Selbstzerstörung: Hubble-Teleskop fängt 30 Fragmente des ATLAS-Kometen ein

Von 29. April 2020 Aktualisiert: 1. Mai 2020 11:09
Kurz nach seinem 30. Geburtstag macht das Hubble-Teleskop Astronomen ein Geschenk: Zwei Bilder des Kometen C/2019 Y4 - alias "Atlas" - zeigen das Auseinanderbrechen des fragilen Kometen in zwei Dutzend Fragmente.

Am 29. Dezember 2019 entdeckten Astronomen den Kometen C/2019 Y4, genannt ATLAS. Er ist nach dem von der NASA unterstützten Projekt zur planetaren Verteidigung „Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System“ benannt und hätte nach Meinung einiger Astronomen „einer der spektakulärsten Kometen werden [können], die in den letzten 20 Jahren gesehen wurden.“

Nach einem kurzen, starken Aufleuchten im März wurde der Komet allerdings abrupt dunkler. Die Astronomen spekulierten, dass der eisige Kern fragmentieren oder sich sogar auflösen könnte. Der Amateurastronom Jose de Queiroz bestätigte dies am 11. April mit einem Foto von drei Kometen-Fragmenten.

Solche Kometen „kommen nur ein- oder zweimal pro Jahrzehnt vor“

Auch das Hubble-Weltraumteleskop wandte sich ATLAS zu. Am 20. und 23. April 2020 gelangen Astronomen die bisher schärfsten Ansichten des Auseinanderbrechens des fragilen Kometen.

Hubble identifizierte 25 beziehungsweise 30 Fragmente in dem von Sonnenlicht durchfluteten Kometenschweif. David Jewitt, Professor für Planetenwissenschaften und Astronomie an der University of California Los Angeles (UCLA) sagte:

Ihr Aussehen ändert sich zwischen den beiden Tagen erheblich, so sehr, dass es recht schwierig ist, die Punkte zu verbinden.“

Dank Hubbles Adleraugen erspähten die Astronomen etwa Haus-große Bruchstücke des Kometen – in 146 Millionen Kilometer Entfernung. „Das ist wirklich aufregend […] auch, weil sie nicht sehr oft stattfinden“, sagte der Leiter eines zweiten Hubble-Beobachterteams, Quanzhi Ye, von der University of Maryland.

Die meisten Kometen, die fragmentieren, sind zu schwach, um sie zu sehen. Ereignisse von solchem Ausmaß kommen nur ein- oder zweimal pro Jahrzehnt vor.“

Lösen sich die Fragmente nicht weiter auf, fliegen sie am 23. Mai in einer Entfernung von etwa 116 Millionen Kilometer an der Erde vorbei. Acht Tage später werden sie die Sonne mit nur 40 Millionen Kilometer Abstand passieren.

Selbstzerstörung als vorherrschender Mechanismus

Die Ergebnisse sind ein Beweis dafür, dass die Fragmentierung von Kometen tatsächlich ziemlich häufig vorkommt, so die Forscher. Es könnte sogar der vorherrschende Mechanismus sein, durch den die festen, eisigen Kerne der Kometen sterben. Da die Fragmentierung schnell und unvorhersehbar vor sich geht, sind zuverlässige Beobachtungen selten. Entsprechend unsicher ist ihre Ursache.

Eine Idee ist, dass sich der ursprüngliche Kern aufgrund der Strahlwirkung der Ausgasung von sublimierendem Eis selbst in Stücke geschleudert hat. Da eine solche Entgasung wahrscheinlich nicht gleichmäßig über den Kometen verteilt ist, verstärkt sie das Aufbrechen. Weitere Analysen der Hubble-Daten könnten zeigen, ob dieser Mechanismus dafür verantwortlich ist oder nicht.

Der Komet, ein Aggregat aus Ureis und Staub, hatte bisher ein eher tristes Leben geführt. Die letzten 4,5 Milliarden Jahre verbrachte er nach Angaben der UCLA in einer riesigen, eisigen Region unseres Sonnensystems, der sogenannten Oortschen Wolke.

„Plötzlich wurde er in die heiße Zone nahe der Sonne geschoben, und der Stress der neuen Umgebung bewirkt, dass er sich auflöst“, sagte Jewitt. „Unabhängig davon ist es etwas ganz Besonderes, mit Hubble einen Blick auf diesen sterbenden Kometen zu werfen.

(Mit Material der NASA, UCLA und Hubble)

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