Nicht Hunderte Milliarden, sondern mehrere Billionen Euro: So teuer könnte die Wärmewende werden

Die Wärmewende wird für Immobilienbesitzer in Deutschland teuer – das ist sicher. Wie teuer, rechnete nun ein Bauingenieur aus. Seine Ergebnisse gehen in die Billionen. Somit sind selbst die von der FDP errechneten 600 Milliarden Euro noch deutlich zu niedrig angesetzt.
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Eine Wärmepumpe, Euro-Banknoten und ein Haus. Die Wärmewende wird für die Bürger teuer.Foto: iStock
Von 19. Mai 2023

Millionen Hausbesitzer müssen sich nach der Vorstellung der Bundesregierung künftig auf den Betrieb einer Wärmepumpenheizung (WP) einstellen. Damit diese aber effizient läuft, muss die Immobilie ausreichend modernisiert sein. Das ist jedoch mit einem hohen Anpassungs- und Kostenaufwand verbunden.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach hier zunächst von knapp 130 Milliarden Euro, die bis 2045 auf die Bürger zukommen. Die FDP erkannte Rechenfehler bei Habeck und korrigierte die Summe auf 600 Milliarden Euro.

Auch der pensionierte Bauingenieur Hans-Martin Bregler wollte wissen, welche Kosten wirklich auf die deutschen Bürger zukommen und erstellte eine Kostenrechnung. Diese liegt der Epoch Times exklusiv vor – und sein Ergebnis übertrifft das der FDP um ein Vielfaches.

Der Wohnungsbestand in Deutschland lag laut Statista Ende 2021 bei rund 43,1 Millionen Wohnungen. Bregler geht davon aus, dass gut ein Viertel des Wohnungsbestandes bereits auf einem für WP erforderlichen Dämmniveau ist – auch „WP-ready“ genannt. Das ist die Bezeichnung für ein Dämmniveau der Außenbauteile, wonach eine WP eingebaut werden kann und diese entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zu mindestens 65 Prozent Umweltwärme zur Beheizung nutzt.

Energetische Außensanierung auf WP-ready-Niveau

Die Kosten für eine vollständige Kernsanierung bestehen aus dem kompletten Innenausbau. Hinzu kommen die Kosten für den Außenbereich, bestehend aus Arbeiten an Dach, Fassade, Kellerdecke, Fenster und gegebenenfalls Balkon.

Der Bauingenieur rechnet mit dem Mittelwert von rund 1.000 Euro pro Quadratmeter für eine Außensanierung. Die Sanierungskosten eines 4-Familienhauses mit 450 Quadratmetern Wohnfläche liegen demnach bei 450.000 Euro.

Bregler kalkuliert diesen Kostenaufwand nur für die übrigen 30 Millionen deutschen Wohnungen, die nicht WP-ready sind. In der Rechnung haben sie eine durchschnittliche Wohnfläche von 80 Quadratmetern.

Bei der Außensanierung auf WP-ready bedeutet das Kosten von schätzungsweise 2,4 Billionen Euro (30.000.000 x 80 Quadratmeter x 1.000 Euro pro Quadratmeter = 2.400.000.000.000 Euro) für die deutschen Immobilienbesitzer.

WP-ready-Innensanierung

Die Innensanierung für eine Wärmepumpe bezieht sich auf die Sanierung der Wohnflächen und auf eine an die Wärmepumpe angepasste Wärmeübergabe. Darunter fällt beispielsweise eine Fußboden- oder Deckenstrahlungsheizung. Dabei ist die Deckenheizung leichter zu realisieren als die Fußbodenheizung, da nicht alle Türen geändert werden müssen und die Wohnung auch nicht komplett leer geräumt sein muss, wie es für den Einbau einer Fußbodenheizung erforderlich ist.

Hier geht Bregler von Kosten in Höhe von durchschnittlich 250 Euro pro Quadratmeter aus. In der Summe gemäß obiger Rechnung wären das 0,6 Billionen Euro (30.000.000 x 80 Quadratmeter x 250 Euro pro Quadratmeter = 600.000.000.000 Euro).

Die Gesamtkosten für alle Außen- und Innensanierungen in Deutschland betragen also rund 3 Billionen Euro, die die Wohnungsnutzer in den kommenden Jahren aufbringen müssen.

Dabei ist jeder Sanierungsfall individuell. Laut „Listando“ lohnt sich eine Altbausanierung noch, wenn die Kosten unter 2.500 Euro pro Quadratmeter liegen. Sind die Kosten höher oder übersteigen den Bau eines Neubaus um mehr als drei Viertel seines Wertes, dann lohnt sich nur noch der Abriss.

Im Jahr 2021 betrug die Belegungsdichte einer Wohnung oder eines Haushaltes laut dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg durchschnittlich 2,1 Personen. Die durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche in Deutschland lag im selben Jahr bei 47,7 Quadratmeter. Somit ist der Wert von 80 Quadratmeter pro Haushalt als realistisch einzustufen.

Zusätzliche Kosten

Neben den Kosten für die Bürger entstehen weitere Kosten für die Ertüchtigung der Stromnetzinfrastruktur in den Straßen. Diese finanzieren sich in der Regel aus staatlichen, also Steuergeldern oder über den Strompreis, der sich dann erhöhen könnte. Schon heute können nicht alle eingebauten elektrisch betriebenen Wärmepumpen in Betrieb genommen werden, aufgrund zu gering dimensionierter Kabelquerschnitte in den Straßen. So konnte etwa Vonovia von 1.000 im Jahr 2022 eingebauten Wärmepumpen bisher erst 2/3 davon in Betrieb nehmen.

Ferner kommt hinzu, dass eine Sanierungspflicht sogar alle 43,1 Millionen Immobilien treffen könnte. Denn ein Entwurf für eine EU-Richtlinie sieht eine Sanierungspflicht für praktisch alle Gebäude vor. Bis 2033 soll jede Wohnung in Deutschland den Energiestandard „D“ erreichen. Das bedeutet, dass der spezifische Energieverbrauch des Gebäudes zwischen 130 und 160 kWh/m²a (Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche) liegen muss. Dieser wird über den Energieausweis ermittelt. Epoch Times berichtete.

Doch auch Mieter, die keine Immobilie besitzen, bleiben nicht verschont. Die Immobilienbesitzer sind gesetzlich dazu berechtigt, die gesamten Kosten für Sanierungen auf die Mieter umzulegen.



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