Fachleute verraten Faustformeln: Wie sich eine Wärmepumpe rechnen kann

Gasheizung – oder doch eine Wärmepumpe? Die Branche konnte in den vergangenen Monaten viel Erfahrungen sammeln. Einige Fachleute verraten, was beim Umstieg auf eine Wärmepumpe zu beachten ist.
Wärmepumpe
Wenn bestimmte Bedingungen gegeben sind, kann eine Wärmepumpe mittelfristig günstiger sein als eine Gasheizung.Foto: iStock
Von 26. Januar 2024

Lohnt sich eine Wärmepumpe oder nicht? Diese Frage ist weiterhin umstritten. Im vergangenen Jahr erzielte die Branche einen Rekordabsatz von 356.000 Anlagen. Damit sind laut dem Bundesverband Wärmepumpe jetzt bereits mehr als 1,7 Millionen dieser elektrisch betriebenen Heizsysteme in Deutschland in Betrieb.

Insgesamt gingen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Dezember für das Gesamtjahr 55.583 Förderanträge für eine Heizung mit Erneuerbare-Energien-Anteil ein. Einen deutlichen Hochlauf verzeichnete das Bundesamt mit 26.071 Anträgen auf einen Wärmepumpenzuschuss nach der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) im Dezember. Im November waren es gut 10.000 Anträge gewesen. In den übrigen Monaten des Jahres lag die Zahl der Anträge meistens deutlich niedriger. Einen Tiefpunkt gab es im August mit nur 6.900 Anträgen.

Die Förderung sinkt

Der Bundesverband Wärmepumpe sieht die Gründe für den Jahresendspurt einerseits in geänderten Förderregeln ab 1. Januar 2024. Andererseits besteht eine Verunsicherung bezüglich der verfügbaren Haushaltsmittel für das BEG-Programm. „Wir gehen davon aus, dass diejenigen Verbraucher, die mit dem alten Förderregime bessergestellt waren, im Dezember die letzte Gelegenheit genutzt haben, ihren Antrag zu platzieren.“ Das teilte Martin Sabel, Geschäftsführer des Verbandes, mit.

2023 förderte der Staat den Heizungstausch nach BEG-Regeln noch bis zu einer Investitionssumme von 60.000 Euro. Seit dem 1. Januar liegt der Höchstbetrag bei nur noch 30.000 Euro. Das kann letztlich eine kleinere Fördersumme ergeben.

Aufgrund der reduzierten Förderung und der niedrigen Anzahl neuer Förderanträge aus dem vergangenen Jahr erwartet der Bundesverband in diesem Jahr seit Langem wieder einen Rückgang des Absatzes von Wärmepumpen. Erwartet werden für 2024 nur noch rund 260.000 Neugeräte, wie die FAZ berichtet. Damit verfehlt die Bundesregierung womöglich deutlich ihr angestrebtes Ziel von jährlich 500.000 neu installierten Wärmepumpen, das sie dieses Jahr erstmalig erreichen wollte.

Ebenso wirkte sich das Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Klima-Transformationsfonds mit den bekannten Folgen für den Bundeshaushalt negativ auf das Vertrauen in der Gesellschaft aus. „Ab Mitte November hatten wir eine gesteigerte Verunsicherung in Bezug auf die Förderung durch die Verhandlungen um den Bundeshaushalt und die Förderstopps in anderen Programmen“, erklärte Sabel.

Förderungen für die Wärmepumpe

Weiterhin gibt es für Immobilienbesitzer mehrere Förderungen. Findet ein Umstieg von einem fossilen Heizsystem auf eine Wärmepumpe statt, erhält der Eigentümer einen Basiszuschuss von 30 Prozent der Gesamtkosten – unabhängig vom Einkommen. Für effizientere Erdwärmepumpen und Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel gibt es weitere fünf Prozent.

Hinzu können weitere 30 Prozent Zuschuss für einkommensschwache Haushalte mit einem Jahreseinkommen von maximal 40.000 Euro kommen. Vor Steuerabzug entspricht das in etwa 50.000 Euro brutto. Zusammen mit der Grundförderung können Immobilienbesitzer so schon mal 65 Prozent der Anlagekosten durch Zuschüsse finanzieren. Ebenso gibt es den sogenannten Geschwindigkeitsbonus von 20 Prozent bis Ende 2025. In den Folgejahren reduziert sich dieser stufenweise.

Neben der Förderung für den Heizungstausch können Immobilienbesitzer weitere Förderungen für zusätzliche Effizienzmaßnahmen beantragen. Darunter fallen etwa die Dämmung des Gebäudes oder der Einbau energieeffizienterer Türen und Fenster. Die Fördersätze liegen hier bei 15 Prozent.

Förderanträge können nach Angaben des Bundeswirtschafsministeriums ab Ende Februar bei der staatlichen Förderbank KfW eingereicht werden – auch rückwirkend für begonnene Vorhaben.

Die Wärmepumpe kann günstiger sein – langfristig

Erst durch diese Förderungen kann eine Wärmepumpe – trotz ihrer deutlich höheren Anschaffungskosten – nach einigen Jahren Betrieb eine Gasheizung tatsächlich kostenmäßig unterbieten. Das hängt jedoch maßgeblich von den Betriebskosten ab, wie die „Welt“ berichtet. Auch in manchen älteren Häusern können Wärmepumpen effizient arbeiten. Ein Vorteil von Wärmepumpen: Die derzeitigen Anlagen generieren mindestens zwei Drittel der Heizenergie aus der Umwelt. Der Rest kommt über den Hausstrom.

Für den Vergleich der beiden Heizsysteme sind also auch die Strom- und Gaspreise von Bedeutung. Der Gaspreis für Neukunden liegt laut NDR derzeit bei 7,6 Cent pro Kilowattstunde. Rund 3,5-mal so teuer ist die Kilowattstunde Strom: 26,76 Cent (beide Preise, Stand: 24. Januar 2024) müssen laut dem Portal Verivox Neukunden dafür bezahlen. Nachdem der Strompreis in den vergangenen Monaten leicht gefallen ist, haben Stromversorger bereits massive Preisanstiege angekündigt. Hier lohnt es sich für Wärmepumpenbesitzer definitiv, nach einem günstigeren Sonder-Stromtarif zu suchen.

Das Unternehmen Thermondo hat bereits Tausende Wärmepumpen installiert. Mit der „Welt“ hat es seine Erfahrung geteilt. Laut Thermondo-Sprecher Richard Lucht sei die große Mehrheit der Bestandsgebäude für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe geeignet. „Die Anschaffungskosten für den Wechsel auf eine 12-KW-Luft-Wasser-Wärmepumpe im Altbau liegen im Schnitt zwischen 30.000 und 35.000 Euro.“ Dieser Preis beinhaltet bereits alle Ausgaben für Installation, Umbau, Fundament, Außengerät und Entsorgung alter Komponenten.

Ein Musterbeispiel

Ein Kostenvergleich zwischen einer Wärmepumpe und einer Gasheizung ist schwierig, da dieser von vielen Faktoren abhängt, die sich zudem über die Jahre hinweg ändern. Dennoch soll ein Musterbeispiel für einen Durchschnittshaushalt eine Orientierung geben. Mögliche Sanierungsarbeiten am Gebäude und Wartungsarbeiten an den Anlagen werden außen vor gelassen.

  • Wärmepumpe: Die Kosten liegen bei 35.000 Euro minus 50 Prozent Basiszuschuss und Geschwindigkeitsbonus. Das ergibt eine anfängliche Investition von 17.500 Euro. Die jährlichen Stromkosten, gemessen am oben genannten Preis pro Kilowattstunde, liegen bei 936 Euro.
  • Gasheizung: Startpreis 7.500 Euro. Jährliche Gaskosten: 1.368 Euro.
Wärmepumpe

Ein Kostenvergleich zwischen einer Wärmepumpe mit Förderung und einer Gasheizung
in Euro und im Laufe der Jahre. Foto: Maurice Forgeng/Epoch Times

In diesem Musterbeispiel wäre die Wärmepumpe nach rund 23 Jahren günstiger als die Gasheizung. Gibt es noch Förderungen für einen einkommensschwachen Haushalt und benutzt die Anlage ein effizienteres Kältemittel, sinkt der Startpreis statt um 50 Prozent um 85 Prozent. Dann wäre die Wärmepumpe schon zu Beginn günstiger als eine Gasheizung. Kommen nun auch keine Sanierungskosten hinzu, wäre dies ein seltener Optimalfall.

Faustformel für den Umstieg

Wer von Gas auf eine Wärmepumpe umsteigen will, dem kann eine Faustformel zur richtigen Dimensionierung der neuen Anlage helfen. Hatte die Gasheizung bisher 18.000 Kilowattstunden Gas und eine Laufzeit von 2.200 Stunden pro Jahr, beträgt die nötige Wärmepumpenleistung gut acht Kilowatt. Für etwas Puffer empfiehlt Lucht in der „Welt“ in diesem Fall auf zehn Kilowatt (kW) aufzurunden.

Noch lukrativer wird eine Wärmepumpe auch mit einem etwas größeren Warmwasserspeicher. So kann die Wärmepumpe heißes Wasser „auf Vorrat“ produzieren. Das rechnet sich, wenn es Tageszeiten mit günstigerem Stromtarif gibt.

Zudem laufen Wärmepumpen optimal mit der Erzeugung von mittelwarmen Temperaturen und wenn ihr Betrieb konstant ist, also möglichst ohne Schwankungen. Der Heizungsfachmann Paruzynski sagte hierzu: „Wir achten darauf, dass das Gerät mit einer Vorlauftemperatur von maximal 55 Grad arbeiten kann. Darüber wird es häufig unwirtschaftlich.“ Je höher die Temperaturen über diesem Wert liegen, desto stärker schießt der Stromverbrauch in die Höhe.

Oftmals heißt es, dass der Hausbesitzer beim Umstieg auf eine Wärmepumpe eine Fußbodenheizung einbauen muss, damit die Anlage optimal läuft. Das ist laut der „Welt“ jedoch ein Mythos. Oftmals genügt auch schon der Austausch älterer Heizkörper durch neue. Denn neuere Radiatoren besitzen im Verhältnis zum Volumen meist eine größere Abstrahlfläche. Ein neuer Radiator kostet je nach Größe und Modell rund 100 bis 600 Euro.

Faustformel für den Stromverbrauch

Der Energieberater Titz verriet in dem „Welt“-Artikel, wie viel Strom eine Wärmepumpe benötigt. So können Hausbesitzer von vornherein die Betriebskosten kalkulieren. Die Faustformel lautet: Bei einer Wärmepumpe mit zehn kW teilt man diese Leistung durch die Jahresarbeitszahl. Liegt diese bei 3,5, lautet die Rechnung: 10 / 3,5 = 2,857. Die benötigte Strommenge pro Stunde beträgt also 2,857 Kilowattstunden. Eine Stunde Wärmepumpenbetrieb kostet beim oben genannten Strompreis demnach rund 0,76 Euro.

Dabei ist zu beachten, dass die Jahresarbeitszahl nicht immer konstant ist. Bei unterschiedlichen Bedingungen verändert sie sich – ähnlich wie der Verbrauch beim Auto.

Einen Vergleich hierzu führte Paruzynski auf. In manchen Häusern lag der Jahresverbrauch teilweise bei 20.000 Kilowattstunden Gas. „Jetzt sind es nur 3.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr.“ Nach den aktuellen Preisen läge der Preis bei Gas dann bei 1.520 Euro pro Jahr, für Strom hingegen nur bei knapp 937 Euro pro Jahr. Dass Deutschland im internationalen Vergleich mit die höchsten Strompreise hat, wäre laut Paruzynski somit auch nicht mehr so tragisch.

(Mit Material von dts)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion