Chinesischer digitaler Yuan, konzeptionelles Bild der digitalen Version des Yuan.Foto: RHJ/iStock

China: Zentralbank-Währung jetzt mit Verfallsdatum

Von 16. Dezember 2022
Digitales Geld muss ausgegeben werden, sparen ist nicht mehr möglich. Eine Analyse.

China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, war einer der Vorreiter bei der Einführung einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC, englisch Central Bank Digital Currency). Jetzt hat China seine einheimische CBDC – der Digitale Yuan – mit einem Verfallsdatum versehen. Das bedeutet für Nutzer des Digitalen Yuan, dass diese gezwungen sein werden, das Geld innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens auszugeben. Damit entfällt für sie die Möglichkeit des Sparens.

Alles weg? Freiheit, Privatsphäre, Ersparnisse

Die digitale Version des chinesischen Yuan, der DCEP, ist eins zu eins an die chinesische Landeswährung Renminbi (RMB) gekoppelt.

CBDC wird von der Zentralbank – der People’s Bank of China (PBoC) – ausgegeben, zugrunde liegt ein zentralisiertes System. Hierbei zieht die PBoC den Gegenwert zum Digitalen Yuan an Bargeld oder Einlagen von Geschäftsbanken ein.

Der offizielle physische Yuan hat, anders als der digitale Yuan, kein Verfallsdatum. Die Nutzer haben bislang die Möglichkeit, ihre digitalen Yuan in physische Yuan umzutauschen, wenn sie nicht wollen, dass ihr Geld einfach nach Ablauf des Verfallsdatums verfällt.

Digitales Zentralbankgeld (CBDC) ist die digitale Währung, die von einer Zentralbank ausgegeben wird, von daher sind CBDCs gesetzliche Zahlungsmittel mit denselben Funktionen wie physisches Bargeld. CBDCs sind interoperable digitale Zahlungsmittel, was bedeutet, dass wohl jeder Händler oder auch jede Person dieses akzeptieren wird. Die Funktionen der CBDCs entsprechen denen physischen Geldes. Zur Unterscheidung: Kryptowährungen hingegen werden nicht von einer offiziellen Institution ausgegeben und sind auch nicht reguliert. Kritiker der digitalisierten CBDCs sagen, dass dezentralisierte digitale Vermögenswerte, wie Bitcoin, Freiheit bieten, während CBDCs nur eine weitere Form der „monetären Sklaverei“ darstellen.

Befürworter digitalen Zentralbankgeldes stellen Vorteile heraus, wie Bundesbankpräsident Joachim Nagel, der für den Digitalen Euro wirbt, dass dieses „besonders ausfallsicher wäre und hohes Vertrauen genieße“. Zum anderen wäre es allen Bevölkerungsgruppen zugänglich. Weiterhin wird mit möglichen Echtzeitüberweisungen und – nach dem neuesten Struggle im Bitcoin-Bereich – auch mit der Stabilisierung von Währungs- und Zahlungssystemen argumentiert, diese Zentralbanken-Digitalgeld-Systeme voranzutreiben. Ein kontrovers diskutiertes Thema ist aktuell noch Datensicherheit.

Das Ablaufdatum als Vorreiter staatlicher Willkür?

China spielt mit diesem Ablaufdatum-Prototyp jetzt die Vorreiterrolle. Und zugleich gibt die chinesische Regierung mit dem neuen, programmierbaren Yuan einen Ausblick, wohin die Reise auch für andere Länder, wenn nicht gar für die ganze Welt, möglicherweise in Zukunft gehen kann. Da der digitale Yuan nicht einer Blockchain oder einem öffentlichen Ledger zugeordnet wird, sondern zentral vom Staat und seinen Behörden kontrolliert und von diesen auch jederzeit geändert werden kann – ganz nach politischem Gusto – lässt er sich ideal einsetzen als Instrument zur Durchsetzung staatlicher Interessen. Der Yuan in dieser Form kann also durchaus als geldpolitische Innovation bezeichnet werden, denn dieses Ablaufen ermöglicht im Moment der chinesischen Regierung ein hohes Maß an Kontrolle, schon allein über die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

So kann diese „Beschleunigung des Geldes“ zur Ankurbelung der Wirtschaft genutzt werden, zum Antreiben von Konsum – und das auf Regierungsgeheiß, denn das Geld verfällt, wenn es nicht in Umlauf gebracht wird. Da diese Programmierung des Geldes aber zentral von der Regierung bestimmt wird, könnte mit diesem Geld zum Beispiel mit Chinas Social Credit Scoring System „Kriterien“ verknüpft werden, so beispielsweise, um Bestrafungsmaßnahmen durchzusetzen.

Viele befürchten jetzt, dass es nach der Einführung des Prototyps von „Geld mit Verfallsdatum“ nur noch ein kleiner Schritt ist, diese und andere Reglementierungen mit einzubauen. Vorerst aber verhindert die Programmierung „nur“, dass die Menschen sparen, sich etwas aufbauen können.

Alles unter staatlicher Kontrolle

Der Digitale Yuan ist das perfekte Machtinstrument, denn er ist keine Peer-to-Peer-Kryptowährung, sondern er erfordert behördlich regulierte Finanzintermediäre, also Vermittler zwischen Nachfrage und Angebot. Zudem verfügt er über kein algorithmisches Protokoll, welches die Produktion neuer Vermögenswerte vorschreibt, geschweige denn über ein Enddatum, an dem kein weiteres Geld mehr geschaffen wird, wie bei Kryptowährungen. Es wird vollständig von der Regierung kontrolliert. Am Ende besteht die Gefahr, dass willkürliche und nicht wirtschaftliche Erwägungen zur Grundlage für ökonomische Einschätzungen werden, diese sich an politischen und ideologischen Vorgaben orientieren.

China als Vorreiter vom Great Reset?

Erst kürzlich hatte der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, im Interview im chinesischen Staatsfernsehen verlauten lassen, dass China ein Vorbild für die Politik des WEF ist. Im Rahmen des APEC-CEO-Gipfels im November in Thailand fand er lobende Worte über das chinesische KP-Regime.

Auf die Frage nach seinem Eindruck von diesem Gipfel forderte Schwab die gewählten Staats- und Regierungschefs auf, noch weiterzugehen, „wir müssen die Welt von morgen konstruieren. Es geht um eine systemische Transformation der Welt.“ Und die Staats- und Regierungschefs müssten „definieren“, wie die Welt nach „dieser Transformationsperiode“ aussehen solle. Ferner äußerte er „großen Respekt“ vor dem KP-Regime in China und dessen „enormen“ Leistungen bei der Modernisierung seiner Wirtschaft in den letzten 40 Jahren. Nach den Äußerungen Schwabs sei China in dieser Hinsicht „ein Vorbild für viele Länder“ (Epoch Times berichtete).

Dieses Lob an China vonseiten Schwabs beziehungsweise des WEFs muss insofern nicht wundern, als dass eine der erklärten Visionen von Schwab und dem WEF lautet: „Sie werden nichts besitzen, aber glücklich sein“. Und dieser Vision des „nichts Besitzen“, am Ende nichts anderes als dem Traum von der Verarmung der Massen, ist man mit so einer Währung, die die Möglichkeit des willkürlichen Löschens gleich mit sich bringt, einen Schritt näher gekommen.

China als Vorbild?

Chinesische Verhältnisse also als ein Vorreiter-Modell für andere Länder, womöglich für die ganze Welt? Im Interview mit Epoch Times weist Dominik Kettner (Kettner Edelmetalle) auf die Vorreiterrolle Chinas hin: „In China sind mittlerweile 260 Millionen Menschen an digitale Wallets angeschlossen – bei der Zentralbank zwar nur mit kleinen Beträgen, aber es wird schon aktiv verwendet. Die europäische, aber auch die amerikanische Zentralbank arbeiten massiv darauf hin, alle Europäer mittels Wallet oder einer digitalen Geldbörse an die Zentralbank anzukoppeln, um so eine einheitliche, kontrollierbare Struktur zu schaffen. Das ist in der aktuellen Gesellschaft die größte Gefahr für unsere Freiheit.“ (Lesen Sie hier das ganze Interview).

Circa 30 Prozent der Erwachsenen weltweit haben kein Bankkonto und können deshalb digitale Geschäftsmodelle nicht nutzen. Zudem wird im Moment noch in 80 Prozent aller Verbraucherzahlungen weltweit Bargeld verwendet. Von vielen wird es als das einzige souveräne Zahlungsmittel angesehen, das seine Nutzer unabhängig macht.



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