Am Drei-Schluchten-Staudamm kam es zu zwei Erdbeben, die, wie Geologen sagen, durch die aufgestauten Wasserlasten verursacht wurden.Foto: AFP / Getty Images

Zweierlei Erdbeben an Chinas Drei-Schluchten-Staudamm

Von und 31. März 2014 Aktualisiert: 31. März 2014 17:04

Zwei Erdbeben haben die Gegend um den Drei-Schluchten-Staudamm in Chinas Provinz Hubei erschüttert. Am 30. März bebte die Erde um 0 Uhr 24 in der Kreisstadt Zigui nahe der Stadt Yizhang. Das Beben ereignete sich auf 30,9 Grad nördlicher Breite und 110,8 östlicher Länge in 5000 Metern Tiefe. Es hatte eine Stärke von 4,7. Bis zum Mittag des selben Tages gab es 330 Nachbeben. Schon am 27. März hatte ein Beben der Stärke 4,3 die Gegend erschüttert. Das Epizentrum befand sich nur 20 Kilometer vom Drei-Schluchten-Staudamm entfernt.

Von offizieller Seite gab es noch keine Angaben zu Sach- oder Personenschäden, das stärkste Nachbeben hatte eine Stärke von 2,9. Laut Geologen hängen diese Erdbeben in unmittelbarer Nähe des Stausees direkt mit dem Damm zusammen.

Unabhängig davon gab es wenige Tage zuvor eine spektakuläre Personal-Entscheidung, die den Staudamm betraf: Wegen Korruption wurden der Vorsitzende und der CEO der Betreiber-Firma entlassen.

Wasserlasten des Stausees lösen Erdbeben aus

Seitdem die Talsperre 2003 mit dem Aufstauen des Wassers begann, stieg die Häufigkeit von kleinen Erdbeben deutlich, vor allem rund um den Berg Wushan und die Städte Zigui und Changyang. Einige Monate nach dem die zweite Stufe des Damms geflutet wurde, gab es in der Kreisstadt Sanligang ein Erdbeben der Stärke 4,7, dem 50 Nachbeben folgten, eines davon mit der Stärke 4,2.

Dass der Bau des Staudamms Erdbeben auslösen könnte, hatte Shen Guofang, der leitende Gutachter des Projektes schon bei Baubeginn in den chinesischen Staatsmedien angekündigt.

Seit Fertigstellung des Dammes im Jahr 2006 hat sich auch das Klima am Unterlauf des Jangtse dramatisch verändert. Trockenheit, Hitze und Hochwasser sind seitdem an der Tagesordnung. Langfristig droht das Flussbett so stark zu steigen, dass die Schifffahrt unmöglich wird.

[–Staudamm-Gegner: „Abriss jetzt oder nie!“–]

Der bekannte Wasser- und Umweltexperte, Dr. Wang Weiluo, meinte dazu: „Wenn wir uns jetzt nicht dazu entscheiden, den Damm wieder abzutragen, wird das in Zukunft unmöglich sein.“ Würde man die Talsperre weiter betreiben, wäre in rund 30 Jahren eine Versandung des Hafens von Chongqing – der rund 600 Kilometer vor der Staumauer liegt – die Folge.

Dann käme ein Abriss des Damms jedoch zu spät: Zu diesem Zeitpunkt hätten sich 40 Milliarden Tonnen Sand im Stausee gesammelt, die der Jangtse nicht mehr von selbst wegspülen könnte. Dies würde eine Verstopfung der kleinen und mittleren Flüsse am Unterlauf des Jangtse zur Folge haben.

Schon in der Planungsphase des Damms hatte Chinas bekannstester Experte für Wasserprojekte, Professor Huang Wanli, vor einer Reihe von Konsequenzen gewarnt – geologisch, ökologisch und militärisch. Die Schäden für Mensch und Natur würden so immens sein, dass eine Sprengung des Dammes unausweichlich wäre, prophezeite er bereits vor Baubeginn. Dreimal legte er in ausführlichen Briefen an Chinas damaligen Staats- und Parteichef Jiang Zemin seine Begründung mit dem Hinweis dar: „Das wird ein katastrophales Projekt, welches das Land vernichten kann.“

Nach Jiang Zemins Amtsantritt im Jahr 1989 waren alle großen politischen Entscheidungen von ihm getroffen worden. Er setzte den Drei-Schluchten-Staudamm vor allem als Prestige-Projekt durch und um seine Macht zu demonstrieren. Am 2. April wurde das Projekt ohne Debatte vom Volkskongress abgesegnet – mit 1767 Ja-Stimmen, 177 Gegenstimmen und 664 Enthaltungen. 25 Abgeordneten drückten keinen der drei verfügbaren Knöpfe, was hieß, dass insgesamt 866 Abgeordnete (33 Prozent), ihre „Nicht-Zustimmung“ ausdrückten.

Am 16. September 2013 unterzeichnete Li Keqiang eine Vorschrift zum Schutz des Staudamms, welche die Entsendung von 4600 Soldaten inklusive Booten und Hubschraubern befahl. Dies war vor allem durch die Angst vor eventuellen Anschlägen motiviert.

[–Personelles Erdbeben: Betreiber müssen Hut nehmen–]

Am 24. März geriet die Betreiber-Firma des Staudamms, die China Three Gorges Corporation, in die Schlagzeilen. Der Vorstandsvorsitzende Zhao Guangjing und der Geschäftsführer Zheng Fei wurden entlassen.

Die Zentrale Personalabteilung der KPCh habe die Entscheidung „nach sorgfältigen Überlegungen getroffen", sagte der zuständige Vizeminister Wang Jingqing in einem Meeting vor Ort.

Das Zentralkomitee der KPCh hatte vom 29. Oktober bis 30. Dezember 2013 ein Untersuchungsteam der Disziplinar-Kontroll-Abteilung vor Ort geschickt. Am 17. Februar 2014 konstatierte das Team den Staudamm-Betreibern „eine Reihe von Problemen“: Zum Beispiel Intransparenzen bei wichtigen Entscheidungen, Eingriffe durch Familienangehörige von Funktionären, Schein-Ausschreibungen von Aufträgen.

Beobachtende Blogger fanden die Entscheidung außergewöhnlich, da bei einem Staatsunternehmen dieser Größe noch nie gleichzeitig der Vorsitzende und der CEO gefeuert wurden.


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