Finanzguru Jim Chanos analysiert Probleme der chinesischen Wirtschaft

Von 30. Mai 2012 Aktualisiert: 30. Mai 2012 9:26

 

Chinas größtes und einflussreichstes Finanzmagazin 21st Century Business Herald (21cbh.com) kommentierte am 26. Mai die wirtschaftliche Lage in China und prognostizierte, dass Reformen unumgänglich, eine Krise aber möglicherweise dennoch unvermeidbar sei. Diese Aussage basiert auf der Analyse von Jim Chanos, dem amerikanischen Hedgefonds-Manager und Präsidenten von Kynikos Associates. Am 15. Mai sagte Jim Chanos in einem Interview mit der International Business Times, dass keine andere Volkswirtschaft derart deformiert sei wie die von China.

Auf der chinesischen Webseite wiki.mbalib.com wurde Jim Chanos als „Totengräber der Unternehmen“ bezeichnet, weil er von Leerverkäufen eines Unternehmens profitiert. Die Schließung eines Unternehmens ist für ihn eine gute Nachricht. Nach Meldung von finance.china.com.cn am 28. Mai habe er seine Aufmerksamkeit seit Ende 2009 auf chinesische Immobilienunternehmen, Bauunternehmen und Banken gerichtet und meinte, dass diese Geschäfte „die besten Leerverkäufe, die wir je gemacht haben“ seien.

Die Analyse von Jim Chanos über die Probleme der chinesischen Wirtschaft lässt sich in zwei Punkten zusammenfassen: Spekulationsblase des Immobilienmarkts und Probleme des Bankensystems.

Spekulationsblase des Immobilienmarkts

Im Interview mit der International Business Times meinte Jim Chanos, dass es sich bei 50-70 Prozent der Investitionen in China um Anlagevermögen handele. Selbst Japan hatte vor dem Platzen der Spekulationsblase im Jahr 1989 nur etwa 30 Prozent Investitionen in Anlagevermögen. Was diese Zahl bedeutet, erklärt der Artikel „Die Prophezeiung von Chanos über China“ von fortunechina.com. Etwa ein Viertel der Investitionen in Anlagevermögen stecke im Immobilienmarkt. Natürlich seien zahlreiche Daten darüber verfügbar, wie viele Häuser China pro Jahr gebaut habe und wie viele davon verkauft worden seien. Allerdings kümmere sich niemand darum, wie viele von den verkauften Häusern tatsächlich bewohnt seien. Nach Einschätzung von Andy Xie, einem unabhängigen Wirtschaftswissenschaftler, betrage der Gegenwert der leerstehenden Immobilien 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

Da stelle sich die Frage, warum jemand so viel Geld für ein Haus ausgebe ohne darin zu wohnen. Die Antwort laute, weil auf dem Immobilienmarkt in China viel spekuliert werde. Ein Investor aus Shanghai meine beispielsweise, dass er in den vergangenen drei Jahren 43 Wohnungen gekauft habe. Bis jetzt habe er aber keine davon verkauft, weil er glaube, dass der Immobilienpreise weiter steigen werde.

Die chinesische Regierung erkannte ebenfalls die Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt und versuchte durch politische Maßnahmen, wie beispielsweise eine Kaufbeschränkung, den Markt zu beruhigen. Nach Einschätzung von Chanos seien die Versuche der Regierung jedoch aussichtslos. Seiner Meinung nach werden die Immobilienpreise fallen, wenn die Regierung weiterhin die Spekulation einschränke, und zwar schneller und tiefer als befürchtet. Wenn die Regierung keine effektiven Maßnahmen durchführe, werden die Spekulanten den Preis in ungeahnte Höhen treiben. Es wäre jedoch gleichgültig, was die Regierung unternehme, der Preis werde am Ende fallen. Als der Immobilienmarkt von Dubai seinen Zenit überschritt, seien pro Million des BIP 240 Quadratmeter an Wohnfläche noch in der Bauphase gewesen. Allerdings sei die Spekulationsblase des Immobilienmarkts in China tausendfach schlimmer, als die in Dubai.

Die Probleme des Bankensystems

Jim Chanos beschrieb das Bankensystem in China als „extrem zerbrechlich“ und auf Sand gebaut. Er erklärte, dass der Anteil der faulen Kredite chinesischer Finanzinstitute in den Jahren 1999 und 2004 zwei Mal etwa 40 Prozent betragen habe. Der Grund für fehlende Zeichen einer Rezession sei in den Vertuschungsaktionen der chinesischen Regierung zu suchen. Die Regierung habe damals Kapitalverwaltungsgesellschaften gegründet und dadurch alle faulen Kredite der Finanzinstitute übernommen. Im Gegenzug kauften die Finanzinstitute die Anleihen dieser Gesellschaften. Chanos erklärte, dass diese Maßnahmen nur ein Zahlenspiel auf dem Papier seien. Eines Tages werden sowohl die Finanzinstitute, auch als die Kapitalverwaltungsgesellschaften unter dem Druck der faulen Kredite zusammenbrechen.

Die Situation hat sich seit 2004 nur weiter verschlimmert. Fortunechina.com erklärte, dass sich viele Menschen kaum Sorgen um die chinesische Wirtschaft machen, weil sie glauben, dass eine Immobilienkrise das Finanzsystem von China nicht gefährden könne.

Viele Regionalregierungen besorgten sich unter dem Vorwand der Förderung von Infrastrukturmaßnahmen finanzielle Mittel von sogenannten lokalen Finanzierungsplattformen (China local government financing platform). Eine häufige Erscheinungsform dieser Plattformen sind staatliche Bauunternehmen. In China gehört  das Land dem Staat. Die Regionalregierung besitzt daher alles Land in ihrem Machtbereich. Als staatliche Einrichtungen erhalten die Plattformen das Land dann quasi zum Nulltarif. Zusätzlich bekommen sie als Unternehmen Kredite von chinesischen Banken. Außerdem haben sie keine Schwierigkeiten, an Baugenehmigungen zu kommen. Da private Bauunternehmen kaum eine Chance gegen diese Ansammlung von Privilegien haben, haben die Finanzierungsplattformen nahezu ein Monopol im Gebäudebau. Infolgedessen können sie die Preise bestimmen und dienen daher den Regionalregierungen als einträgliche Geldquelle.

Chanos analysierte, dass die „China local government financing platform“ so stark an die Entwicklung des Immobilienmarkts gebunden seien, dass Banken wie die China Merchants Bank aufgrund der in den Plattformen steckenden Kredite schwer getroffen werden, sollte der Markt kippen. Seiner Einschätzung nach seien 11 Prozent der im Jahr 2010 nicht zurückgezahlten Kredite dieser Bank auf die Finanzierungsplattformen der regionalen Regierungen zurückzuführen.

Professor Victor Shih führte Anfang 2010 eine Studie durch und kam zu dem Ergebnis, dass diese Plattformen zwischen Jahr 2004 und 2009 neue Schulden in Höhe von 1,6 Billionen Dollar angehäuft haben. Nach Angaben der Bankenregulierung in China wurden im Jahr 2010 etwa 26 Prozent aller Verbindlichkeiten von der „China local government financing platforms“ als hochriskant eingestuft. In den vergangenen zwei Jahren sind die Aktienkurse der chinesischen Banken um etwa 30 Prozent gesunken.

Viele Investoren vertreten die Meinung, dass die Regierung in China eine Lösung für ihr Bankensystem finden könne, da China schließlich drei Billionen Dollar an Währungsreserven habe. Chanos meinte jedoch, dass man die Schulden nicht vergessen solle. Wenn die Schulden der staatlichen Unternehmen und der vielen Finanzinstitute in Betrachtung gezogen werden, sei China genauso verschuldet wie Europa und habe eigentlich auch kein Geld.

 

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