Wildgänse im FlugFoto: David McNew/Getty Images

Chinesische Redewendung: „Eine Wildgans liefert eine Meldung“ (鴻雁傳書)

Von 19. November 2013

Wildgänse sind Zugvögel, die in China ebenso wie in Europa jedes Jahr große Entfernungen entlang wohldefinierten Routen zwischen ihren Brutgebieten im Norden und Winterquartieren im Süden zurücklegen.

Chinesen nutzten in alten Zeiten deren natürlichen Instinkt aus, dem Wechsel der Jahreszeiten in ihrer jährlichen Nord-Süd- Reise zu folgen. Sie verwendeten diese treuen Vögel, um Nachrichten durch Anbringen kleiner Schriftrollen an ihren Füßen in weit entfernte Gebiete zu tragen.

Mit dieser Praxis wurde die Wildgans im Chinesischen, 鴻雁 (hóng yàn) oder 雁 (yàn), zum Symbol für einen Brief oder einen Schriftwechsel. Die Redewendung 鴻雁傳書 (hóng yàn chuán shū), wörtlich „eine Wildgans liefert eine Meldung“, zeigt anschaulich die Verwendung dieser Vögel als Boten.

Eine der berühmtesten Geschichten, die mit diesem Idiom verbunden ist, berichtet von Su Wu (蘇武), einem treuen Gesandten auf einer diplomatischen Mission an die Xiongnu (匈奴) im Jahr 100 v. Chr. vom Kaiser Wu (漢武帝) während der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 220 n. Chr.).

Die Xiongnu, lange Zeit Eindringlinge in China, versuchten Su Wu zu zwingen, sich zu ergeben. Als er sich weigerte, verbannten sie ihn an einen entlegenen, desolaten Ort, um Schafe zu hüten, bis „ihre Schafsböcke Milch geben.“

Im Jahr 81 v. Chr., als Teil der Friedensverhandlungen zwischen den beiden Seiten, wurde ein Han-Gesandter zu den Xiongnu geschickt, um Su Wus Rückkehr zu fordern.

Die Xiongnu versuchten, den Gesandten zu täuschen, indem sie ihm sagten, dass Su Wu bereits gestorben wäre. Allerdings erfuhr der Gesandte die Wahrheit von einem Mitglied der ursprünglichen Delegation von Su Wu.

Der Mann riet dem Gesandten, dem König der Xiongnu zu sagen, dass der Han-Kaiser vor kurzem eine Gans bei der Jagd erschossen hatte und ein Stück Stoff  an den Füßen der Gans gefunden hatte mit der Botschaft, dass Su Wu und andere seiner Delegation an einem bestimmten Ort an einem See festgehalten würden.

Schockiert durch diese Worte gab der Xiongnu-König zu, dass Su Wu und die anderen tatsächlich dort waren.

So wurden Su Wu und seine Begleiter schließlich freigelassen und kehrten nach 19 Jahren Gefangenschaft nach China zurück.



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