Verhaftung eines Ndrangheta Mitglieds in Italien. Januar 2018.Foto: ANTONIO TACCONE/AFP/Getty Images

Italien: Größter Mafia-Prozess mit 355 Angeklagten beginnt

Epoch Times13. Januar 2021 Aktualisiert: 13. Januar 2021 16:50

In Italien beginnt am Mittwoch einer der größten Mafia-Prozesse seit Jahrzehnten. In der süditalienischen Region Kalabrien wird hunderten mutmaßlichen Mitgliedern und Komplizen der ‚Ndrangheta der Prozess gemacht, die als Italiens mächtigste Mafia-Organisation gilt.

In Italien beginnt am Mittwoch ein riesiger Prozess gegen die kalabrische Mafiaorganisation ‚Ndrangheta. An dem Verfahren gegen den ‚Ndrangheta-Clan Mancuso in Lamezia Terme sind 355 Angeklagte, rund 400 Anwälte sowie mehr als 900 Zeugen beteiligt. Den Beschuldigten, darunter der Clan-Chef Luigi Mancuso, wird unter anderem Mord, versuchter Mord, Drogenhandel, Geldwäsche und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Die Anklage wird vertreten durch den berühmten Anti-Mafia-Staatsanwalt Nicola Gratteri.

Es wird damit gerechnet, dass der Prozess mehr als zwei Jahre dauert. Die meisten Angeklagten waren im Dezember 2019 bei koordinierten nächtlichen Razzien in Italien, Deutschland, der Schweiz und Bulgarien festgenommen worden. Dass auch Politiker, Anwälte und Geschäftsleute auf der Anklagebank sitzen, zeigt, wie gut vernetzt die weltweit agierende ‚Ndrangheta in ihrer süditalienischen Heimatregion Kalabrien ist.

Ursprünge der Mafia-Gruppe reichen bis ins Jahr 1861 zurück

Der Name der ‚Ndrangheta stammt nach Angaben der Kriminologin Anna Sergi von der englischen University of Essex aus dem Griechischen. Das griechische Wort „andranghateia“ steht für eine Gruppe von „Ehrenmännern“, das Wort „andrangatho“ für militärisches Kämpfen.

Die Wurzeln der Gruppe, die in Italien erst seit 2010 offiziell als Mafia-Organisation eingestuft ist, reichen bis ins Jahr 1861 zurück. Weithin bekannt wurde die ‚Ndrangheta in den 1980er und 90er Jahren durch eine Serie von Entführungen in ganz Italien. Auch die Entführung eines Enkels von US-Ölmilliardär John Paul Getty in den 70er Jahren soll auf das Konto der ‚Ndrangheta gehen.

Kalabrischen Mafia involviert in Drogenhandel, Erpressung, Geldwäsche und illegale Müllentsorgung

Der Richter Roberto Di Bella, der sich seit fast 30 Jahren mit der kalabrischen Mafia beschäftigt, nennt die ‚Ndrangheta „die vielleicht mächtigste kriminelle Vereinigung der Welt“. Sie sei aber mit Sicherheit am weitesten verbreitet – bis auf alle fünf Kontinente. Zu ihren Betätigungsfeldern gehören Drogenhandel, Erpressung, Geldwäsche und illegale Müllentsorgung.

Dabei stützt sich die ‚Ndrangheta – stärker als andere Mafia-Organisationen – auf Familienstrukturen und Blutsverwandtschaft. Diese Struktur sorgt für starken Zusammenhalt, „weil es nur wenige Abtrünnige gibt“, wie Di Bella sagt.

Die daraus resultierende Verlässlichkeit macht die ‚Ndrangheta zu einem beliebten Geschäftspartner für kolumbianische oder mexikanische Drogenkartelle, die beim Drogenhandel in Europa mit ihr zusammenarbeiten.

Mit den immensen Einnahmen aus dem Drogenhandel könne sich die ‚Ndrangheta „alles kaufen“, sagt Di Bella – etwa Restaurants und andere Betriebe. Damit „verseuche“ sie die Wirtschaft in Italien und anderen Ländern.

Geschätzte 20.000 Mitglieder weltweit

Die italienischen Behörden schätzen, dass die ‚Ndrangheta weltweit rund 20.000 Mitglieder hat. Über ihre genauen Strukturen und ihr Vermögen ist aber nur wenig bekannt.

Der kalabrische Staatsanwalt Nicola Gratteri, der wegen seiner Ermittlungen gegen die ‚Ndrangheta seit mehr als 30 Jahren unter Polizeischutz steht, schätzt ihren Jahresumsatz auf mehr als 50 Milliarden Euro – ein Großteil davon stammt demnach aus dem Kokainhandel.

Duisburger Mafia-Morde

In Deutschland machte die ‚Ndrangheta vor allem durch eine brutale Bluttat Schlagzeilen: Im August 2007 wurden in Duisburg vor dem italienischen Restaurant „Da Bruno“ sechs Männer erschossen, die Täter richteten ihre Opfer mit 54 Schüssen hin. Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Sechsfachmord blutiger Höhepunkt einer jahrelangen Fehde zwischen verfeindeten Clans der ‚Ndrangheta aus dem kalabrischen Ort San Luca.

Andere abscheuliche Taten

Die ‚Ndrangheta ist wegen ihrer „Grausamkeit und Brutalität gefürchtet“, wie Gratteri sagt. Erst vor einigen Tagen sorgten Berichte über den Mord an der 42-jährigen Maria Chindamo für Entsetzen: Die kalabrische Geschäftsfrau wurde den Berichten zufolge im Jahr 2016 ermordet, weil sie sich geweigert hatte, ein Grundstück an einen Nachbarn mit Verbindungen zur ‚Ndrangheta abzugeben. Chindamos Leiche wurde demnach an Schweine verfüttert.

Die ‚Ndrangheta wird auch für die Ermordung dutzender Kinder verantwortlich gemacht. Für Entsetzen sorgte 2014 etwa der Mord an dem dreijährigen Nicola „Coco“ Campolongo, der zusammen mit seinem Großvater durch einen Kopfschuss getötet wurde. Bei einem Besuch in Kalabrien erklärte Papst Franziskus kurz darauf alle Mafiosi für exkommuniziert. (afp)


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