Milliardenstrafe für Finanzfirmen wegen Messenger-Diensten

Dürfen Bankmitarbeiter geschäftliche Dinge per WhatsApp regeln? Aufseher stören sich an solchen Chatdiensten. Nun bekommen etliche Geldhäuser die Quittung.
Der Sitz der US-Börsenaufsicht SEC in Washington.
Der Sitz der US-Börsenaufsicht SEC in Washington.Foto: Andrew Harnik/AP/dpa
Epoch Times28. September 2022

Ungeregelte Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp kommt eine Reihe großer Banken und Finanzfirmen in den USA teuer zu stehen. Die 16 Unternehmen werden insgesamt gut 1,1 Milliarden Dollar (knapp 1,15 Mrd Euro) Strafe zahlen, wie die US-Börsenaufsicht SEC mitteilte. Unter anderem zahlen Barclays Capital, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Deutsche Bank Securities jeweils 125 Millionen Dollar.

„Die Deutsche Bank hat bei diesem branchenweiten Thema vollumfänglich mit den Aufsichtsbehörden kooperiert“, teilte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt mit. „Die Bank hat zudem neue technische Lösungen für Text- und Chatnachrichten eingeführt, die gut bedienbar sind und im Einklang mit den rechtlichen Anforderungen stehen. Diese Lösungen werden wir weiter ausbauen, um die Erwartungen der Aufsichtsbehörden und unserer Kunden zu erfüllen.“

Die finanziellen Auswirkungen der nun erzielten Einigung mit der US-Börsenaufsicht seien zum Stichtag 30. Juni bereits vollständig berücksichtigt worden, teilte die Deutsche Bank mit: „Daher erwarten wir keine Auswirkungen auf unser Ergebnis im 3. Quartal“.

SEC: Vertrauen des Marktes beschädigt

Mitarbeiter der Finanzinstitute hatten sich über Messenger-Apps zu geschäftlichen Angelegenheiten ausgetauscht. Die US-Behörden sahen darin einen schwerwiegenden Regelverstoß, da die Unternehmen die Kommunikation in den verschlüsselten Diensten nicht wie vorgeschrieben archivieren konnten. SEC-Chef Gary Gensler kritisierte, die Finanzfirmen hätten dadurch das Vertrauen des Marktes beschädigt. Bereits Ende vergangenen Jahres wurden gegen die US-Großbank JPMorgan nach den Ermittlungen Strafen von insgesamt 200 Millionen Dollar verhängt.

Medienberichten zufolge verschafft sich derzeit auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin einen Überblick darüber, inwieweit Mitarbeiter deutscher Geldhäuser private Kommunikationsmittel wie etwa WhatsApp für geschäftliche Zwecke nutzen. Die Behörde sei dazu mit Anfragen an mehrere heimische Banken herangetreten, heißt es in Finanzkreisen. Nutzen Mitarbeiter WhatsApp, Signal oder ähnliche Dienste, kann es passieren, dass Banken keinen Zugriff auf dortige geschäftliche Kommunikation haben. Zudem könnten Mitarbeiter diese löschen. (dpa/red)



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