Die chinesische Redewendung 半途而廢 (bàn tú ér fèi): „Auf halbem Wege aufgeben“

Von 29. Oktober 2013 Aktualisiert: 29. Oktober 2013 13:46

Die chinesische Redewendung 半途而廢 (bàn tú ér fèi),  „auf halbem Wege aufgeben", oder „etwas unfertig lassen“, stammt aus „Die Lehre von der Mitte“ (1),  einer der fünf konfuzianischen kanonischen Schriften.

In der Geschichte heißt es, dass während der Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v. Chr.)  ein Mann namens Yue Yangzi mit seiner Frau im Staat Yue lebte.

Eines Tages sah Yue Yangzi ein Stück Gold auf  der Straße liegen und hob es auf. Er nahm es mit nach Hause und zeigte es seiner Frau.

Seine Frau sah das Gold und sagte: „Ich habe gehört, dass ein Mann von Moral eines Diebes Wasser nicht trinken würde und dass ein Mann von Integrität sich weigert, Almosen anzunehmen. Was denkst du darüber, etwas zu besitzen wie ein Eigentum, was doch ein anderer verloren hat?“

Als er das hörte, fühlte sich Yue beschämt und brachte das Gold wieder dorthin, wo er es gefunden hatte. Yue entschied sich dann dafür, Wissenschaftler aufzusuchen und sein Wissen zu bereichern . Mit Zustimmung seiner Frau  machte sich Yue auf den Weg.

Ein Jahr später kehrte Yue plötzlich nach Hause zurück. Seine Frau, die an einem Tuch mit Seidenweberei arbeitete, kniete nieder, um ihn zu begrüßen und fragte verwundert: „Du hast nur ein Jahr lang deine Studien betrieben. Warum bist du zurück? "

Yue antwortete: „Ich kam nach Hause zurück, um dich zu sehen, weil ich dich sehr vermisst habe."

Ohne etwas zu sagen, nahm seine Frau eine Schere und ging zu dem Webstuhl, an dem sie gearbeitet hatte.

Sie zeigte auf den halbfertigen Brokat und sagte leise: Dieser Brokat ist aus feinster Seide gewebt. Ich verwob ich ein Strang nach dem anderen miteinander, um ihn herzustellen. Wenn ich ihn nun abschneide, war alle meine frühere Arbeit umsonst. Es ist das gleiche mit deinem Studium. Du kannst das Wissen nur durch Fleiß erwerben. Nun aber bist du auf halbem Wege weggegangen. Ist es nicht das gleiche wie ein Tuch auf dem Webstuhl abzuschneiden?"

Yue war tief beeindruckt und bewegt von dem, was sie sagte. Er verließ wieder das Haus und war dieses Mal entschlossen, seine Studien nicht auf halbem Wege aufzugeben. Einige Jahre später wurde Yue ein sehr gelehrter Mann.

Diese Redewendung wird verwendet, um sich auf eine Aktion zu beziehen, die in der Mitte des Prozesses abgebrochen wird. Sie warnt, dass alle Bemühungen verschwendet sind, wenn man nicht sehen kann, wie die Dinge sich zum Ende hin entwickeln.

Anmerkung (1):
Man nimmt an, dass etwa um 450 v. Chr. der Enkel von Konfuzius  "Die Lehre der Mitte (中庸)“  zum ersten Mal als ein Kapitel zusammenstellte in dem konfuzianisch-philosophischen Text „Das Buch der Riten“.  Später wurde es als eines der fünf konfuzianischen kanonischen Schriften angesehen. „Die Lehre von der Mitte" ist auch als "Die Lehre vom Gleichgewicht", „Der mittlere Weg“ übersetzt worden und als „Die Lehre von der Harmonie“.

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