(AFP)

Miniröcke, Thomas Edison und andere Lügengeschichten aus China

Von 15. Oktober 2009

Während westliche Analysten bei der Parade am Nationalfeiertag des 1. Oktober in Peking herauszufinden versuchten, welche neuen Waffen vorgeführt wurden, schauten sich die meisten Fernsehzuschauer lieber die weibliche Miliz in leuchtend roten Miniröcken an. Aber diese Miliz war keine echte, sondern es waren nur einige hübsche junge Frauen, die man rekrutiert hatte, um einen falschen Eindruck zu erwecken.

Sie wurden damit zum heißesten Thema in den Internet Chat Rooms und Foren. Chinesische Netzbürger fanden heraus, dass eine der Frauen, die eine Einheit der Miliz anführten, Miss Etiquette von den Olympischen Spielen 2008 in Peking war und eine andere ein Modell für ausländische Autohersteller.

Das ist jedoch nur ein Teil der Geschichte. Es hat nämlich noch nie weibliche Milizeinheiten gegeben und alle Teilnehmerinnen dieser Marscheinheit wurden aus dem Distrikt Chaoyang, Peking, rekrutiert. Sie haben schon seit Ende Dezember des vergangenen Jahres für diese Parade trainiert. Es kann als sicher gelten, dass sie noch niemals ein Gewehr abgefeuert haben. Nach der Parade kehren sie ins bürgerliche Leben zurück. Die roten Miniröcke, die sie trugen, sind eigens für die Parade entworfen worden und waren keine echten Milizuniformen.

Eine ähnliche Situation gab es bei der Einheit der Soldatinnen. Zwei der Frauen, die die Soldatinnen anführten, waren Zivilistinnen, die speziell für diese Parade rekrutiert worden waren. Nachdem man sie als Mitglieder für diese Einheit ausgesucht hatte, erstellte die Armee sofort die erforderlichen Dokumente, um sie in die Armee einzutragen. Bevor man sie für die Parade aussuchte, waren sie noch nicht einmal Frauen im Militärdienst.

Soldatinnen der „Volksbefreiungsarmee“ am 1. Oktober 2009 auf einer Parade am Nationalfeiertag in Peking. (Goh Chai Hin/AFP/Getty Images)Soldatinnen der „Volksbefreiungsarmee“ am 1. Oktober 2009 auf einer Parade am Nationalfeiertag in Peking. (Goh Chai Hin/AFP/Getty Images)

Offizielle chinesische Zeitungen und zahlreiche Webseiten berichteten diese Geschichten über die jungen Frauen in der Parade. Aber die Berichterstattung über diese raffinierten Lügen war nur komplementär, nicht kritisch. Im heutigen China ist das Lügen zu einem Teil der Lebensweise geworden.

Wie Edison seine Mutter rettete

Eine Woche vor der Parade erstellte ein chinesischer Lehrer namens Guo Chuyang eine Liste „Problematischer Artikel“ für Grundschulbücher. Er teilte die Probleme in vier Kategorien ein. Die erste lautet: „In Widerspruch zur Geschichte und zum gesunden Menschenverstand“. Eine der Geschichten dieser Kategorie heißt: „Wie Edison seine Mutter rettete“.

Dort heißt es: Als Thomas Edison noch ein Junge war, wurde seiner Mutter der Blinddarm chirurgisch entfernt. Zu der Zeit waren die elektrischen Lampen noch nicht erfunden und die Operation musste bei Kerzenlicht durchgeführt werden. Bei solch schwachem Licht konnte die Operation für die Patientin sehr gefährlich sein. Der junge Edison nahm einen Spiegel und reflektierte so das Licht, während der Arzt die Operation beendete. So rettete er seine Mutter.

Guo durchsuchte jeden Artikel und jedes Buch, das er über Edison finden konnte, und fand keinen Hinweis darauf, dass sich diese Geschichte jemals ereignet hatte. Übrigens wurde zu der Zeit ein solcher chirurgischer Eingriff noch nie vorgenommen. Edison wurde im Jahre 1847 geboren und die erste Blinddarmoperation fand im Jahre 1887 statt.

Marx im Leseraum

In den Grundschulbüchern, die ich in China gelesen habe, stand auch eine Geschichte über Karl Marx: Als er in London war, verbrachte er den größten Teil seiner Zeit im Leseraum des Britischen Museums. Da er so lange, Jahr für Jahr, auf demselben Stuhl saß, rieben seine Füße ein Loch in den Boden.

Ich weiß nicht, wie viele Schüler Zweifel an der Geschichte hatten, ich weiß nur, dass ich keine hatte. Viele Jahre später las ich eine Geschichte über einen Chinesen, der in England studierte. Sofort nachdem er in London angekommen war, ging er zum Britischen Museum, um den Stuhl zu sehen, auf dem Marx gesessen hatte.

Der Bibliothekar teilte ihm mit, dass so etwas niemals habe geschehen können, weil das Britische Museum nie einen Stuhl für irgendjemanden reserviert habe. Falls übrigens der Boden beschädigt worden wäre, hätte man ihn sofort repariert. Der Bibliothekar erzählte ihm auch noch, dass viele Chinesen, und zwar ausschließlich Chinesen, mit derselben Bitte zur Bibliothek kämen. Alle waren immer höchst erstaunt und enttäuscht, wenn sie die Wahrheit erfuhren.

Viele Jahre später wurde mir klar, dass der gesunde Menschenverstand von sich aus eine solche Geschichte als unglaubwürdig erkennen könnte, ohne dass es nötig wäre, den Leseraum zu besuchen. Angenommen, dass Karl Marx tatsächlich einen reservierten Stuhl im Leseraum hatte und dass der Boden während der Zeit nicht repariert worden war und dass unter seinem Stuhl ein Loch entstanden war, was war dann mit dem Boden unter den anderen Stühlen? Selbst wenn die Leute sich jeden Tag auf einen anderen Stuhl setzten, so war der Effekt doch der gleiche wie der bei einer Person, die immer auf demselben Stuhl saß. Ergebnis – unter jedem Stuhl hätte ein Loch sein müssen!

Und da gibt es noch eine Geschichte über Lenin, den Gründer der Sowjetunion. Als Lenin noch ein Kind war, zerbrach er versehentlich eine schöne Vase in der Wohnung seiner Tante. Niemand sah es. Dann erzählte ihm seine Mutter, wie ein braver und ehrlicher Junge seine Fehler eingestehen muss. Daraufhin ging Lenin zu seiner Tante und bekannte ihr, dass er die Vase zerbrochen habe. Natürlich kann niemand sagen, ob diese Geschichte wahr ist. Vielleicht haben chinesische Schulbuchautoren und Herausgeber sie erfunden.

Verteufelung der Gegner

Alle Lügengeschichten haben einen bestimmten Zweck. Die kommunistische Bewegung gehört zu den beiden größten Katastrophen im zwanzigsten Jahrhundert und ist für wenigstens 100 Millionen Tote verantwortlich. So berichtet das „Schwarzbuch des Kommunismus: Verbrechen, Terror, Unterdrückung“. Zeichnet man nun ein positives Bild derjenigen, die den Kommunismus gegründet und ausgeführt haben, so könnte das dazu beitragen, das Bild des Kommunismus selbst zu verbessern.

Die andere Seite dieser systematischen Lügen bewirkt, dass die Gegner des Kommunismus verteufelt werden.

Während der Kulturrevolution erzählte man uns, dass Liu Shaoqi, damals Vorsitzender der Kommunistischen Partei, ein Verräter sei. Für die Klage gegen ihn war eine Unmenge von Beweisen zusammengetragen worden. Mehrere Jahre später jedoch erzählte man uns, dass Liu ein großer Führer sei. Alle Beweise gegen ihn waren gefälscht. Entweder ist die eine Behauptung über Liu eine Lüge oder beide sind gelogen; denn beide Behauptungen kamen von derselben Organisation, dem Zentralkomitee der KPCh.

Die Verfolgung der Falun Gong-Anhänger nach 1999 stellte ein Wiederaufleben der Taktik der KPCh dar, Lügen zu benutzen, um diejenigen zu verteufeln, die man vernichten wollte. Das Schlimmste war die sogenannte „Selbstverbrennung“, die im Jahre 2001 auf dem Platz des Himmlischen Friedens aufgeführt wurde. Die KPCh benutzte dieses Ereignis für einen Versuch, die brutale Verfolgung der Falun Gong-Anhänger zu legitimieren

Am Anfang des Jahres 2002 besuchte Li Yuqiang, eine Reporterin des chinesischen Zentralfernsehens, die über die „Selbstverbrennung“ berichtet und viele andere kritische Reportagen über Falun Gong verfertigt hatte, ein Zentrum für Gehirnwäsche in der Provinz Hebei. Die Falun Gong-Anhänger, die in dem Zentrum inhaftiert waren, ließen Zweifel über Wang Jindong (der eine Selbstverbrennungstäter) aufkommen. In dem Video, über das sie berichtet hatte, wurde behauptet, dass er schwere Verbrennungen erlitten hätte. Es zeigte jedoch eine mit Benzin gefüllte Spritflasche aus Plastik, die noch völlig intakt zwischen seinen Beinen stand.

Li Yuqiang gab zu, dass das Filmmaterial erst hinterher erstellt wurde, damit die Zuschauer die Geschichte glauben sollten. Die Spritflasche zwischen Wang Jindongs Beinen war für die Filmaufnahme dorthin gestellt. „Wenn wir gewusst hätten, dass sie ausgestrahlt würden, hätten wir es nicht getan“, fügte sie hinzu.

Doch die Geschichte war hier noch nicht zu Ende. Der Fernsehsender „New Tang Dynastie“ (NTDTV) strahlte einen preisgekrönten Film aus, den Film „Falsches Feuer“. Der Film analysierte das Programm des chinesischen Zentralfernsehens und verwendete dessen eigenes Filmmaterial.

Der Film wies nach, dass das Ereignis inszeniert worden war. Nachdem das chinesische Zentralfernsehen feststellte, wie viele Fehler in seiner Ausstrahlung waren, schnitt es das Filmmaterial, das in „Falsches Feuer“ hervorgehoben war, einfach heraus, redigierte das Programm noch einmal und strahlte es wieder aus.

Die Lügen im chinesischen Zentralfernsehen haben keinen bestimmten Zweck mehr. Das chinesische Zentralfernsehen weiß, dass sein Programm über die Selbstverbrennung eine Lüge ist und jedermann weiß, dass es eine Lüge ist, aber es wird immer noch gesendet.

Der Fall des chinesischen Zentralfernsehens und seines Videos mit der Selbstverbrennung ist ein weit verbreiteter Fall. Die Kommunistische Partei Chinas hat in ihren vielen Kampagnen verlangt, dass das chinesische Volk das glaubt, was nicht wahr ist. Falls man nicht lügt, würde man wahrscheinlich sterben. Das Regime hat das chinesische Volk gelehrt, dass Lügen eine Art des Überlebens darstellt und die großen Lügen, die das Regime verbreitet hat, bilden die Grundlage für die Legitimität der KPCh.

Natürlich betrifft die Geschichte, wie der heroische junge Thomas Edison seine Mutter rettet, nicht die Legitimität der KPCh. Diese Lüge stellt kein Mittel des Überlebens dar. Sie ist einfach nur ein Teil der Lebensart, die die KPCh geschaffen hat und nach der junge Soldatinnen in leuchtend roten Miniröcken marschieren.

Originalartikel (englisch): http://www.theepochtimes.com/n2/content/view/23810/

(AFP)
(AFP)


Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion