„Einer der wahren Helden auf dem Platz des Himmlischen Friedens“

Von 30. Januar 2005 Aktualisiert: 30. Januar 2005 9:30
US-Kongress sendet ein Beileidsschreiben

Der US-Kongress sendet ein Beileidsschreiben an die Ehefrau des verstorbenen ehemaligen chinesischen Generalsekretärs der KPCh, Zhao Ziyang.

„Diejenigen unter uns, die die Fernsehübertragung der dramatischen und letztlich tragischen Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Frieden im Frühjahr 1989 gesehen haben, können den Mut Ihres Mannes nicht vergessen“, so schreibt Henry J. Hyde, Vorsitzender des Ausschusses für Internationale Beziehungen des US-amerikanischen Kongresses in einem offiziellen Beileidsschreiben an die hinterbliebene Ehefrau des in den 80iger Jahren einst ranghöchsten Mannes Chinas –Zhao Ziyang, der am 17. Januar 2005 nach 15 Jahren Hausarrest in Peking starb.

Zhao Ziyang, der ehemalige Parteichef und Generalsekretär der chinesischen KP, wurde wegen seines Widerstandes gegen die militärische Niederschlagung der Protestaktionen der Studenten im Jahre 1989 von den alt gedienten Parteigenossen, die eigentlich keine offizielle Position in der Partei mehr innehatten, entmachtet. Seitdem wurde er in einem Haus unweit der großen Einkaufsstraße Wang Fu Jing im Stadtzentrum von Peking unter Hausarrest gestellt.

Allerdings hat Zhao trotz des langen Hausarrestes „seinen Standpunkt in Bezug auf die politische Reform in China und auf die neue Bewertung des blutigen Ereignisses auf dem Platz des Himmlischen Friedens nicht geändert“, lobt Hyde als erster westlicher Politiker, der offiziell Stellung zu Zhaos Tod bezog, in seinem Beileidsschreiben.

Im Gegensatz zum amerikanischen Kongress hat sich jedoch kaum ein Parteifunktionär in China zu Zhaos Tod öffentlich geäußert. Abgesehen von einer zweizeiligen Kurzmeldung der staatlichen chinesischen Xinhua-Agentur, in der Zhao Ziyang als Genosse Zhao bezeichnet wird, hat keine Medienanstalt in China weiter über den ehemals mächtigen Parteichef berichtet.

Am Tag des Todes von Zhao Ziyang richteten die Familienangehörigen einen privaten Trauerraum in seinem Haus in der volksnahen Fuqiang Gasse ein. Verwandte und Freunde wurden per SMS vom Tod des 85-Jährigen unterrichtet. Nach zwei Tagen strenger Überwachung hat die chinesische Regierung die Sicherheitskontrolle in der Gasse des „Reichtums und der Stärke“ ein wenig gelockert. Privatpersonen dürfen hier und da unter den wachenden Augen der Sicherheitskräfte den Trauerraum besuchen.

„Unter denjenigen, die gekommen sind, befanden sich kaum Politiker. Die meisten sind Fremde, Nachbarn oder einfache Bürger. Wir sind sehr gerührt“, sagte Wan Yannan, Zhaos einzige Tochter. Vergeblich mußte Wan Yannan auf Bao Tong, den engsten Mitarbeiter von Zhao Ziyang, warten. Der ehemalige Sekretär von Zhao und Leiter des Forschungsausschusses für die Reform des politischen Systems in China und seine Frau wurden am 18. Januar auf ihrem Weg zu dem Trauerhaus von Sicherheitsmännern behindert. Das alte Ehepaar wurde von zivil gekleideten Männern zurück in den Aufzug geschubst, als sie beide aus ihrem Haus gehen wollten. Die 73-jährige Ehefrau von Bao Tong fiel dabei zu Boden und zog sich einen Knochenbruch zu, Bao Tong selbst wurde leicht verletzt.

Lin Mu, der ehemalige Sekretär von Hu Yaobang, dem im Volk beliebten Vorgänger von Zhao Ziyang im Amt des Premierministers, wurde am gleichen Tag in der Stadt Xi’an entführt, als er nur unterwegs war um eine Glühbirne zu kaufen; dies teilte seine Tochter der unabhängigen chinesischen Auslandszeitung Epoch Times mit. Der 77 Jahre alte Lin Mu wurde überraschend von einigen Männern auf der Straße überfallen und in ein Auto gesteckt. Anschließend wurde Lin Mu in einer Kurklinik des Militärs festgehalten, „weil Zhao Ziyang gestorben ist und er keine Interviews geben soll“.

Der Tod von Zhao Ziyang scheint große Angst in der chinesischen Parteiführung ausgelöst zu haben, Angst vor einer Trauerfeier, die sich zu Protestaktionen von großen Teilen der Bevölkerung gegen die Korruption und gegen das starre politische System wandeln könnte. Um den Druck aus der Bevölkerung zu mindern, hat die chinesische Führung am 20. Januar angekündigt, eine Abschiedszeremonie an der Grabstätte, an der viele Parteifunktionäre beigesetzt sind, zu gestatten mit der Auflage, dass allein die Parteiführung über alle Einzelheiten einschließlich der eingeladenen Gästen entscheidet. Eine öffentliche Trauerfeier mit Trauerreden sei nicht geplant.


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