbrände vs. Komet

Die Gläser konzentrieren sich in der Atacama-Wüste östlich der Pampa del Tamarugal, einer Hochebene im Norden Chiles. Felder aus dunkelgrünem oder schwarzem Glas kommen in einem Korridor von etwa 75 Kilometern Länge vor. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Gläser durch vulkanische Aktivitäten entstanden sein könnten, sagt Prof. Schultz, sodass ihr Ursprung ein Rätsel ist.

Einige Forscher vermuten, dass das Glas von alten Grasbränden herrührt, da die Region nicht immer Wüste war. Während des Pleistozäns gab es Oasen mit Bäumen und grasbewachsenen Feuchtgebieten, die durch Flüsse entstanden. So wurde vermutet, dass weit verbreitete Feuer heiß genug brannten, um den sandigen Boden zu großen Glasplatten zu schmelzen. Laut den Forschern um Prof. Schultz sprechen jedoch die Menge des vorhandenen Glases und mehrere wichtige physikalische Eigenschaften gegen die Theorie der einfachen Brände als Ursache.

Die Gläser zeigen Anzeichen dafür, dass sie gedreht, gefaltet, gerollt und sogar geworfen wurden, während sie noch in geschmolzenem Zustand waren. Das passt zu einem großen eintreffenden Meteor oder einer Explosion in der Luft, die von Winden mit Tornado-Stärke begleitet gewesen wäre. Die Mineralogie des Glases lässt weitere ernsthafte Zweifel an der Idee des Grasfeuers aufkommen, so Prof. Schultz. Zusammen mit anderen Forschungseinrichtungen in den USA und Chile führten Prof. Schultz und seine Kollegen eine detaillierte chemische Analyse Dutzender Glasproben aus der Region durch.

Dabei fanden sie Zirkone, silikatische Mineralien, die sich thermisch zersetzt haben, um Baddeleyit zu bilden. Dieser Mineralienübergang findet typischerweise bei Temperaturen von über 1.650 Grad Celsius statt. Dies sei weitaus heißer als das, was bei Grasbränden entstehen könnte, erklärt Prof. Schultz.

Nicht von dieser Welt

Die Analyse ergab auch eine Menge exotischer Mineralien, die nur in Meteoriten und anderen außerirdischen Gesteinen vorkommen, so die Forscher. Bestimmte Minerale wie Cubanit, Troilit und Kalzium-Aluminium-reiche Einschlüsse stimmten außerdem mit Mineralsignaturen von Kometenproben überein, die von der Stardust-Mission der NASA geborgen wurden.

„Diese Minerale sind es, die uns sagen, dass dieses Objekt alle Merkmale eines Kometen aufweist“, so Scott Harris, Planetengeologe am Fernbank Science Center und Mitautor der Studie. „Dass dieselbe Mineralogie, die wir in den Stardust-Proben gesehen haben, in diesen Gläsern enthalten ist, ist ein starker Beweis dafür, dass das, was wir sehen, das Ergebnis einer Kometenexplosion ist“.

Es müssen noch weitere Arbeiten durchgeführt werden, um das genaue Alter der Gläser zu bestimmen. Dies könnte dann wiederum eine genaue Datierung des Ereignisses liefern, so Prof. Schultz. Die vorläufige Datierung lege jedoch nahe, dass der Einschlag genau zu der Zeit stattfand, als große Säugetiere aus der Region verschwanden.

„Es ist noch zu früh, um zu sagen, ob es einen kausalen Zusammenhang gab oder nicht. Was wir aber sagen können, ist, dass dieses Ereignis etwa zur gleichen Zeit stattfand, als die Megafauna verschwand. Das ist ein ziemlich faszinierender Zeitpunkt“, so Prof. Schultz. „Es besteht auch die Möglichkeit, dass frühe Bewohner, die gerade erst in die Region gekommen waren, das Ereignis beobachteten. Das wäre ein ziemliches Spektakel gewesen.“

Prof. Schultz und sein Team hoffen, dass weitere Forschungen zudem dazu beitragen können, die Größe des Kometen zu ermitteln. Weiterhin könnte diese Entdeckung dabei behilflich sein, ähnlichen Explosionsorte an anderen Orten zu finden und das potenzielle Risiko solcher Ereignisse aufzuzeigen.

Die Studie erschien am 02. November in der Fachzeitschrift „Geology“ unter dem Titel: „Widespread glasses generated by cometary fireballs during the late Pleistocene in the Atacama Desert, Chile“.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 20, vom 27. November 2021.



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