Weiblichkeit, Schönheit und Mode im klassischen China

Titelbild
Eleganz der Tang-Dynastie.Foto: Bao Qiu
Von 29. August 2012

Was bedeutet eigentlich „Hanfu“, diese Frage beantwortete Eva-Marie Schiffer, Referentin mit China-Kompetenz bei einem Vortrag zur China Time in Hamburg im Kulturhaus Eppendorf.

Hanfu bedeutet ganz einfach: Bekleidung des Han-Volkes. Das Volk der Han war und ist noch heute die mit Abstand größte ethnische Gruppe Chinas: rund 95 Prozent der Festland-Chinesen gehören ihr an. Mit dem Hinweis, es sei nicht alles gut gewesen, was in der Antike Mode war, ging Schiffer in ihrem bebilderten Vortrag kurz auf die gebundenen Füße – den „Lotusfuß“ chinesischer Frauen ein –, eine Tradition, die sich in China gut tausend Jahre lang hielt. Ein Blick zur westlichen Kultur zeigte – auch hier gebe (und gab) es schmerzliche Modeerscheinungen, denen sich Frauen „freiwillig“ unterwerfen, so wie eng geschnürte Korsetts oder unbequeme hochhackige Stöckelschuhe.

Heutzutage verbänden viele Menschen die typisch chinesische Kleidung mit dem Stil der Mandschuren, eines Volkes, das während der Qing-Dynastie (1644-1911) das Reich der Mitte beherrschte, so Schiffer. Tatsächlich sei dieser Bekleidungsstil kein Hanfu.

Geistiger Ursprung der traditionellen Bekleidungsformen

Die tieferliegende Bedeutung des Hanfu könne sich einem nur mit den drei Säulen der traditionellen chinesischen Kultur eröffnen, erklärte Schiffer. Die Weisheitslehrer Laotse mit dem Daoismus, Konfuzius mit dem Konfuzianismus und Buddha, in China Shakyamuni genannt, mit dem Buddhismus seien hierfür prägend gewesen. Seit 5000 Jahren hätten Chinesen ihre geistige Haltung wie: Respekt vor dem Himmel und den Buddhas – das daoistische Konzept vom Einklang des Menschen mit dem Himmel und der Verbundenheit mit der Natur – und die moralische Anleitung der konfuzianischen Lehre, auch in der Gestaltung der Kleidung zum Ausdruck gebracht.

Was ist typisch für Hanfu?

Zu den Charakteristiken von Hanfu zählen der überkreuzte Kragen – linke Seite des Gewandes über die rechte Seite gekreuzt – keine Knöpfe, stattdessen mit Bändern gebunden, weite Ärmel und das Umwickeln des Körpers. Die Bekleidung umhüllt den Körper eher locker und durch die starke vertikale Linie und Betonung der natürlichen Taille schmeichelt sie der Gestalt auf selbstverständliche Art und Weise.

In der Kultur der „Hanfu“ zeige sich die perfekte Symbiose von Mensch und Kleidung als einzigartiger künstlerischer Ausdruck. China war ein Land, wo Bekleidung und Höflichkeit hoch geachtet wurden. Schiffer machte auf die Schönheit von Hanfu aufmerksam: diese Kultur habe die simpelsten Mittel zur höchsten Eleganz und Pragmatik entwickelt und wurde so zum Sinnbild chinesischer Zivilisation, erläuterte Schiffer.

Die Renaissance der traditionellen chinesischen Kultur

Sowohl im Ausland, aber auch im Festland China stehe eine Renaissance der traditionellen chinesischen Kultur bevor, so Schiffer. In diesem Zusammenhang stellte Schiffer den „weltweiten Han Couture Design-Wettbewerb“ des Fernsehsenders NTD mit Hauptsitz in New York vor. NTD ziele darauf hin, die orthodoxe und authentische traditionelle chinesische Kultur und Kunst zu fördern und zu verbreiten.

Ein besonderes kulturelles Highlight sei das Künstlerensemble Shen Yun Performing Arts, weltweit führend auf dem Gebiet des klassischen chinesischen Tanzes. In deren außergewöhnlichen Bühnenaufführungen seit 2007 lebe auch Chinas klassische Kleidung, die Hanfu, eindrucksvoll wieder auf, sagte Schiffer. In authentischen und handgefertigten Gewändern werde die 5000-jährige Geschichte Chinas vor den Augen des Publikums wieder lebendig. In einem Video wurde gezeigt, wie die Kleider der Künstler nach traditionellem Vorbild für die Bühnenaufführung angefertigt werden.

Ausgewählte Gewänder und ihre Träger verzaubern das Publikum

Gemeinsam mit Angela Xie-Großjohann moderierte Eva-Marie Schiffer den Teil des Events, in dem vier ausgewählte Gewänder aus der Ming-, Song- und Tang-Dynastie präsentiert wurden. Xie-Großjohann ist Chinesin, die in der Kulturrevolution geboren wurde und seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Sie habe erst hier vor wenigen Jahren die wahre Kultur ihres Heimatlandes entdeckt, erzählte sie dem Publikum.

Vorgestellt wurde der „Shenyi“, ein langes, mantelartiges Männergewand nach dem Vorbild der Ming-Dynastie in einem eleganten Dunkelblau. Ein schwarzer Hut mit gelben Säumen, einem gelben Schmuckstein vorn und aufwendiger Seidenstickerei hinten sowie Stiefeln ergänzten die Tracht eines höheren Beamten.

Es folgte ein mehrteiliges, jugendliches Frauengewand aus der Song-Dynastie in Rosa, Weinrot und Weiß. Die zierliche, schlanke chinesische Trägerin vermochte das Publikum mit ihrer Ausstrahlung und anmutigen Haltung zu verzaubern. Danach beeindruckte eine deutsche Trägerin, die den Damen im Publikum mit ihrem Auftritt zeigte, dass auch westlichen Frauen ein Gewand nach dem Vorbild der Tang-Dynastie sehr gut steht: Das bodenlange, elegante dunkelblaue Kleid mit Blumenmuster, einem blauen Satinband mit Schleife vor der Brust und einer Bluse aus transparentem weißen Stoff mit sehr weiten langen Ärmeln, kombiniert mit einem langen dunkelblauen Seidenschal als Überwurf schmeichle jeder Trägerin, sogar wenn sie korpulent sei, erklärt Xie-Großjohann. Ein Kleid wie dieses wurde im alten China nur auf dem eigenen Anwesen bei Ausflügen ins Grüne getragen, jedoch nicht zu öffentlichen Anlässen, sagte Xie-Großjohann.

Zum Schluss führte eine junge Chinesin ein äußerst prächtiges Kleid nach dem Vorbild der Tang-Dynastie vor. Rosa Blumen auf seidigem weißem Stoff mit langer Schleppe und besonders weiten Ärmeln unterstrichen die Schönheit und Eleganz dieses Gewandes einer Adligen.

Harmonischer Ausklang

Ein kulturell tiefgründiges Vortragsthema dieser Art ist nicht typisch für die Veranstaltungen im Rahmen der China Time in Hamburg, bei deren Veranstaltungsangebot eher das Geschäftemachen und Netzwerken zwischen Hamburg und China im Vordergrund steht.

Im Rahmen der China Time 2012 hatte die Falun Gong-Gruppe Hamburg eingeladen, das Thema, die innere und äußere Schönheit von Frau und Mann aus der Zeit des klassischen Chinas wiederaufleben zu lassen.

„Ich bin Chinesin und muss sagen: ich danke Ihnen sehr für diese Brücke, die Sie bauen zur Verständigung zwischen den Kulturen! Und es gab sogar manches, was ich selbst noch nicht wusste”, sagte eine Teilnehmerin nach dem Vortrag zu Eva-Marie Schiffer. Weitere Besucherstimmen waren: „Mehr davon… und bitte länger als eine Stunde.“ – „Ich bin sehr berührt von dem, was ich heute Abend gehört und gesehen habe.“ – „Besonders die Betonung der Weiblichkeit und die moralischen Werte waren inspirierend, das brauchen wir heute.“

Tatsächlich kennen heute viele Chinesen nicht die 5000-jährige Kultur ihres Heimatlandes. Ein Phänomen, das alle Festland-Chinesen betrifft, die während oder nach der Kulturrevolution geboren wurden. Die durchweg positive Resonanz des Abends ermutigt den Veranstalter, einen Vortrag dieser Art in Zukunft wieder anzubieten.

 



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