Evergrande vor Zusammenbruch – Gefahr für die Weltwirtschaft

Von 23. September 2021 Aktualisiert: 23. September 2021 9:01

Beim folgenden Beitrag handelt es sich um den Originaltext zum Video: „Chinas größtes Immobilienunternehmen immer tiefer in der Krise – Experte erklärt Wirkung auf Weltwirtschaft“ vom YouTube-Kanal NTD-Deutsch. Epoch Times hat keine redaktionellen Änderungen vorgenommen. 

Chinesische Investoren sorgen sich immer mehr um die sich zuspitzende Krise des Immobilienriesen Evergrande. Unterdessen macht Peking aber keine Anzeichen, das Unternehmen zu retten.

Die Aktien des chinesischen Immobilienriesen Evergrande stürzten am Dienstag um bis zu sieben Prozent ab. Am Vortag waren sie bereits um zehn Prozent eingebrochen.

Das Originalvideo von NTD Deutsch: 

Dem größten Immobilienentwickler in China stehen zwei Rückzahlungstermine bevor, einer davon am Donnerstag (23.9).

Die Anleger befürchten, dass Evergrande seinen Schuldenberg nicht mehr zurückzahlen kann und damit den gesamten chinesischen Immobiliensektor und alles was mit ihm zu tun hat, in den Abgrund zieht: zuerst die Banken, dann den gesamten Markt.

Evergrande besitzt zurzeit Verbindlichkeiten in Höhe von 305 Milliarden US-Dollar, was zwei Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts entspricht.

In Asien war der Aktien-Verkaufsdruck wegen der Evergrande-Krise groß. Der Hang-Seng-Index erreichte im Morgenhandel den tiefsten Stand seit elf Monaten.

Der japanische Nikkei-Index fiel um fast zwei Prozent, nach einem Feiertag am Montag. In einem S&P-Bericht vom Montag hieß es, die Wahrscheinlichkeit, dass Peking das Unternehmen rette, sei gering.

Die international bekannte Kredit-Ratingagentur S&P Global Ratings stellte im Bericht fest, Peking wäre „nur dann zum Eingreifen gezwungen, wenn es zu einer weitreichenden Ansteckung käme, die den Ausfall großer Bauunternehmen zur Folge hätte und systematische Risiken für die Wirtschaft darstellen würde“.

S&P erklärt: „Ein Scheitern von Evergrande allein würde wahrscheinlich nicht zu einem solchen Szenario führen.“

Der Vorstandsvorsitzende von Evergrande, Xu Jiayin, versuchte unterdessen, die Schuldenkrise herunterzuspielen.

In einem Brief an die Mitarbeiter am Dienstag, am Tag des chinesischen Mondfestes, sagte er, das Unternehmen werde „aus seinem dunkelsten Moment herauskommen“ und Immobilienprojekte wie versprochen liefern.

Die Anleger von Evergrande blieben jedoch nervös.

Die Zentralregierung in Peking hat indes weiter zur Evergrande-Krise geschwiegen. In den großen staatlichen Medien wurden die Probleme des Unternehmens nicht erwähnt.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Immobilienriese Evergrande zusammenbricht? Und wie wird sich dieser mögliche Zusammenbruch auf die Weltwirtschaft auswirken? Darüber sprach NTD mit dem US-Wirtschaftswissenschaftler Daniel Lacalle.

„Ich denke, es ist unvermeidlich, dass Evergrande am Ende zahlungsunfähig wird. Denn Tatsache ist, dass das Unternehmen nicht in der Lage ist, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen, nicht nur die kurzfristigen, sondern auch die langfristigen. Denn wenn man sich die Cashflow-Entwicklung anschaut, ist sie seit 2012 extrem schlecht gewesen.“ – Daniel Lacalle, Wirtschaftswissenschaftler, Vermögensverwalter, USA.

Daniel Lacalle sagte, Evergrande habe im Grunde genommen Schulden angehäuft und dann neue Schulden aufgenommen, um alte Schulden zu begleichen.

„Es ist also eine sehr schwierige Situation, und die Muttergesellschaft hat ein erhebliches Problem mit Vermögensobjekten, die, ehrlich gesagt, wertlos sind, weil für viele von ihnen keine Nachfrage besteht und die Versprechen, die dem Unternehmen gemacht wurden, nicht erfüllt sind.“

Und Evergrande ist nicht allein. Viele andere große Bauträger in China sind ebenso hoch verschuldet und es fehlt ihnen an Marktnachfrage. 

Das ist ein Grund, warum das chinesische Regime Evergrande vielleicht nicht aus der Patsche helfen will – es würde ein schlechtes Beispiel geben. 

Selbst wenn die KP Chinas Evergrande aus der Patsche helfen kann, hat es vielleicht nicht das Geld, um alle zu retten. Tatsächlich warnen Wirtschaftswissenschaftler schon seit Jahren vor der Immobilienblase in China. 

Laut einer Studie einer renommierten Wirtschaftshochschule in China steht jedes fünfte Haus im Lande leer. Das bedeutet, dass es 150 Millionen Häuser gibt, in denen niemand wohnt. Daher entstanden sogenannte „Geisterstädte“ im ganzen Land. 

Lacalle fügt hinzu, dass der Zusammenbruch von Unternehmen wie Evergrande nicht nur Auswirkungen auf den Wohnungssektor haben wird.

„Ich denke, dass dies weiterhin ein Problem für die Anleger sein wird, und der Ansteckungseffekt auf andere Bereiche ist ebenfalls sehr wahrscheinlich, wie zum Beispiel der Finanzsektor und das Bankensystem. Denn es handelt sich dabei um hoch verschuldete Unternehmen in einer großen Branche, die etwa 25 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht.“

Und wie wird sich dies alles auf die Weltwirtschaft auswirken?

Nun, westliche Rentenfonds, die in den letzten Jahren verstärkt chinesische Unternehmensanleihen gekauft haben, bekommen das bereits zu spüren.

Das „Wall Street Journal“ berichtete, Fonds, die unter anderem von der Ashmore Group, BlackRock und Pacific Investment Management Co. verwaltet werden, haben starke Rückgänge zu verzeichnen. 

Lacalle ist der Meinung, dass die Auswirkungen auf die Volkswirtschaften in entwickelten Ländern nicht sehr groß sein werden, abgesehen von den Banken, die stark in den Schwellenländern und in China engagiert sind.

Aber die Schwellenländer könnten einen gewissen Schaden erleiden.

China hat eine sehr wichtige Rolle bei der Finanzierung sehr fragwürdiger Projekte in ganz Lateinamerika, den Grenzregionen und Afrika gespielt. Daher werden viele dieser Volkswirtschaften, die sich auf chinesische Kredite für sehr fragliche Projekte verlassen haben, eine Kreditklemme erleben.“

Zu denjenigen, die fest daran glauben, dass das chinesische Regime immer einspringen wird, um die Lage zu retten, sagt Lacalle: „Wenn man sich also in einen Markt einkauft, der auf dem Prinzip basiert, dass die Regierung oder die Zentralbank einem bei Fehlinvestitionen aus der Patsche hilft, verdient man die Verluste.“



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