Grünes Europa: Die „neue chinesische Invasion“ bei Solar, Windturbinen, E-Autos

China ist der Hauptgewinner der europäischen Dekarbonisierung. Das kommunistische Regime in Peking monopolisiert den europäischen Markt bei Solar, Windtechnologie, Autoindustrie und Seltenen Erden.
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Viel Technologie für den grünen Planeten kommt aus China – und wurde eher nicht umweltfreundlich produziert.Foto: iStock
Von 2. Januar 2024

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Das „grüne“ Europa, mit Solar, Wind und voller E-Autos, wird zunehmend chinesischen Einfluss haben. Das ist nicht nur die Ansicht von Federico Rampini in der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“. „Nachdem China einen Großteil der europäischen Industrie in diesem Sektor durch jahrelangen unlauteren Wettbewerb zerstört hat, ist es nun der Hauptnutznießer der europäischen Dekarbonisierung.“

Der italienische Journalist Rampini sieht gar eine „neue chinesische Invasion in Europa“. Diese sei angetrieben durch „nachhaltige“ Technologien wie Elektroautos, Elektrobatterien, Sonnenkollektoren, Windturbinen oder den Komponenten all dieser Produkte.

Dass die Kommunistische Partei Chinas weltweit die industriellen Vorhaben dominieren will, zeigen Pläne wie „China Standards 2035“, der Fortsetzung des Planes „Made in China 2025“. Mit „Standards 2035“ geht Peking noch einen Schritt weiter. Damit will es bei neuen Technologien wie KI und Big Data dominieren, indem es selbst die technologischen Standards entwickelt und auf den internationalen Markt exportiert. Und sich dann alle anderen nach seinen Standards richten müssen.

Federico Rampinis Einschätzung ähnelt der des Hamilton-Index der ITIF. Der Index, benannt nach dem amerikanischen Gründungsvater Alexander Hamilton, untersucht die eine Nation prägenden Schlüsselsektoren. Im Bericht vom 13. Dezember 2023 führt China in sieben der zehn wichtigsten strategischen Industrien auf dem Weltmarkt: bei Computern und Elektronik, Chemikalien, Maschinen und Ausrüstung, Kraftfahrzeugen, Basic-Metallen, verarbeiteten Metallen und elektrischer Ausrüstung.

Werfen wir einen Blick auf einige der Schlüsselindustrien Deutschlands, die der grünen Energiewende dienen sollen, und betrachten die Lage genauer.

Solarindustrie

In den Anfangsjahren der Photovoltaik waren deutsche Hersteller global führend. Pioniere wie SolarWorld und Conergy (beide 1998 gegründet) trugen maßgeblich zur Entwicklung der Branche bei – bis sie mit der asiatischen Solarindustrie nicht mehr mithalten konnten. Ab 2011 meldeten viele deutsche Hersteller Insolvenz an, darunter Solon (Berlin), Solar Millennium (Erlangen), Q-Cells (Bitterfeld-Wolfen) sowie First Solar (US-Werk in Frankfurt/Oder). 

Zwar wurden 2013 Zölle auf chinesische Solarpaneele verhängt – doch zu spät. Die Anti-Dumping-Maßnahmen wurden umgangen, indem chinesische Unternehmen ihre Waren zuvor in andere Länder brachten und die Angabe des Herkunftslandes fälschten. Gleichzeitig kappte Angela Merkel die Förderung der Photovoltaik, indem die Einspeisevergütung verändert wurde.

Das frühere Vorzeigeunternehmen SolarWorld gerät 2013 in Bedrängnis, einige Monate später war auch Conergy überschuldet. SolarWorld stellte 2017 den Betrieb ein. Die EU hat 2018 praktisch das Handtuch geworfen. Einige Spezialisten, die besonders langlebige Module in hoher Qualität hergestellt haben, konnten sich noch halten.

Das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme schätzte im Juli 2023 laut dem „Industrie Magazin“ den europäischen Anteil an globalen Produktionskapazitäten auf ein Prozent, den von China auf 75 Prozent.

Die EU möchte die Leistung von 30 Gigawatt Solarenergie im Rahmen des Green Deal im Jahr 2030 wieder hier herstellen. Eine durchschnittliche vierköpfige Familie verbraucht ungefähr 10.000 kWh (10 MWh) Strom pro Jahr für ihren Haushalt, das entspricht 0,01 Gigawattstunden (GWh). Mit 30 Gigawatt könnte man theoretisch genug Strom für etwa 30 Millionen Familien mit vier Personen für ein Jahr erzeugen.

Um die Zahl noch anders einzuordnen: der größte chinesische Hersteller Jinko produziert bereits jetzt 45 Gigawatt, Ende 2023 sollen es 90 Gigawatt sein. Zum Teil werden chinesische Module bis zu 50 Prozent unter Herstellungskosten verkauft.

Könnte Europa seine Solarindustrie wieder aufbauen? Die Hürden seien „fast unüberwindlich“, sagte ein Branchenexperte im „Industrie Magazin“ im Sommer 2023. So etwas könne nur mit „konzertierter politischer und finanzieller Unterstützung“ geschehen – zumal die USA mit hohen Angeboten Unternehmen über den Großen Teich anzieht und die aktuellen politischen Maßnahmen und Energiekosten die deutsche Industrie eher abschrecken.

Windindustrie

Andere Branche, andere Namen, gleiches Spiel. Bis zu 70 Prozent der Teile in deutschen Windkraftanlagen stammen bereits aus China. Dazu zählen insbesondere die Windturbinen selbst sowie Komponenten wie Rotorblätter, Generatoren, Getriebe und Steuerungssysteme. 

Chinesische Hersteller haben bereits 2,8 Gigawatt Windkraftleistung installiert oder als Projekte am Laufen, wie Dennis Rendschmidt vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau auf der Messe „Husum Wind“ warnte. Das sind andere Größenordnungen als in Europa, die skalierbare Vorteile verschaffen.

„Wir schreiben alle miteinander rote Zahlen“, so das oft zitierte Fazit von Siemens-Gamesa-Chef Jochen Eickholt auf der „Husum Wind“. Gemeint sind die Marktführer Vestas, Enercon, Nordex – die Crème de la Crème der hiesigen Windkraft-Industrie. Die Probleme für die hiesigen Turbinenbauer sind „Qualitätsprobleme, Inflation, teure Logistik, lange Genehmigungsverfahren und überstrapazierte Lieferketten“.

Derweil überlegt der Turbinenbauer Sany Re aus der mittelchinesischen Stadt Changsha, in Europa eine Fertigung aufzubauen. 

Wie reagiert die EU? Mithilfe eines Windkraftpaktes inklusive kürzeren Genehmigungsverfahren beabsichtigt sie die Windenergie anzukurbeln.

Autoindustrie

Auch hier das gleiche Spiel. Chinesische Elektroautohersteller wie BYD, Nio, MG, XPeng und andere drängen auch auf den europäischen Markt.

Sie bieten moderne Technologien zu vergleichsweise niedrigen Preisen an, vom SUV bis zu Plug-in-Hybriden. Diese Produkte werden teilweise unter dem Selbstkostenpreis verkauft, womit die europäische Industrie kaum konkurrieren kann. Nicht jeder, der mit einem E-Auto liebäugelt, kann sich einen Tesla aus Grünheide leisten.

Doch das Desaster in der Automobilbranche dürfte größer werden als bei SolarWorld, wo „nur“ 70.000 Arbeitsplätze verloren gegangen sind. In der europäischen Autoindustrie sind 14 Millionen Menschen beschäftigt.

Elektroautos benötigen keinen Verbrennungsmotor, kein herkömmliches Getriebe, keine Auspuffanlage, keine Kupplung, keinen Tank, keinen Anlasser, kein Einspritzsystem, kein Kurbelgehäuse, kein Motoröl – die Folgen für die Zulieferer deutet bereits diese kurze Liste an. Ob die dafür einzubauende Batterie, der Elektromotor, die Elektronik, die Kühlsysteme für den Akku und die Ladetechnik künftig aus Europa stammen?

Wettrennen um Batteriefabriken

Bis 2021 kam so gut wie jede Batterie für ein E-Auto aus Asien. Zahlreiche Unternehmen haben seither angekündigt, Akku-Werke und Zellfertigungen in Europa zu bauen. Größter Batteriehersteller in Europa wird vermutlich Deutschland, wo neben VW und Tesla auch Unternehmen wie CATL, Varta, Svolt, CALB, ACC, Blackstone Resources und Northvolt ihre Werke planen. 12 Werke waren Ende 2022 in Betrieb, etwa in Schwarzheide (BASF-Kathodenfabrik), Salzgitter (Power-Co/VW), Heide (Northvolt) und Kamenz (Mercedes-Benz).

Im September 2023 kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine Untersuchung der Subventionen für Autohersteller aus China an. Die staatlichen Subventionen verzerrten den Markt, was nicht akzeptabel sei. 

Momentan scheitert die Flutung des europäischen Marktes durch chinesische Batterieautos noch daran, dass Peking seine fertigen Wagen nicht außer Landes bekommt. Es fehlt an Autotransportern, den Ro-Ro-Schiffen. Doch chinesische Werften rüsten auf und sollen allein bis 2026 um die 200 neue „roll on/roll off“-Schiffe bauen. Große Frachter schaffen bis 9.000 Autos. BYI hat sechs Schiffe bestellt, Chery entwickelt eigene Schiffe, VW-Parter SAIC baut eine eigene Flotte auf.

Seltene Erden

Die überwältigende Überlegenheit chinesischer Produkte bezieht sich nicht nur auf Fertigprodukte wie Solarpaneele und Elektroautos, die Peking über Jahrzehnte aufgebaut hat. Sondern auch auf alles, was Hochtechnologien und Grünen Technologien vorgelagert ist: beginnend bei Mineralien und seltenen Metallen.

Peking hat den Markt der Seltenen Erden in der Hand. Ohne Indium, Gallium, Neodym und Co. kommt keine moderne Technik aus. Keine Solaranlage, kein Glasfaserkabel, keine Lasertechnologie, keine Batterie, keine KI, kein Laptop, keine Windkraftanlage funktioniert ohne die Technologiemetalle. Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.

China produziert 97 Prozent der gesamten Seltenen Erden und etwa 50 bis 60 Prozent der Technologiemetalle wie Indium und Gallium – und das nicht immer umweltfreundlich. Die leichten, nicht ganz so wertvollen Erden stammen meist aus Tagebauen im Norden des Landes, die „mittelschweren und schweren fast ausschließlich aus dem Süden“, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Ihr Abbau sei besonders schmutzig, auch weil die Seltenen Erze aus den Tonerden, in denen sie vorkommen, mit Chemikalien über In-Situ-Laugung gefördert werden. Meist wird Ammoniumsulfat eingesetzt, was als Düngemittel im Pflanzenschutz bekannt ist. „In der tonnenweisen Anwendung aber ist es schädlich.“

Die Marktmacht wurde zudem bereits dafür genutzt, die Rohstoffe absichtlich zu verknappen. Der Export von Gallium und Germanium werden seit dem 1. August 2023 durch Peking eingeschränkt. 

Nicht alle diese Mineralien hat China selbst, oft verschaffte sich das Land Eigentumsrechte oder Handelsabkommen im Rahmen der „Neuen Seidenstraße“ von Afrika bis Lateinamerika.

Europas größte Lithium-Vorkommen liegen in der Ukraine, genauer im Donezk-Lugansk-Gebiet. Die Lithium-Vorkommen seien auch der Grund dafür, dass Russland das Gebiet eingenommen habe, gab der CDU-Bundestagsabgeordnete und Ex-Offizier Roderich Kiesewetter am 17. Dezember in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin extra“ zu. Und damit ist ukrainisches Lithium außer Reichweite.

Andere Hightech-Industrien

Noch erwähnenswert: Neben Solarmodulen, Windturbinen und Batterietechnologie steckt Peking viel Geld in KI-Systeme und Mikrochips, in Quantencomputer und Gentechnik. 

Die Gentechnik Chinas machte beträchtliche Fortschritte durch die Nutzung der CRISPR/Cas9-Schere: Diese Technologie ermöglicht die gezielte Veränderung des Erbguts des Menschen. 

Europäische Firmen sehen sich auf chinesischem Markt massiv benachteiligt

Trotz Pekings Versprechen, die eigene Wirtschaft öffnen zu wollen, sind europäische Firmen in China massiv benachteiligt. China bleibe „eine der restriktivsten Volkswirtschaften der Welt“, hieß es in einer Studie der Europäischen Handelskammer in Peking schon 2018 zur Stimmung unter den Mitgliedern.

Dort gaben 62 Prozent der befragten Unternehmen an, sie hätten das Gefühl, dass chinesische Firmen in Europa besser behandelt würden als umgekehrt europäische Unternehmen in China. Neben weniger Beschränkungen hätten es chinesische Firmen zudem deutlich leichter, in Europa Übernahmen zu tätigen.

Die Jahre 2020 bis 2022 waren von den Restriktionen im Zuge der Corona-Politik geprägt. Während Europa zumachte, exportierte China weiter. Gleichzeitig erschwerte Peking ausländischen Unternehmen die Arbeit im Inland. Stetig neue Gesetze und Verordnungen erschwerten den Firmen ihren Alltag, wie das Cybersecurity-Gesetz, das Datensicherheitsgesetz, das Antispionagegesetz. Das Vertrauen ausländischer Geschäftsleute in die Pekinger Regierung ist gesunken. Eine neue Charme-Offensive, angekündigt Anfang Dezember 2023, will nun das Ruder herumreißen.

Fazit: Peking monopolisiert den europäischen Markt

In Deutschland sind zahlreiche Unternehmen in erheblichem Maße von Peking abhängig. Laut einer Umfrage unter 400 Unternehmen in Nordrhein-Westfalen beträgt der Anteil jener, die auf Vorarbeiten und Vorprodukte aus China angewiesen sind, immerhin 40 Prozent.

Einige Länder, wie Italien, zeigen mehr Widerstand als Deutschland und haben sich kürzlich von der Neuen Seidenstraße distanziert.

Auf der anderen Seite ist Chinas Engagement für die grüne Transformation eher begrenzt. Die frühere Zusage Pekings, seine Gesamtemissionen aus fossilen Brennstoffen bis 2030 zu reduzieren, wurde in der Praxis aufgegeben. Staatschef Xi Jinping machte auf dem Parteitag im Oktober 2022 deutlich, dass er nicht mehr bereit sei, dieser Verpflichtung nachzukommen.

Die Handelsbilanz Europas mit China weist mittlerweile ein Defizit von 390 Milliarden Euro auf, was bedeutet, dass die EU-Staaten Waren im Wert von 390 Milliarden Euro mehr aus China importieren, als sie dorthin exportieren.

Kurz gesagt: Während grüne Technologien und Dekarbonisierung in Verträgen und Gesetzen verankert werden, hat „Made in China“ den europäischen Markt bei Schlüsseltechnologien nahezu monopolisiert. Die Kommunistische Partei Chinas hat über Jahrzehnte hinweg die europäische Wirtschaft infiltriert, manipuliert und übernommen. Und bisher gewonnen.



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