Geldautomaten am Eingang einer Bank in Peking, 25. Januar 2014.Foto: WANG Zhao / AFP / Getty Images

Autor Fraser Howie über die Schuldenkrise in China

Von 18. April 2014 Aktualisiert: 18. April 2014 18:36

Epoch Times: Mister Howie, bitte erklären Sie uns ein wenig den Hintergrund Ihres Buches „Red Capitalism“.

Fraser Howie: Carl Walter [Co-Autor] und ich haben vor 15 Jahren gemeinsam bei der China International Capital Corporation Ltd gearbeitet und damals begannen wir dann auch gemeinsam zu schreiben. Wir haben ein paar Bücher über die Aktienmärkte geschrieben, die im Jahr 2003 erschienen sind.

Aber wir wussten, dass es eigentlich eine größere Geschichte über die chinesischen Banken zu erzählen gab. Im Jahr 2000 war das chinesische Bankensystem bankrott, es gab notleidende Kredite –an die 30, 40, 50 Prozent – große Zahlen. Und dennoch, bis zum Ende des Jahrzehnts waren so ziemlich alle großen Banken etabliert … dazu gehörten einige der größten Börsengänge der Welt. Dies schien ein großer Erfolg zu sein.

In dem Buch [„Red Capitalism“, 2011] wollten wir die Frage beantworten: „Wie konnte das geschehen?“ Und dann wollten wir auch eine breiter angelegte Geschichte erzählen: Die Zahlen sehen sehr beeindruckend aus, aber eine chinesische Bank ist nicht das, was wir im westlichen Sinn darunter verstehen oder in den entwickelten Märkten.

Das Buch geht ins Detail, wie die Banken umstrukturiert wurden, wie viel von der Umstrukturierung  ein Buchhaltungstrick war. Ein großer Teil davon war Bilanzierung: Umschreibung von Vermögenswerten, Sachen aus den Bilanzen nehmen, sie aus den Augen der Öffentlichkeit verschwinden lassen.

Und doch befanden sich nach Umbildung dieser Vermögenswerte und nachdem sie in diesem good-Bank-bad- Bank-Modell untergebracht waren, die eigentlich guten Banken immer noch am Rande mancher Aufdeckungen. China wurde als eine Wunder-Wirtschaft bezeichnet und die Chinesen schienen in der Lage, auf dem Wasser zu gehen, wenn es um Wirtschaft ging; und wir wollten zeigen, dass dies nicht wirklich der Fall war.

Es wurde einiges gut gemacht und es gab einige schlechte Sachen. Man konnte nur auf China schauen, wenn man voll und ganz verstehen konnte, wie das alles umstrukturiert worden war.

[–Wie das chinesische Geschäftsleben mit Schulden umgeht–]

Epoch Times: Bitte erläutern Sie das Schulden-Problem, vor dem die Chinesen jetzt stehen.

Howie: Wenn Sie eine Addition sämtlicher Verbindlichkeiten der Regierung starten, ist die Höhe der Staatsverschuldung viel höher als das, was die Menschen gemeinhin davon annehmen. Weil es durch die Verwendung von außerbilanziellen und Nicht-Standard-Wegen bei der Ausgabe von Schuldverschreibungen versteckt wird oder weil die Angelegenheiten vom nicht-Finanzministerium als Vehikel benutzt werden. Wir haben uns breiter auf der Ebene der Schulden in der Wirtschaft umgeschaut und wie das chinesische Geschäftsleben mit den Schulden umgeht. Sie schreiben sie im Grunde nie auf; sie schieben sie nur auf einen späteren Tag.

Dies ist ein Problem, das wir im Westen auch sehen können. Es gab keine Wunder in China; dies war ein China, das viel verständlicher war, weil es keine Wunder gibt. Sie haben Verknüpfungen hier vorgenommen, sie haben einen Trick dort genutzt, sie haben einige ausgefallene Bilanzierungen hier gesetzt, und dann sehen Sie, dass es hier keine Wunder gibt und in der Tat gibt es viele Probleme im System.

Zum Zeitpunkt des Schreibens im Jahr 2010 und 2011 wurden diese Ideen nicht verstanden und nicht akzeptiert, die Probleme der Vergangenheit waren schon lange in Vergessenheit geraten. Wir haben dieses Problem grundsätzlich zutage gefördert und die Diskussion angehoben und die Menschen bewusst werden lassen über die Belastungen und Einschränkungen innerhalb des Finanzsystems.

Jetzt spulen wir schnell ein paar Jahre vor, jetzt sehen Sie eine Wirtschaft, die mit einer großen Schuldenlast  zu kämpfen hat.

Epoch Times: Was passierte nach der Krise von 2008?

Howie: Der Zusammenbruch von Lehman war ein wegweisender Moment, für China ebenso wie für Amerika. In chinesischem Kontext, eine Bank wie Lehman scheitern zu lassen, also eine so große Bank in einer solchen Art und Weise in der Öffentlichkeit scheitern zu sehen, wenn so etwas in China passieren würde, bedeutete das effektiv den Zusammenbruch der Kommunistischen Partei. Diese Arten von Unternehmen hält man für vollständig von der Regierung gesichert.

Das chinesische [Regime] antwortete, indem es mit Krediten protzte, und sie verwendeten dafür das staatliche Bankensystem, das sie vorher gerade versucht hatten zu reformieren. Denn die Menschen hatten verstanden, dass sie ein ordnungsgemäß vom Handel betriebenes Bankensystem bauen mussten. Aber China reagierte auf die große Finanzkrise, indem sie Anfang 2009 mehr Kredit ausgaben und eine große Menge an Kredit in die Wirtschaft pumpten, um mit dem Thema „Wachstum“ weiterzumachen.

[–China als Retter der Weltwirtschaft?–]

Das war zu der Zeit, als China als Retter der Weltwirtschaft gefeiert wurde: die Förderung des weltweiten Wachstums, der Start eines großen Investitionsbooms in China, das wurde alles als eine große Sache angesehen. Worauf  wir natürlich hingewiesen haben war, dass viele dieser Kredite fast jedem Unternehmen gegeben wurden, und dass es keine Renditeorientierung  gab.

Die Reformen, die in dem Bankensystem in den letzten zehn Jahren etabliert wurden, haben sie im Grunde hinaus geworfen und das zentrale Planungsmodell hat selbst sehr viel dazu beigetragen, um Kredite durch das System zu schieben.

Dies führte zu einer riesigen Aufblähung von Krediten im Jahr 2009 und man sah, dass es sich im Jahr 2010 fortsetzen würde. Kredite lösten sich zu einem gewissen Grad in den letzten paar Jahren auf, aber sie sind immer noch auf einem sehr hohen Niveau im Vergleich zu dem, wie es historisch war.

Epoch Times: Warum ist das problematisch?

Howie: Sie haben nicht nur Kredite auf einem historisch hohen Niveau, sondern Sie haben nun auch das Wachstum auf einem der niedrigsten Niveaus in den letzten 20 Jahren. So haben Sie diesen Doppeleffekt von mehr Kredit, weniger Wachstum und mehr fehlgeleitetem Kapital.

[–Der Teufelskreis–]

Was Sie jetzt haben, ist eine sehr unangenehme Situation in China. Noch besessen davon, dass das Wachstum hoch bleibt, wurden sie mehr und mehr abhängig von Schulden, weil sie in Projekte investierten, die nicht die Bereitstellung eines Rücklaufs garantierten – sicherlich nicht kurzfristig und wahrscheinlich nicht in einer langen Laufzeit – , um die Schulden zurück zu zahlen. So, um die Forderungsausfälle auszugleichen, hängen sie am Haken von mehr und mehr Kreditüberschreibungen; sie werden davon überrollt und um weitere Kredite erweitert, was im Grunde zu diesem Teufelskreis führt.

Die Kreditvergabe für die echten Unternehmen wird enger, weil weniger frische Kredite zur Verfügung stehen, da alle Darlehen ausfallen. Das ist die Position, in der sich China jetzt befindet.

Epoch Times: Was wird nun passieren?

Howie: Ich glaube nicht, dass es zu einem Zusammenbruch kommen wird, aber es ist eindeutig enormer Stress für die chinesische Wirtschaft. Ich denke, das sollte uns an eine Reihe von Dingen erinnern. Eines ist die Idee, die chinesische Führung sei ein großer langfristig denkender Manager der Wirtschaft, – ich denke, das ist falsch. Dies ist ein Problem, das vor fünf Jahren nicht in dem Maße existierte und das nun sehr große Ausmaße angenommen hat. Es ist auch ein Problem, dass China eine Schuldenkrise hat, ohne dass sie irgendwo Ansprüche geltend machen können, wie sie beispielsweise Südeuropa hat.

China hat für sich innerhalb von fünf Jahren eine Schuldenkrise erschaffen, während die Europäer dafür mindestens ein Jahrzehnt brauchten, wenn nicht mehr, um sich in dieser Position durch Über-Ansprüche zu befinden. China befindet sich in einer sehr geschwächten Position wegen dieser Besessenheit vom BIP-Wachstum.

Das hat langfristige Folgen, weil sich die Wirtschaft verlangsamt, sie haben eine schlechte demografische Zukunft, und sie haben die Margen gedrückt. Die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen. Beim Mindestlohn wird nun angeordnet, dass er bis 15 Prozent pro Jahr zu steigen hat. Ein Großteil der Kosten wurde durch den Post-WTO-Boom unterdrückt und wird nun wieder der chinesischen Wirtschaft zugeführt. Folglich ist China immer weniger konkurrenzfähig.

Es bedeutet nicht den Zusammenbruch, aber es bedeutet, es gibt Kosten, die sich selbst abarbeiten müssen.  Kosten, die durch eine Mischung der Dinge zustande kommen, sicherlich auch ein langsameres Wachstum, womit die Unternehmen es härter finden zu arbeiten. Sie werden durch eine höhere Inflation entstehen, denn es ist immer leicht für die Regierung, die Schulden durch Inflation verschwinden zu lassen, wenn sie letztlich nur mehr Geld druckt, um die Schulden zu bezahlen.

Die endgültigen Kosten sind: China hat sich überfordert und hat sein Kapital verloren und fehlgeleitet. Das bedeutet, es ist nicht in der Lage, es irgendwo anders einzusetzen.

Daher wird Chinas Fähigkeit, soziale Sicherheit zu finanzieren und die Urbanisierung voranzutreiben, oder mehr Gesundheitsversorgung aufzubauen und mehr Schulen zu finanzieren, ebenso betroffen sein, weil es einfach nicht mehr die Ressourcen hat, die es an anderer Stelle fehlgeleitet hat.

Dies ist Teil 1 einer zweiteiligen Reihe. Lesen Sie mehr über die Details des kommenden chinesischen Bailout im Teil 2.

Fraser HowieFraser HowieFoto: Mit freundlicher Genehmigung von Fraser Howie

Fraser Howie ist der Co- Autor von drei Büchern über das chinesische Finanzsystem, darunter „Red Capitalism“, als Buch des Jahres 2011 von der Zeitschrift The Economist benannt. Seit 20 Jahren hat er gehandelt, analysiert und über die asiatischen Märkte geschrieben. Während dieser Zeit hat er in Hong Kong, Peking und Singapur für Unternehmen wie Bankers Trust, Morgan Stanley, CICC und CLSA gearbeitet.



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