Hongkong Protest – Polizist bittet Demonstranten: „Verzeiht mir, dem Feigling!“

Von 30. September 2014 Aktualisiert: 30. September 2014 10:57

Zwischen Befehl und Gewissen steht dieser Tage die Hongkonger Polizei: Einerseits sollen die Polizisten mit Tränengas und Pfefferspray gegen Demonstranten vorgehen – andererseits stehen sie innerlich selbst auf der Seite derjenigen, die freie Wahlen und ein Ende der kommunistischen Dominanz in Chinas Sonderverwaltungszone fordern. Ein Foto und der „Entschuldigungsbrief“ eines Hongkonger Polizisten zeigen dies eindrucksvoll.

Ein Bild geht um die Welt

Ein Foto, das EPOCH TIMES Fotograf Yu Gang in Hongkong schoss, geht um die Welt: Es entstand am 29. September um 16:48 vor dem Hongkonger Regierungsgebäude, als die bewaffnete Polizei begonnen hatte, plötzlich Pfefferspray gegen protestierende Studenten einzusetzen. Ein junge Mann wurde getroffen, so dass ihm die Augen tränten und seine Nase ununterbrochen lief. Er schrie einen Polizisten an: „Ich stehe doch gar nicht so nahe an dir dran, (…) warum tut ihr uns unbewaffneten Bürgern so etwas an?“ 

Der Polizist, der ein schlechtes Gewissen hatte, klopfte dem jungen Mann beschwichtigend auf die Schulter und sagte: „Ich weiß, ich weiß.“ Dann holte er seine Trinkflasche heraus und begann, dem Demonstranten damit die Augen zu auszuspülen. Das Foto wurde außerhalb Chinas über 70.000 Mal geklickt. Durch die Facebook Seite der EPOCH TIMES Hongkong erreichte es in kurzer Zeit über eine Million Menschen. Viele internationale Medien baten um Nutzungsrechte.

Fotograf Yu Gang berichtete, dass er selbst mehrmals von Tränengas und Pfefferspray getroffen wurde und fast Atemnot bekam – unter den Menschen, die ihm halfen, Augen und Gesicht zu waschen, war auch ein Polizist: "Ich sah die Uniform unter seiner Regenjacke,“ so Yu Gang.

Polizist: „Bitte verzeiht mir, dem Feigling!“

Auch das Entschuldigungsschreiben eines Hongkonger Polizisten, derzeit ein Hit im chinesischen Internet, spricht eine deutliche Sprache: „Ich entschuldige mich bei allen Hongkongnesen, vor allem bei den Demonstranten vom gestrigen Occupy Central Protest. Ich fühle mich Euch gegenüber schuldig!“, hieß es darin.

Der Verfasser schrieb, dass er Demonstranten früher für „den Abschaum der Gesellschaft“ gehalten hatte und sie nicht mochte. Er und seine Kollegen seien deshalb froh gewesen, bei der diesmaligen Aktion „mehr Gewalt anwenden zu dürfen“. Als er jedoch sah, wie sehr die Demonstranten unter dem Tränengas litten, war er selbst schockiert.

„Als ich zum ersten Mal [die Reaktionen auf] das Tränengas sah, bereute ich es von Herzen. (…) Ich habe Angst, meine Stelle zu verlieren und deshalb lange überlegt, ob ich dies hier schreiben soll. Mein Gewissen konnte nicht zur Ruhe kommen. (…) Ich entschuldige mich herzlich bei Euch, Hongkongnesen! Bitte verzeiht mir, dem Feigling.“

Die diesmaligen Demokratie-Proteste in Hongkong waren der erste Anlass seit 2005, bei dem die Hongkonger Regierung bewaffnete Polizei mit Tränengas und Pfefferspray einsetzte.

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