Neue Seidenstraße – Asiens Angst vor der Kolonialisierung durch China

Von 5. November 2019 Aktualisiert: 5. November 2019 19:00
Entlang der innerasiatischen Route der Seidenstraße wächst der Widerstand. Vermutungen, das könnte am pan-islamischen Zusammenhalt mit den von China unterdrückten Uiguren liegen, greifen zu kurz. Vieles ist historisch begründet, da die asiatischen Völker über die Jahrhunderte hinweg die Expansion der Chinesen durch Infiltration und Übernahme beobachten konnten.

Die kurz als “OBOR“ bezeichnete „Neue Seidenstraße“ wird in vielen innerasiatischen Staaten zunehmend kritisch betrachtet oder abgelehnt. Hierbei spielt weniger der Islam eine Rolle, sondern Jahrhunderte der Erfahrung mit Chinas Politik der langsamen Expansion.

Das Projekt Neue Seidenstraße (OBOR, One Belt One Road), das von Chinas Staatsführer Xi Jinping 2013 gestartet wurde, stößt insbesondere bei der Bevölkerung des Nachbarlandes Kasachstan zunehmend auf Ablehnung. Kasachstan wird hier nur als ein Beispiel untersucht, andere Staaten an der Route haben sehr ähnliche Probleme mit China. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Die negative Haltung vieler Kasachen zur neuen Seidenstraße hat historische, wirtschaftliche und religiöse Gründe. Die Argumentationslinien der Gegner von OBOR im kasachischen Raum haben verschiedene Argumente, je nach politischer oder religiöser Orientierung.

Kredit statt Investition

Die am einfachsten nachvollziehbare Argumentation beruht auf wirtschaftlichen Gründen. China verkauft OBOR gerne damit, dass in den beteiligten Ländern in die Infrastruktur investiert wird. Das ist leider nur die halbe Wahrheit.

Die meisten der sogenannten Investitionen stellen sich als Kredite heraus, die zwar neue Verkehrswege und auch die zu ihrem Betrieb notwendigen Energieversorgungs- und Instandhaltungsbetriebe schaffen. Doch allzu oft sind es nicht inländische, sondern chinesische Firmen, die sie aufbauen und betreiben. Da diese Betriebe dann auch meistens steuerliche Sonderkonditionen genießen, sind die erhöhten Einnahmen, die zu Kreditrückzahlung nötig sind, nur schwer zu erwirtschaften.

Auch wird die neu geschaffene Infrastruktur später oft als Absicherung der Kredite an China verpfändet oder übergeben. Kurz gesagt, schaffen die Staaten damit die Handelswege, die China für sein geplantes Handelsimperium braucht, auf eigene Kosten und müssen dafür auch noch Zinsen auf Kredite zahlen und Nutzungsrechte exklusiv an China vergeben.

Höhere Steuern statt Nutzen für die eigene Wirtschaft

Der Nutzeffekt für die heimische Wirtschaft ist dadurch nur gering. Inländische Firmen haben oft nur Zuliefererstatus, müssen aber mit ihren Steuern die Kredite für die Projekte finanzieren. Auch inländische Arbeitskräfte werden von den chinesischen Firmen eher als Hilfskräfte, denn als qualifizierte Facharbeiter beschäftigt.

Dieses Muster trifft man bei OBOR-Projekten öfter an. Das gilt nicht nur für Länder, die nur eine gering entwickelte Wirtschaft haben, sondern findet sich auch bei Projekten in den entwickelten Ländern Europas wieder.

Was Kasachstan angeht, so wurden auch hier, wie in vielen anderen wirtschaftlich nicht so stark entwickelten Ländern, die OBOR-Projekte durch Regierungsvereinbarungen gestartet – die nicht immer die Zustimmung der Bevölkerung erfahren.

Kasachstan wird zwar seit dem Ende der Sowjetunion von relativ autoritären Regierungen beherrscht, doch waren diese Regime nie so repressiv wie das chinesische KP Regime. Das führt dazu, dass die kasachische Bevölkerung besser informiert ist als die chinesische und auch bei vielen Dingen der Regierung Widerstand leistet.

Auch das Schicksal anderer Völkerschaften im chinesischen Reich, wie das der Tibeter oder Uiguren, ist den Kasachen nicht verborgen geblieben.

Klarheit über chinesisches Hegemonial-Verhalten

Kasachstan, das im Osten an China grenzt, hat eine lange Geschichte, in der es immer wieder von mongolischen Horden überrannt wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts unterstellte sich Kasachstan schließlich, mehr oder weniger freiwillig, dem russischen Zarenreich, um der Einverleibung durch China zu entgehen.

Nach der kommunistischen Revolution in Russland war Kasachstan vorübergehend unabhängig vom russischen Reich, fiel dann aber den bolschewistischen Annexionsfeldzügen 1919 zum Opfer. Kasachstan wurde erst mit der Auflösung der Sowjetunion unabhängig. Was Kommunismus bedeutet, haben die Kasachen in den mehr als 70 Jahren Sowjetunion lernen müssen.

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Aus der Geschichte vor der Zugehörigkeit zum Russischen Reich, aber auch aus Sowjetzeiten, stammen einige tief sitzende Vorbehalte gegen China. Die Sowjetunion und China standen sich seit den 1960er Jahren als Gegner gegenüber, da China die Führungsrolle der Sowjetunion bei den kommunistischen Staaten nicht anerkennen wollte. Das führte zu Jahrzehnten antichinesischer Propaganda, die die latent vorhandene Furcht vor dem Riesennachbarn im Osten zusätzlich verstärkte.

Das Bewusstsein der Kasachen für ihre eigene Identität konnte, trotz vieler Jahrhunderte der Beherrschung durch fremde Mächte, nicht ausgelöscht werden. Auch fand während der russischen und sowjetischen Herrschaft keine wirklich gezielte Kampagne zur Auslöschung der Identität der Kasachen statt.

Der islamische Glaube, dem heute 74 Prozent der Kasachen angehören, wurde zu Sowjetzeiten genauso wie das Christentum unterdrückt. Nach Auflösung der Sowjetunion lebten die Religionen in Kasachstan wieder auf, wenn auch auf moderate Weise.

Chinesen werden als arrogant und überheblich empfunden

Vor dem Hintergrund dieser Geschichte haben die Chinesen, die im Rahmen von OBOR nach Kasachstan gekommen sind, einen schweren Stand. Viele Kasachen empfinden die Chinesen als arrogant und überheblich. Das ist vermutlich auf die kommunistische Parteikultur zurückzuführen, in der die meisten Chinesen groß geworden sind.

Im Gegensatz zu aus Hongkong oder Taiwan stammenden Chinesen, werden Chinesen aus dem kommunistischen China als laut und rücksichtslos empfunden. Das wird von den Kasachen als das schlechte Benehmen von Kolonialherren wahrgenommen.

Auch bei den Siedlungen, die die Chinesen einrichten wenn sie bei OBOR-Projekten arbeiten, meint man eine systematische Verdrängung der ansässigen Bevölkerung wahrnehmen zu können. Dies entspricht dann dem Bild von den Chinesen, die Minderheiten systematisch verdrängen wenn sie und alles tun, um deren traditionelle Kultur zu beseitigen und ihren Glauben zu unterdrücken.

Islam kein beherrschender Grund der Ablehnung von OBOR

Die Muslime in Kasachstan sind eher säkular orientiert und pflegen parallel immer noch Elemente ihrer alten schamanischen Kultur. Seit dem Ende der Sowjetunion kommen auch vermehrt islamische Prediger aus dem arabischen Golf und Ägypten nach Kasachstan, die einen rigideren Islam lehren.

Das führte zu einem stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl mit den ebenfalls islamischen Uiguren in der chinesischen Provinz Xinjian und dem Bewusstsein, dass diesen von der kommunistischen Partei Chinas ihre kulturellen Eigenheiten genommen werden. Auch die Existenz der Umerziehungslager, in denen aus muslimischen Uiguren Anhänger der KPCh gemacht werden sollen, die ihrem Glauben abgeschworen haben, ist den Kasachen wohl bekannt.

Die Solidaritätsgefühle für die Uiguren entspringen bei den meisten Kasachen jedoch weniger dem Islam, als vielmehr dem Gefühl, wie sie im eigenen Land zur Minderheit zu werden. Man beobachtet sehr genau, wie die KPCh immer mehr Chinesen im uigurischen Stammland ansiedelt und die traditionell dort ansässige Bevölkerung verdrängt und gegenüber den Han-Chinesen benachteiligt. Deswegen wird auch mit Sorge beobachtet, wie im Gefolge der OBOR-Projekte immer mehr Chinesen ins Land strömen.

Kasachen, die Chinesen heiraten, sind nicht gerne gesehen

Da die Kasachen nur ein kleines Volk von nicht einmal 20 Millionen Personen sind, befürchten sie, von den Chinesen eines Tages genauso dominiert zu werden, wie die Uiguren, wenn sie zu viele von ihnen ins Land lassen. Auch enge Kontakte von Kasachen zu Chinesen werden von den meisten Kasachen abgelehnt.

In einigen Fällen hat das schon zu ausgesprochen sinophobem Verhalten geführt. Familien von Kasachen, bei denen ein Mitglied einen Chinesen oder Chinesin geheiratet hat, wurden bedroht und aus den lokalen Gemeinschaften ausgeschlossen. Diese Familien haben es danach doppelt schwer, da sie von ihren Landsleuten als Verräter angesehen werden.

Wenn sie versuchen, in den chinesischen Gemeinschaften zu leben, werden sie von den Chinesen allerdings oft als kulturell minderwertige Menschen zweiter Klasse angesehen.

Kein Wirtschaftsaufschwung durch OBOR

Zu allem Überfluss will sich der versprochene wirtschaftliche Aufschwung durch die chinesischen Gelder in Kasachstan nicht einstellen. Das liegt aber daran, das die Gelder eher Kredite als Investitionen sind. Wirkliche Investitionen gibt es fast nur im Bereich der Rohstofferschließung. Kasachstan ist ein Lieferant für Öl, Minerale und Metalle. Auch in diesem Bereich versuchen die Chinesen, möglichst eigene Firmen an den Start zu bringen.

Investitionen in kasachische Firmen oder Joint Ventures im Bereich Produktion oder Service durch chinesische Privat- oder Staatsfirmen finden im Prinzip nicht statt.

Die Kostenstruktur in Kasachstan und das Produktivitätsniveau sind für chinesische Investoren derzeit uninteressant. Kasachstan ist für China deswegen interessant, weil es hier schon bestehende Verkehrstrassen gibt, die noch weiter ausgebaut werden können und Kasachstan als nahegelegener Lieferant für Rohstoffe dient.

China täte allerdings gut daran, die kasachische Bevölkerung nicht zu verärgern. Denn die langen durch das riesige Land führenden Verkehrswege und Ölpipelines können im Krisenfall nur schwer geschützt werden. China muss jetzt schon im eigenen Land vor allem mit muslimischen Aufständischen fertig werden, die sich das teils schwierige Gelände, durch das die Versorgungswege führen, zunutze machen.

Das Gefühl der Ausbeutung durch China besteht in Kasachstan jedenfalls schon.

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