Erstmals hat ein Immobilien-Gigant Chinas Regierung die Schuld an der Preisblase gegeben: China Vanke wehrte sich gegen einen "verleumdenden" Bericht des Staatsfernsehens CCTV.Foto: Wang Zhao / AFP / Getty Images

Chinas Immo-Riese Vanke: „Die Regierung zockt den Markt ab“

Von 6. Januar 2014 Aktualisiert: 6. Januar 2014 18:18

Erstmals hat ein großer Immobilienkonzern Chinas Regierung die Schuld an den überhöhten Immobilien-Preisen gegeben. China Vanke erklärte in einem öffentlichen Statement, die Regierung sei durch ihr ausuferndes Steuern- und Abgabensystem der wahre Nutznießer des Immobiliengeschäfts in China. Vanke wehrte sich mit seiner Aussage gegen einen Bericht des Staatssenders CCTV.

CCTV: „Vanke hat Steuern nicht rechtzeitig gezahlt“

Am 30. Dezember hatte Chinas Staatsfernsehen CCTV berichtet, dass Vanke dem chinesischen Staat für das Jahr 2013 noch 4,4 Milliarden Yuan „Bodenmehrwertsteuer“ schulde (550 Millionen Euro). Gegen diese Aussage wehrte sich Vanke am 31. Dezember und verneinte die Steuerlücke.

Vanke gab noch mehr Details bekannt, um seine Sicht der Dinge und einige Hintergrundfakten zum chinesischen Immobilien-Business unters Volk zu bringen: Vanke habe in den vergangenen drei Jahren Betriebssteuern im Wert von 62 Milliarden Yuan gezahlt (7,75 Milliarden Euro), hieß es im offiziellen Statement des Konzerns. Davon entfielen 14,4 Milliarden Yuan (1,8 Milliarden Euro) auf die Bodenmehrwertsteuer. Von 2010 bis 2012 habe der Konzern einen Gesamtgewinn von nur 29,5 Milliarden Yuan (3,68 Milliarden Euro) erwirtschaftet. Daraus sei ersichtlich, dass die Regierung der eigentliche Nutznießer des chinesischen Immobilienmarktes sei: An sie gehen, laut Vanke, 80 Prozent aller Erlöse aus dem chinesischen Immobiliengeschäft.

Undurchsichtiger Steuer-Dschungel

Immobilienentwicklung in China ist kompliziert und teuer: Der Kauf eines Grundstücks ist nicht mit dem Grundstückskauf in Europa zu vergleichen: Ein Käufer erwirbt das Eigentumsrecht nur für eine Nutzungsdauer von 70 Jahren, danach fallen das Grundstück und die darauf befindliche Immobilie wieder an den Staat. Da Grundstücke nur bei der Regierung gekauft werden können, verdient auch hier der Staat.

Der Grundstückspreis beträgt als „Bodennutzungskosten“ 30-60 Prozent der Gesamtausgaben eines Bauprojekts, je nachdem, wo das Grundstück erworben wird.

Chinas Immobilienfirmen zahlen außerdem noch einen Berg von Steuern, die den Preis in astronomische Höhen schrauben. Sie heißen nicht nur Mehrwertsteuer, sondern auch: „Bodenmehrwertsteuer“, „Betriebssteuer“, „Stadtentwicklungssteuer“, „Zusatzsteuer für Bildungskosten“ und „Gewinnsteuer“. Falls es sich beim Käufer um eine ausländische Firma handelt, kommt noch die „Investitionssteuer“ oben drauf. Diese Steuerlast macht rund 20 Prozent der Ausgaben einer Immobilienfirma aus.

„Verwaltungsabgaben“ auf jeder Etage

Weitere 20 Prozent entstehen durch sogenannte Verwaltungsgebühren, die auf jeder Ebene, vom Landkreis bis zur Provinzregierung anfallen. Auch hier geht es wieder um alles von der Stadtentwicklungs- und Bildungsabgabe bis zur Energieversorgung.

Nachdem ein Immobilienentwickler rund 80 Prozent seiner Ausgaben an den Staat gezahlt hat, muss er die restlichen 20 Prozent seiner Ausgaben in den eigentlichen Hausbau investieren Zum Schluss schlägt er noch eine Gewinnspanne darauf, um verdienen zu können.

Chinas Immobilienfirmen gewinnen nur 13 Prozent

Vanke sagte in seiner Erklärung, sämtliche Steuern, die sie zahlen würden, seien doppelt so hoch, wie der letztendliche Gewinn des Konzerns. Auch hieß es dort: Chinas börsengelistete Immobilienfirmen machten von Januar bis September 2013 nur durchschnittlich 13 Prozent Gewinne.

„70 Prozent kassiert der Staat“

Chinas Immobilien-Politik wurde bereits von einem weiteren Immobilienmilliardär kritisiert: Ren Zhiqiang, Chef des Großkonzerns Huayuan, sagte, dass 70 Prozent am Immobiliengeschäft die Regierung verdiene, weshalb diese auch nie an einer Senkung der Preise interessiert gewesen sei. Wohnungen könnten viel erschwinglicher sein, wäre der Anteil der Steuern und Gebühren geringer.



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