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Wunder der Natur.
Wunder der Natur.
Foto: Duendar Karahamzar / Pixelio

Kolumne: Ropers neue Welt der Etymosophie

THAUMASIUM – die Wunderkraft des Universums

von Roland R. Ropers, Montag, 14. Januar 2013 10:25

Die Etymosophie-Kolumne von Roland R. Ropers erscheint wöchentlich exklusiv in der EPOCH TIMES Deutschland.

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Als Wunder bezeichnen wir ein Ereignis, das Staunen hervorruft, das unerwartet und unberechenbar auf den Menschen zukommt. Es ist für den Menschen nicht machbar. Es ist bemerkenswert, dass in der griechischen Sprache die Worte für Wunder und Wunde (thauma und trauma) so eng beieinanderliegen, im Lateinischen wie im Englischen sprechen wir von „miraculum“ bzw. „miracle“ und unser deutsches Verb wundern kommt vom Althochdeutschen „wuntar“ = wünschen. Oft möchte man, dass sich Wunschträume erfüllen, die dann möglicherweise traumatisiert erlebt werden und von der Illusion des Wunderns überlagert sind.

Wir leben in einer sehr krisenhaften Zeit voller Paradoxien, in der wir uns täglich aufs Neue wundern müssen. Dennoch laufen alle Ereignisse in unserer Welt innerhalb eines Rahmens von festgefügten Gesetzmäßigkeiten ab. Diese nicht veränderlichen Fügungen nennen wir Naturgesetze. Nach allem, was wir wissen, sind Naturgesetze konstant – sie sind im Wesentlichen unveränderlich. Sie geben einerseits einen weiten Freiraum für Wirksamkeiten und Abläufe in unserer Welt und erlauben die vielfältigsten technischen Erfindungen und Verfahren, aber andererseits schließen sie viele nur in unserer Vorstellung erdachte Vorgänge als nicht realisierbar aus.

Besonders in den Naturwissenschaften Physik und Chemie wird versucht, diese ständig gegenwärtigen, überall wirksamen Gesetze durch Beobachtung und Experimente herauszufinden und sie dann mathematisch oder verbal in allgemeiner Form auszudrücken. Wir beobachten in der uns umgebenden Wirklichkeit zahlreiche staunenswerte Vorgänge. Beobachtung (lat. observatio) erfordert eine sehr demütige Haltung gegenüber dem Universum. Observieren, beobachten ist ein absichtsloses Dienen (lat.: servus = Diener) gegenüber (lat.: ob) dem Objekt, demjenigen, das mir entgegengeworfen, entgegengehalten wird (lat.: obicere). Wer dienend, demutsvoll einer Person oder einer Sache gegenübersteht, beobachtet ohne eigenes Hinzutun und nimmt dann letztlich die Dinge wahr, wie sie im Prinzip, im Ursprung sind.

Besonders im Bereich des Lebens fehlt uns oft das Verständnis für die genaue Funktionsweise der vielen komplexen Details. Niemand kann bisher den genialen Prozess der Photosynthese hinreichend erklären oder ihn gar nachbauen, dennoch findet er in jedem Grashalm statt. Das menschliche Gehirn verfügt über etwa 100 Milliarden Schaltelemente (Neuronen), die untereinander mit tausenden von synaptischen Verknüpfungen verbunden sind. Von der Komplexität dieses etwa 1,5 kg schweren Organs können wir uns einen Eindruck verschaffen, aber die Arbeitsweise dieser genialen Konstruktion ist uns weitgehend unbekannt. Wie kommt es, dass das menschliche Herz 70 oder 80 Jahre ununterbrochen schlagen kann, wo doch alle unsere technischen Geräte eine dazu vergleichsweise geringe Funktionsdauer aufweisen? Alle diese staunenswerten Dinge sind möglich, aber sie laufen dennoch unter den strengen Rahmenbedingungen der Naturgesetze ab.

Würde man eine detaillierte Energiebilanz in der lebenden Zelle durchführen, in der tausende von gekoppelten Prozessen ablaufen, so käme dabei heraus, dass nirgends der Energiesatz verletzt wird. Bei allen technischen Vorgängen und Geräten wie auch bei allen biologischen Prozessen in den Lebewesen wird nirgendwo und nie ein Naturgesetz verletzt. Nach allem, was wir wissen, sind diese Naturgesetze auch in den entferntesten Weiten des Universums gültig. Das Universum handelt souverän, es handelt frei nach seinem Willen, nicht nach dem Willen des Menschen.

Wir lesen bei Lao Tse im 67. Kapitel des „Tao Te King“:

„Alle Welt sagt,
dass mein Weg großartig und unvergleichlich ist.
Eben, weil er großartig ist,
ist er unvergleichlich.
Wäre er vergleichbar,
wäre er schon lange verschwunden.

Ich habe drei Schätze,
die ich hege und pflege:
Der erste heißt: Mitgefühl,
der zweite heißt: Genügsamkeit,
der dritte heißt: nicht danach streben,
in der Welt an der Spitze zu sein.
Ist man mitfühlend, kann man mutig sein.
Ist man genügsam, kann man großzügig sein.
Wer nicht danach strebt, in der Welt Spitze zu sein,
kann andere leiten.

Das Mitgefühl um des Mutes willen aufgeben,
die Genügsamkeit um der Großzügigkeit willen aufgeben,
den letzten Platz um des ersten Platzes willen aufgeben:
das bedeutet den Tod.
Wer mit Mitgefühl kämpft, wird siegen
Und in der Verteidigung unbezwingbar sein.
Wem der Himmel hilft,
den beschützt er durch die Gabe des Mitgefühls."

 

 

Roland R. Ropers
Roland R. Ropers
Foto: The Epoch Times

Der Religionsphilosoph Roland R. Ropers ist Autor und Herausgeber etlicher Bücher:

Was unsere Welt im Innersten zusammenhält: Hans-Peter Dürr im Gespräch mit bedeutenden Vordenkern, Philosophen und Wissenschaftlern von Roland R. Ropers und Thomas Arzt

2012 im Scorpio Verlag

Eine Welt - Eine Menschheit - Eine Religion von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Gott, Mensch und Welt. Die Drei-Einheit der Wirklichkeit von Raimon Panikkar und Roland R. Ropers

Die Hochzeit von Ost und West: Hoffnung für die Menschheit von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Geburtsstunde des neuen Menschen. Hugo Makibi Enomiya-Lassalle zum 100. Geburtstag von Roland R. Ropers

 



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