NTD TV - Das Fenster der Informationsfreiheit für China. (NTDTV)

NTDTV: Ein Pionier für die Medienfreiheit

Epoch Times14. März 2005 Aktualisiert: 14. März 2005 11:01
Seit dem 01. Mai 2004 hatte sich die chinesischsprachige Medienlandschaft kaum merklich und doch entscheidend verändert. NTDTV, der erste unabhängige Fernsehsender in chinesischer Sprache sendet unzensiert und unverschlüsselt ein breit gefächertes Nachrichten- und Unterhaltungsprogramm via Satellit nach China und in den Rest der Welt. Für das chinesische Volk, das seit Jahrzehnten nur staatlich kontrollierte Medien kennt, war dies eine kleine Sensation.

Im September letzten Jahres sprach Thomas Kalmund mit John Lee, dem Präsidenten von NTDTV:

Vor gut zwei Jahren ging NTDTV auf Sendung. Was war Ihre Motivation einen neuen Sender ins Leben zu rufen?

Lee: Unsere Absicht war es, einen unabhängigen chinesischsprachigen Sender mit einer glaubwürdigen Berichterstattung und anspruchsvoller Unterhaltung aufzubauen. Wir folgten dabei dem Beispiel der öffentlichen Fernsehanstalten der westlichen Länder, in denen wir leben. Aus unseren persönlichen Lebenserfahrungen heraus wissen wir alle, die wir mit diesem Sender zu tun haben, dass wir Demokratie und Informationsfreiheit einfach brauchen, ebenso wie wir die Luft zum Leben benötigen.

Wir wollten einen Sender für alle Chinesen schaffen, der die Werte der Meinungsfreiheit und der Medienfreiheit – das normale Leben, widerspiegelt.

Welche Inhalte möchte NTDTV vermitteln?

Lee: Das Besondere an NTDTV ist wohl, dass dem chinesischsprachigen Publikum unterschiedliche Standpunkte, Perspektiven und Ideale präsentiert werden, zu denen sie sonst keinen Zugang haben. Derartige Darstellungen erlauben es unseren Zuschauern die Vorteile einer freien Presse zu kosten und versetzten sie in die Lage, Ereignisse und Informationen

besser verstehen und analysieren zu können. Im letzten Jahr brachte NTDTV ausführliche Berichte über die SARS-Epedemie, die geplanten Gesetzesänderungen in Hongkong, sowie Menschenrechtsthemen in China, wie die Unterdrückung politischer Dissidenten, Christen im Untergrund, Tibeter und Falun Gong. Unsere Berichterstattung wird unter den chinesischsprachigen Medien als einzigartig angesehen: da NTDTV keiner Regierung, keiner Partei und keinem Wirtschaftsunternehmen angehört, können wir prägnant und objektiv alle Seiten eines Themas beleuchten und brauchen uns nicht davor zu fürchten auch sensible Punkte zu berühren. So waren am vergangenen 4. Juni Millionen von Zuschauern in China erstmals nach 15 Jahren in der Lage, die unverschlüsselt in die Haushalte ausgestrahlten Sondersendungen von NTDTV über das Tiananmen-Massaker zu empfangen.

Wie ist die Situation der chinesischsprachigen Medien innerhalb und außerhalb Chinas?

Lee: Die Medien innerhalb Chinas unterliegen nach wie vor einer strengen staatlichen Kontrolle. Es gibt eine bemerkenswerte Entwicklung im Bereich Unterhaltung, Sport und der Sendungen ohne sensiblen Inhalt. Nachrichten, Informationsvermittlung und Meinungsäußerungen sind jedoch stark eingeschränkt – die Journalisten sind Angestellte des Staates. China steht fast an der Spitze der Liste von Regimes, in denen Journalisten und Medien einschließlich dem Internet unterdrückt werden. Es gibt noch immer einen gewissen Pluralismus innerhalb der Medien Hongkongs, doch der Trend geht dahin, die Einschränkungen und Bedrohungen der Journalisten zu verstärken.

NTDTV wird als gemeinnütziger Sender bezeichnet, doch einen Satellitensender rund um die Uhr zu betreiben ist nicht gerade billig. Wie finanzieren Sie sich?

Lee: Leistungsfähige Technologien und die Kräfte des freien Marktes haben es wesentlich günstiger gemacht, einen Satelliten zu betreiben als es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Der Jahresumsatz von NTDTV beträgt derzeit 2,5 Mio Dollar und setzt sich zusammen aus Einzelspenden, Werbeeinnahmen, eigenen Produktionen, freiwilligen Leistungen, Sachgaben und Spendenaktionen ähnlich wie es auch regionale Sender praktizieren.

Wir sind eine eingetragene und nach US-Recht regulierte gemeinnützige Organisation.

Viele Mitarbeiter stellen ihre Zeit und Ressourcen unentgeltlich zur Verfügung, um damit etwas für den Erfolg zurückzugeben, den viele von uns in den chinesischen Gemeinden in Europa und den USA genossen haben.

Wie reagiert Peking auf das Erscheinen von NTDTV in der chinesischsprachigen Medienlandschaft?

Lee: Seit unserem Start haben die chinesischen Behörden versucht, uns einzuschüchtern und zu behindern, und zwar auch auf amerikanischem und europäischem Boden. Sie arbeiten mit aller Kraft daran, ausgehend von ihren Botschaften und Konsulaten all jene unter Druck zu setzen und einzuschüchtern, die mit uns zusammenarbeiten, sowohl unter Chinesen wie auch unter Nicht-Chinesen. Die chinesischen Diplomaten versuchen routinemäßig den Ruf von NTDTV zu schädigen und sie üben wirtschaftlichen, politischen und andere Formen von Druck aus, um unsere Partner dazu zu veranlassen, nicht mit uns zusammen zu arbeiten. China hat großen Druck auf die Französische Regierung und die französische Rundfunk-Aufsichtsbehörde, die uns die Sendelizenz ausgestellt hat, ausgeübt. Ebenso wurde die Firma Eutelsat bedrängt, nicht nur unsere Übertragung nach Asien, sondern auch in Europa zu stoppen.

Die chinesischen Beamten glaubten, dass sie die unabhängige französische Regulierungsbehörde dazu veranlassen könnten, ihre Lizenzvergabe zu revidieren, oder die französische Regierung dazu bringen könnten, in die Geschäftsbeziehungen von Eutelsat einzugreifen. Eutelsat ist ein privates europäisches Unternehmen, welches sich besonders verpflichtet sieht, die Gleichheit des Zugangs, die Nicht-Diskriminierung und den Pluralismus zu gewährleisten, so wie es die Europäische Konvention vorsieht.

Natürlich wird Peking in seiner Kampagne gegen NTDTV nicht nachlassen und das nicht nur, um dem chinesischen Volk den Zugang zu unabhängigen Sendern zu blockieren, sondern auch, weil China seine staatlichen Medien benutzt, um den chinesischsprachigen Markt in Europa und anderswo zu beherrschen.

Wie ist die Resonanz von NTDTV unter den Chinesen innerhalb wie außerhalb Chinas?

Lee: Wir erhalten ein sehr positives Feedback von den Menschen innerhalb wie außerhalb Chinas. Es gibt auch etliche China-Reisende die nach NTDTV fragen, nachdem sie in China davon gehört haben. Aus dem Internet und anderen Diskussionsforen wissen wir, dass es ein reges Interesse an unserem Kanal gibt, und dies obwohl die chinesischen Behörden jeden Hinweis auf NTDTV scharf überwachen. Seitdem wir über den Hotbird-Satelliten auch in Europa zu empfangen sind, erhalten wir eine sehr positive Resonanz auch von nichtchinesischen Zuschauern, die sich besonders für unsere Beiträge über die traditionelle chinesische Kultur und die Sprachkurse interessieren. Unsere Webseite www.ntdtv.com zählt täglich über 110.000 Besucher und täglich werden ca. 4.000 Programme aus dem Internet abgerufen.

Welche Perspektiven sehen Sie für NTDTV und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Lee: …zuallererst, dass alle Zuschauer in China sobald wie möglich eine normale Übertragung erhalten können mit einem freien Informationsfluss, der für die Demokratie, den Frieden, und die Toleranz ebenso grundlegend ist wie für eine moderne Wirtschaft, wenn sie dauerhaft erfolgreich sein soll. Wir arbeiten daran unsere Kapazitäten zur Berichterstattung über die Ereignisse und Entwicklungen in Europa auszubauen, um besser über die Impulse, die von Europa ausgehen und die für unsere Zuschauer in aller Welt von Interesse sind, berichten zu können. Wir wollen den Aspekt des „offenen Forums“ in unserem Programm weiter entwickeln, um mit unserem globalen Publikum besser zusammen wirken zu können.

Was können wir in Europa tun, um Ihre Arbeit zu unterstützen?

Lee: …es ist für den Westen wichtig, dieses einzigartige Unternehmen und damit den freien Informationsfluss nach Asien zu gewährleisten und nachhaltig zu unterstützen, ganz besonders nach China. Wir schätzen die Bemühungen der europäischen und nationalen Parlamentarier, der NGO’s und Medien, die dieses historische „offene Fenster“ mit Nachdruck unterstützen, damit es noch weiter geöffnet wird – und nicht wieder zu geschlagen wird. Letztendlich kann dieses Fenster nur dann geschlossen werden, wenn bestimmte Politiker und Firmen mit Beijing kooperieren, um es zu schließen.



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