Rechtsanwalt Gao Zhisheng Anfang 2006 in seinem Heimatort im Norden der Provinz Shaanxi. (Foto: Epoch Times)

Lebenszeichen von verschwundenem chinesischem Menschenrechtsanwalt

Von 4. November 2007 Aktualisiert: 4. November 2007 22:37
„Chinas Gewissen“ Gao Zhisheng warnt seinen Freund

Hu Jia, der in Peking lebende HIV-Aktivist, bekam am 28. Oktober ungefähr um 21:30 einen Anruf von Gao Zhisheng, Chinas prominentestem Menschenrechtsanwalt. Das war das erste Mal, dass Gao seit seiner geheimen Verhaftung am 22. September durch die Behörden des Regimes der KPCh (Kommunistische Partei Chinas) Kontakt zur Außenwelt aufnahm.

Kurz zuvor hatte Gao einen offenen Brief an die Mitglieder des amerikanischen Kongresses geschrieben, in dem er die KPCh für die vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking verstärkte Verfolgung religiöser Gruppen und Menschenrechtsverteidiger verurteilt. Hu Jia berichtete unserem Reporter: „In der Nacht vom 28. Oktober erhielt ich einen Anruf von einer mir unbekannten Nummer. Der Gebietscode gehörte zur Stadt Xian in der Provinz Shaanxi. Ich erkannte sofort die Stimme von Anwalt Gao. Ich bin mit seinem nördlichen Shaanxi Akzent sehr vertraut. Ich war sehr aufgeregt und rief: ‚Anwalt Gao!'“

Hu berichtete den Inhalt ihres Gesprächs, das etwa eineinhalb Minuten dauerte. Gao habe Hu Jia gewarnt, nicht das Risiko einzugehen, seine Familie zu besuchen, die Behörden würden dann auf Rache sinnen. Hu berichtete: „Anwalt Gao bat mich, nicht zu gehen. Er ersuchte mich auch, mehr an meine Familie zu denken und mich um Zeng Jinyan und unser ungeborenes Baby zu kümmern.“

Hu sagte Gao: „Obwohl ich rechtswidrig unter Hausarrest stehe, wird das erste, was ich machen werde, sobald ich mich wieder frei bewegen kann, ein Besuch bei Ihrer Frau und Gege sein (Gaos Tochter).“

Gao wiederholte: „Ich weiß, dass Sie nicht auf mich hören wollen, aber gehen Sie lieber nicht.“ Hu Jia antwortete: „Ihre Frau und Ihre Kinder haben Angst.“ Gao erwiderte: „Es wird ihnen jetzt besser gehen.“ Gao erzählte Hu auch, er werde für eine Weile in der Provinz Shaanxi und der Provinz Shanxi bleiben, um etwas zu erledigen.

Hu gab Gao die Nachricht weiter, dass Huang Yan, eine in der Provinz Hubei lebende Menschenrechtsanwältin und enge Familienfreundin von Gao am 22. September mit Gewalt von einer Einheit der „Nationalen Sicherheit“ von der städtischen Behörde für Öffentliche Sicherheit in Peking gekidnappt wurde. Nach einmonatiger Haft in der Stadt Jin Zhou in der Provinz Hubei wurde sie am 23. Oktober wieder freigelassen. Gao erwiderte: bitte richten Sie ihr meinen Dank aus für das, was sie gemacht hat. Ich muss jetzt gehen.“ Der Anruf wurde dann unterbrochen. Hu Jia sagte: „Unter diesen Umständen war das Hauptanliegen der Behörden, die Gao erlaubten, mich anzurufen, den Druck von draußen, Anwalt Gao zu retten, zu verringern. Die Behörden machten das auch, um meine Beziehung zu ihm zu unterbinden. Da Gao für mich sehr deutlich sagte, ich solle den Kontakt zu seiner Familie abbrechen, ist dies das Wichtigste für die Behörden.“ Hu Jia sagte, dass er erleichtert war, die Stimme von Gao Zhisheng wieder zu hören. Er ist bezüglich der Situation von Gao optimistisch. Er denkt, dass Gao nach Peking zurückgehen und bald wieder mit seiner Familie zusammen sein werde.

Gao Zhisheng schrieb 2004 einen offenen Brief an den Nationalen Volkskongress und 2005 zwei offene Briefe an Hu Jintao (seit 15. März 2003 Staatspräsident der Volksrepublik China), und Wen Jiabao (seit März 2003 Ministerpräsident der Volksrepublik China), bevor er seinen offenen Brief an die Mitglieder des amerikanischen Kongresses schrieb mit der Bitte, die Verfolgung der Falun Gong Praktizierenden zu beenden. Im Dezember 2006 wurde er wegen „Staatsgefährdung“ zu drei Jahren Gefängnis verurteilt; die Strafe wurde für fünf Jahre zur „Bewährung“ ausgesetzt, und für ein Jahr wurden ihm alle seine verfassungsmäßigen Rechte wie Rede- und Versammlungsfreiheit aberkannt. Gao und seine Familie waren seitdem unter strenger Überwachung durch die Behörden und sind immer wieder belästigt worden; Gangster hatten seine Tochter geschlagen.

Hu Jia (34) setzt sich für Umweltschutz, AIDS-Aufklärung und für die Rechte von HIV-Positiven in China ein. Außerdem gehört er zur den Koordinatoren der „Gruppe der barfüßigen Rechtsanwälte“, die sich gegen Unrecht und für die Grundfreiheiten in China einsetzt.
Er und seine Frau wurden in der Vergangenheit mit einem Ausreiseverbot belegt, verhaftet und unter Hausarrest gestellt. Auch zur Zeit können sie sich nicht frei bewegen.


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