Chinas verschleierter Wirtschaftsabschwung in Zahlen

Von 29. Juli 2014 Aktualisiert: 29. Juli 2014 7:01

Verhaltener Jubel brach bei den Beobachtern von Chinas Wirtschaftsentwicklung aus, als am 24. Juli die Zentral-Regierung offiziell erklärte, dass der PMI (Purchasing Managers Index) für Juli voraussichtlich die Indexzahl 52 erreichen würde. Unter 50 gilt als schlecht, über 50 als gut. 

Der Purchasing Managers Index (PMI), auch „ISM Manufacturing Index“ oder „ISM-Einkaufsmanagerindex“, ist der wichtigste und verlässlichste Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität eines Landes (ursprünglich in den USA entwickelt).

52 beim PMI ist der höchste Wert seit 18 Monaten in China. Im Juni stand er immerhin schon bei 50,7.

Auch das  BIP (Bruttoinlandsprodukt) für das zweite Jahresviertel schaffte 7,5 Prozent, was sogar mehr war, als die Prognosen vermuten ließen. Kein Grund zum Jubeln?

Der Li Keqiang-Index

Schon vor ein paar Jahren hatte sich Li Keqiang, der jetzige Ministerpräsident, zu offiziellen Statistiken geäußert, dass er sie nicht wirklich glauben könnte. Er hatte 1982 sein Studium an der Peking Universität mit einem Doktorgrad in Wirtschaft abgeschlossen. Er würde sich lieber an realen Zahlen orientieren, wie dem Stromverbrauch der Industrie, dem Fracht- und Transportaufkommen und der Kreditvergabe durch die Banken. Seine drei Messwerte erhielten prompt den Namen Li Keqiang-Index.

Nach diesem Index betrachtet, ist zwar der Stromverbrauch in der Industrie in der Gesamtmenge im ersten Halbjahr 2014 gestiegen, aber nach einem Anstieg im ersten Vierteljahr von 5,3 Prozent, sank er im zweiten Vierteljahr beim Wachstum auf 4,9 Prozent gegenüber demselben Zeitraum 2013.   

Das Fracht- und Transportaufkommen ist im Mai gegenüber Mai 2013 um 3,07 Prozent gesunken. Für die Kreditvergabe gibt es bisher keine Zahlen.

Die Geldmenge wächst und auch die Staatsverschuldung

Die Analyse einer führenden Finanzseite, wallstreetcn.com, nimmt folgende Zahlen unter die Lupe: Auch wenn das BIP um 7,5 Prozent gestiegen sei, muss man im Verhältnis dazu anschauen, dass die kommunalen Ausgaben im ersten Halbjahr 2014 um 16,4 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 gestiegen sind.

Im selben Zeitraum sind die Steuereinnahmen – ohne Steuern aus Bodenverkäufen – um 4 Prozent gesunken, aber die Geldmenge M2 ist zur selben Zeit um 14,7  Prozent gestiegen (durch frisch gedrucktes Geld).  

Hinzu kommt, dass die Zahl der privaten Schattenbanken im selben Zeitraum um 32 Prozent (!) gestiegen ist.

Die englische Standard Chartered Bank erinnerte außerdem daran, dass die Staatsschulden zu Ende Juni 2014 auf das 2,51-fache des BIP gestiegen sind. Ende 2008 war es noch nur das 1,47-fache des BIP.

Schlussfolgerung: Chinas Wirtschaftswachstum beruht auf Verschuldung   

Die chinesische Börsenzeitung berichtete von einem Vortrag, den der stellvertretende Leiter des Wirtschaftsinstituts der Akademie für Sozialwissenschaften, Zhang Ping, am 25. Juli gehalten hat. Darin sagte er: „Wenn China das Wachstum von 7,5 Prozent für 2014 beibehalten will, dann muss man 20 Billionen Yuan (2,41 Billionen Euro) investieren. Dafür muss man mindesten 10 Billionen Yuan als neuen Kredit aufnehmen. Das wäre der höchste, den man jemals in China aufgenommen hätte.“

2008 während der Wirtschaftskrise waren es nur 4 Billionen an Kredit, die in die Wirtschaft flossen. Und sie wurden sinnlos in Zweige investiert – insbesondere in die Bauwirtschaft, aber auch in die Stahl-, Aluminium- und Kohleproduktion –, die nur Überkapazitäten produzierten. 

Die Chinesen haben dafür einen Spruch:饮鸩止渴  (Yin Zhen Zhi Ke): „Giftwein trinken, um den Durst zu löschen.“

     

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