Mit versteckter Kamera filmte Chinas Staatsfernsehen Prostituierte in einem Fünf-Sterne-Hotel in Dongguang.Foto: Screenshot CCTV

Chinas Sexindustrie: Das verbotene Milliarden-Business

Von und 25. Februar 2014 Aktualisiert: 25. Februar 2014 10:18

Mit versteckten Kameras filmte Chinas Staatsfernsehen CCTV die Rotlicht-Szene der Stadt Dongguan und sendete am 9. Februar einen 14-minütigen „Skandal-Report“: Prostituierte, die in Luxushotels mit Preisschildern angepriesen wurden und Bordells, die sich als Massage- und Beauty-Salons tarnten. Es war der Beginn einer staatlichen Kampagne gegen die Sexindustrie, die mittlerweile schon zwei Wochen andauert und von den Chinesen als surreal empfunden wird.

Attacke auf Chinas Sex-Hauptstadt

Das Treiben in den Hotels von Dongguan erschütterte die Fernseh-Nation nicht im geringsten: Prostitution ist zwar in China illegal, jedoch nur auf dem Papier. Die Industrie-Stadt im tropischen Süden des Landes, mit ihren 7 Millionen Einwohnern, ist als Sex-Hauptstadt bekannt. Dass CCTV auf einmal über die dortige Rotlichtszene herfiel, irritierte jedoch. Die neueste Attacke in Chinas Anti-Korruptions-Kampagne sollte offenbar zeigen, wie ernst es die Machthaber mit dem Ausmerzen der Korruption meinen.

[–Razzien und politische Verstrickungen–]

Seit dem CCTV-Report fanden Razzien in Dongguang und anderen Landesteilen statt, wurden Prostituierte verhaftet und vor die Kameras gezerrt. Auch einige Polizeichefs mussten ihren Hut nehmen. Gelächter erntete die Kampagne deshalb, weil das Sex-Business in China ein viel zu großer Wirtschaftsfaktor ist, um langfristig ausgeschaltet werden zu können. Und weil Polizei und Politik allerorts darin verstrickt sind.

Der Chef des Fünf-Sterne „Kronprinzenhotels“ , das in der Reportage angegriffen wurde, ist nur ein Beispiel: Liang Yaohui repräsentiert die Provinz Guangdong im chinesischen Nationalkongress.

Prostitution ging in China nie ohne die Politik …

Zuerst tauchte Prostitution in China auf lokaler Ebene auf. Vor über 30 Jahren – damals als „Geldverdienen!“ vom Regime zum politischen Slogan erkoren wurde. Nach der Kulturrevolution stiegen viele heimatlose Bauern, die Land und Lebensgrundlage verloren hatten, in das illegale Business ein. Von Anfang an war es ein Geben und Nehmen: Polizisten begannen von den Prostituierten Schutzgelder zu kassieren, was für sie ein einträgliches Zusatzeinkommen war. Außerdem verrieten die Sexarbeiter besonders reiche und mächtige Kunden, die wiederum hohe Beträge an die Polizei zahlten, um inkognito zu bleiben. Wenn sie selbst Beamte waren, zahlten sie mit öffentlichen Geldern.

Der Spruch von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, er wolle in puncto Korruption „die Tiger genauso wie die Fliegen“ treffen, kreierte im Zuge der Rotlicht-Razzien nun den neuen Witz: „Auf den Tiger gezielt, die Hühner erschossen … “, weil „Huhn“ im Chinesischen auch ein unschönes Wort für „Mädchen“ ist.

[–Wie groß ist Chinas Sex-Business?–]

In Dongguan ein Siebtel des BIPs

In Dongguan lag der Umsatz durch Prostitution 2013 bei 50 Milliarden Yuan (6,25 Milliarden Euro) und machte ein Siebtel der Wirtschaftsleistung der Stadt aus, so ein Insider zur Shanghaier Zeitung Oriental Post. Laut ihm lag das Wirtschaftswachstum der Stadt – seitdem Chinas großer Prostitutions-Boom in den 1990ern begann – stets über dem nationalen Durchschnitt. In Dongguan gebe es 250.000 Prostituierte, die ihrem Gewerbe in Saunas, Freizeitclubs, Frisörsalons und Wellness-Oasen nachgingen. Weitere hunderttausende Arbeitnehmer beschäftige die Szene indirekt: Als Taxifahrer, Kosmetikerinnen und in der Schmuckbranche.

30 Millionen Menschen brauchen die Branche zum Überleben

Obwohl Chinas Sexindustrie in keiner offiziellen Statistik auftaucht, gibt es dazu Zahlen: Rund fünf Millionen Prostitutierte erwirtschaften jährlich einen Gesamtumsatz von knapp 500 Milliarden Yuan (62,5 Milliarden Euro), ermittelte der Hotelmanager Wu Hai 2012 in seiner Studie über Prostitution und Hotelmanagement in China. Der Preis pro „Dienstleistung“ variiere von Ort zu Ort, liege im nationalen Durchschnitt jedoch bei 200 Yuan (25 Euro), so Wu. Die Weltgesundheitsorganisation schätzte 2008 die Zahl der Sexarbeiter in China auf 4-6 Millionen. Die in den USA ansässige Wirtschaftsexpertein He Qinglian geht von 5-7 Millionen Personen aus. Zusammen mit deren Familien kommt sie auf rund 20-30 Millionen Menschen, deren Lebensunterhalt von der Prostitution abhängt. Eine Legalisierung des Business könnte den Prostituierten zu Gute kommen, so He. Sie bezweifelt, dass es dem Regime gelingt, in diesem Umfang alternative Arbeitsplätze zu schaffen.



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