Chinesischer Strategiewechsel: Wolfskrieger-Diplomaten werden zu Wolf-im-Schafspelz-Diplomaten

Von 24. August 2020 Aktualisiert: 24. August 2020 16:45
Die USA änderten ihre Politik gegenüber dem kommunistischen China von passiv zu aktiv. Nach einem ersten Aufheulen der Wolfskrieger-Diplomaten Chinas scheinen diese nun eine andere Strategie zu fahren. Ob sie sich wirklich geändert haben?

Seitdem die USA dem chinesischen Regime restriktiver gegenübertreten, verändert sich auch der Tonfall von Chinas Wolfskrieger-Diplomaten. Beschwichtigende Botschaften sind gegenüber den USA hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen den USA und China zu vernehmen. Von der früheren aggressiven Wortwahl ist kaum noch etwas zu spüren.

Wir-sind-alle-gute-Freunde-Taktik

Zhao Lijian ist der Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Er ist bekannt dafür, dass er die US-Armee beschuldigte, den Virus nach Wuhan zu verbreiten und einen ehemaligen US-Beamten als „schändlich und widerwärtig“ bezeichnete, wie etwa die „South China Morning Post“ (SCMP) berichtete. Doch nun sendet er versöhnliche Botschaften an die USA.

Wir haben immer geglaubt, dass die Zusammenarbeit zwischen den USA und China beiden Ländern zugute kommt und dass Konflikte uns beiden schaden werden. Eine Konfrontation zwischen den USA und China liegt nicht im Interesse der internationalen Gesellschaft.“

(Zhao Lijian, Sprecher des chinesischen Außenministeriums)

Und Zhao ist nicht der einzige chinesische Beamte, der in letzter Zeit eifrig auf eine amerikanisch-chinesische Zusammenarbeit drängt.

In einer kürzlich online in der Brookings Institution gehaltenen Rede sagte der chinesische Botschafter in den USA, Cui Tiankai, China sei jetzt „bereit, mit der gegenwärtigen Regierung zusammenzuarbeiten, um jederzeit und überall nach Lösungen für bestehende Probleme zu suchen – auch heute oder morgen.“

Entkopplung vom Westen offenbar nicht sinnvoll

Dabei wurden auch Pekings Versuche, sich durch wirtschaftliche Loslösung vom Westen von den Sanktionsfolgen zu befreien als wilde Theorie dargestellt. Die Staatszeitung „People’s Daily“ veröffentlichte einen entsprechenden Artikel, in dem es hieß: „Einige US-Politiker versuchen, die sogenannte ‚Entkopplungs‘-Theorie zu nutzen, um die Realität zu manipulieren und den allgemeinen Trend zu blockieren. Das ist ihr närrischer Traum und ihr Wunschdenken.“

Chinas Spitzendiplomat Yang Jiechi, Mitglied im 25-köpfigen Politbüro der Kommunistischen Partei und Chef der Kommission für auswärtige Angelegenheiten, Chinas Außenminister Wang Yi und der stellvertretende Außenminister Le Yucheng: Sie alle haben in letzter Zeit den Olivenzweig ausgebreitet. Le sagte, dass er jederzeit bereit sei, mit der Washingtoner Führung zu sprechen, schreibt die „SCMP“.

Sein Ton steht in krassem Gegensatz zu früheren Äußerungen der chinesischen Behörden – einschließlich einer abfälligen Erklärung der chinesischen Staatsmedien über US-Außenminister Mike Pompeo. Eine Nachrichtensprecherin sagte:

Pompeo, der das politische Virus verbreitet hat, wird zum Feind der Menschheit.“

Grabenkämpfe im Vorfeld

In anderen Bemerkungen verspottete China die Unruhen in den USA nach dem Tod von George Floyd. Eine Moderatorin des zentralen chinesischen Staatssenders CCTV nannte es „Vergeltung“ für die amerikanische Unterstützung für Hongkong:

Der Aufruhr, der durch den Tod von Floyd verursacht wurde, ist die Bitterkeit, die von den US-Politikern selbst verursacht wurde. Ist das nicht eine Vergeltung für diese Politiker?“

Die Vertuschung des Virusausbruchs durch das chinesische Regime, die Unterdrückung der Freiheit Hongkongs und andere Menschenrechtsverletzungen haben Washington zu immer strengeren Aktionen veranlasst.

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Die Trump-Administration hat das chinesische Konsulat in Houston geschlossen, dutzende chinesische Beamte wegen Menschenrechtsverletzungen sanktioniert, auf die Streichung chinesischer Unternehmen von den US-Börsen gedrängt und Anordnungen zur Beschränkung der chinesischen Social-Media-Plattformen TikTok und Wechat erlassen.

Meinungen und „Volksvertreter“

Analytiker sagen, dass das chinesische Regime inzwischen erkannt haben könnte, dass seine Wolfskrieger-Diplomatie nach hinten losgegangen ist und dass es nun seine Strategie anpasse.

Aber es ist ungewiss, ob Washington auch jetzt noch bereit ist, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Eine Pew-Research-Forschungsumfrage ergab, dass 70 Prozent der Amerikaner inzwischen eine negative Meinung über das chinesische Regime haben.

Am Mittwoch, den 19. August, veröffentlichte das Ostasienbüro des Außenministeriums eine Einladung zum Dialog auf Twitter. Die Einladung richtete sich an Mitglieder der chinesischen Legislative, die sogenannten „Volksvertreter“.

Auch die US-Botschaft in China teilte die Einladung auf ihrem Twitter-Account. Viele chinesische Netizens hinterließen jedoch Kommentare gegen den Vorschlag. Darin hieß es unter anderem: „Die Mitglieder werden nicht einmal vom Volk gewählt, wie können sie das Volk vertreten?“

Ein Netizen veröffentlichte ein Foto von einem der „Volksvertreter“, einer Frau namens Shen Jilan. Diese war kürzlich im Alter von 91 Jahren verstorben: „Shen Jilan war Chinas dienstälteste Gesetzgeberin und wurde 12 Mal wiedergewählt. Das chinesische Volk nannte sie eine ‚Mitmachmaschine‘, weil sie während ihrer Amtszeit nie gegen einen Gesetzentwurf der Kommunistischen Partei gestimmt hat.“