Todesschüsse auf tibetische Flüchtlinge

Von 22. Oktober 2006 Aktualisiert: 22. Oktober 2006 20:40
Tibetische Flüchtlinge von chinesischen Grenzposten gejagt

Immer wieder wurden in der Vergangenheit Schießereien von Grenzposten der chinesischen bewaffneten Volkspolizei bekannt, bei denen es Todesopfer und Gefangennahmen gab; jedoch gab es danach nie gezielte Untersuchungen. Am 30. September 2006 kam es wieder zu einem schwerwiegenden Zwischenfall, über den diesmal mehrere Augenzeugen berichten konnten.

Eine Gruppe von 73 Tibetern und ihre zwei Führer versuchten an diesem Tag, den 5.716 m hohen Nangpa-La-Pass an der tibetisch-nepalesischen Grenze zu überqueren, als chinesische Grenztruppen in Tarnanzügen das Feuer auf den Flüchtlingstreck eröffneten. Bis zu sieben Menschen, so wird vermutet, wurden bei diesem Angriff getötet; namentlich bekannt darunter laut Amnesty International die 17jährige buddhistische Nonne Kelsang Namtso und ein 23-jähriger Mann; ein Junge wurde angeschossen.

Nur 41 Personen der Gruppe gelang es, nach Nepal zu entkommen, während 31 weitere Tibeter von den Soldaten festgenommen und wahrscheinlich in der Kreisstadt Dingri inhaftiert wurden. Die Gruppe bestand aus Kindern, Mönchen, Nonnen und einigen anderen Erwachsenen.

Wunsch nach Religionsfreiheit und besserer Ausbildung

Die 41 Tibeter, die den Todesschüssen entkommen konnten, trafen am 9. Oktober im Transitzentrum für tibetische Flüchtlinge in der nepalesischen Hauptstadt Katmandu ein, wo sie von einem Korrespondenten von Phayul aus Katmandu interviewt wurden. Die meisten der Geflohenen wünschen sich Religionsfreiheit und eine bessere Ausbildung in tibetischen Schulen und Klöstern in Indien.

Plötzlicher Überfall

Nach Aussagen eines Mönches aus der Gruppe war der Flüchtlingstreck mit 75 Personen, darunter 15 Kindern zwischen 8 und 10 Jahren, nach zweitägiger Fahrt auf einem LKW von Lhasa aus und nach 20-tägigem Fußmarsch in der Nähe des Passes angelangt. Wie der Mönch berichtete, baten sie dort eine Gruppe von Bergsteigern in dem Basislager Cho Oyu um Nahrung. Als sie beim Essen waren, seien plötzlich die Soldaten aufgetaucht und hätten auf die Tibeter geschossen, die in Panik versuchten weg zu rennen.

Von den insgesamt 15 Kindern sei nur eins entkommen, die anderen wurden in dem knietiefen Schnee festgenommen. 36 Personen entkamen laut Aussage des Mönchs dem Kugelhagel. Ein anderer Augenzeuge der Gruppe der Flüchtenden berichtet, dass er sich zusammen mit einigen anderen sieben Stunden lang im Schnee versteckte und auf diese Weise den Grenzsoldaten entkommen konnte. Einer der Augenzeugen sah, wie Bergsteiger den Vorfall fotografierten.

Film dokumentiert tödliche Schüsse

Filmaufnahmen des Kameramannes Sergiu Matei für den beliebten, rumänischen Fernsehkanal Pro TV zeigen eine Reihe von Menschen, die durch den Schnee waten, als ein chinesischer Grenzsoldat sein Gewehr anlegt und auf sie zielt. Er trifft eine Person in der vordersten Reihe; man sieht, wie sie zu Boden sinkt und nicht mehr aufsteht. Später sieht man, wie eine zweite Person getroffen liegen bleibt. Man sieht auch, wie der Rest der Gruppe den Berg hinauf hastet; der tiefe Schnee macht ihre Flucht fast unmöglich. Der Film zeigt weiter, wie sich zwei chinesische Soldaten nach diesem Vorfall bei einer Zigarette ausruhen.

Das anschließende Interview mit englischen und dänischen Bergsteigern, die Augenzeugen dieses Vorfalls wurden, zeigt deren großes Entsetzen: Unfassbar, dass hier auf Menschen geschossen wird „wie auf Ratten, auf Hunde, auf Kaninchen…“.

Der Kameramann berichtet, dass sich ein flüchtender Tibeter in der Zelttoilette versteckt hatte. Er wurde von ihm mit Essen und Kleidung versorgt und floh in der Dunkelheit der Nacht über den Pass.

Verdrehung der Tatsachen

Auch angesichts der zahlreichen Zeugenaussagen und Bilder dementierte das chinesische Außenministerium, dass es Tote gegeben habe. Es bestätigte lediglich, dass mehrere Tibeter durch die Schüsse verletzt wurden. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua verstieg sich sogar zu der Behauptung, dass die tibetischen Flüchtlinge zur Umkehr überredet werden sollten, sich aber geweigert hätten und erst dann von den Grenzposten angegriffen wurden. Dieser Angriff sei lediglich zu ihrer Selbstverteidigung erfolgt. Diese Behauptung verlautete auch vom chinesischen Außenministerium.

Verurteilung des barbarischen Aktes

Ausländische Augenzeugen bestätigen jedoch, dass die Flüchtlinge nicht bewaffnet waren. Das auch in Deutschland aktive Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD) fordert vom UN-Menschenrechtsrat die Verurteilung dieses barbarischen Aktes und Aktionen, um sicherzustellen, dass die festgenommenen Tibeter aus der Gruppe der Flüchtenden unverzüglich und unversehrt freigelassen werden. Außerdem sollte eine unabhängige Untersuchung eingeleitet werden.

Diese so gut dokumentierten Vorgänge dürften exemplarisch sein für das, was an diesem Pass und an ähnlichen Grenzübergänge in China unbeobachtet vor sich geht.

Jedes Jahr fliehen  2.000 – 3.000  Tibeter über den Himalaja ins Exil. Ein Drittel davon sind Kinder, die nach Indien geschickt werden, um eine Ausbildung in den dortigen tibetischen Schulen  zu erhalten. Bei den Übrigen handelt es sich überwiegend um buddhistische Mönche und Nonnen, die  in ihrem eigenen Land unter den Schikanen und Repressalien der chinesischen  Besatzungsmacht ihren Glauben nicht frei ausüben können.

Zum Beispiel verschwand 1995 der 6-jährige Panchen Lama, der zweithöchste spirituelle Führer der tibetischen Buddhisten, mitsamt seiner Familie kurz nach Anerkennung seiner Reinkarnation durch den Dalai Lama spurlos. Er wurde von dem KP-Regime durch den Sohn einer KP-treuen Familie ersetzt.

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