Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu, der 2011 aus China nach Deutschland entkam. Liao Yiwu saß vier Jahre im Gefängnis weil er ein Gedicht über das Tiananmen-Massaker von 1989 geschrieben und verbreitet hatte. Sein aktuelles Buch „Wuhan“ soll vor Vergessen schützen.
Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu, der 2011 aus China nach Deutschland entkam. Liao Yiwu saß vier Jahre im Gefängnis weil er ein Gedicht über das Tiananmen-Massaker von 1989 geschrieben und verbreitet hatte. Sein aktuelles Buch „Wuhan“ soll vor Vergessen schützen.Foto: Epoch Times

Liao Yiwus „Wuhan“: Beginn eines „unsichtbaren“ Krieges

Von 22. Oktober 2022
Im heutigen China schwebt die „neue Normalität“ des epidemischen Lockdowns wie ein dunkler und bedrohlicher Schatten über den Köpfen der Menschen. Offiziell wird vom Schutz der Bevölkerung gesprochen. Jedoch: Im Zuge der Corona-Pandemie benutzt der Führer Chinas die Lockdowns als neue Art der Kontrolle über die Bevölkerung. Doch alles hatte seinen Ursprung in Wuhan.

Auf der Gästeliste der ARD-Bühne am 22. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse steht der Name Liao Yiwu. Der im Exil lebende chinesische Schriftsteller erhielt 2011 den Geschwister-Scholl-Preis und 2012 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Von vielen wird er als ein „Chronist der Zeit“ betrachtet. Sein aktuelles Buch: „Wuhan“.

Lockdown als „neue Normalität“

Im Internet finde man heutzutage Videos aus China, in denen Menschen in Supermärkten plötzlich ihre Einkaufswagen umwerfen und panisch hinausrennen. Was ist passiert? Es soll sich herumgesprochen haben, dass dieser Ort gesperrt werde, wegen eines Infektionsfalls. Wer nicht rechtzeitig entkommen könne, werde darin eingesperrt. Das berichtete die chinesische Epoch Times zu den Besonderheiten dieser Tage in China. In anderen Videos sehe man Menschen, wie sie in die Supermärkte stürmten, weil sich das Gerücht verbreitet habe, dass die Stadt oder der Stadtteil kurz vor einem Lockdown stünde. Wenn sie sich also nicht beeilten, ihre Lebensmittelvorräte aufzustocken, würden sie zu Hause vielleicht verhungern. So die Aussage der Journalisten in New York, die sich tagtäglich mit den Informationen des chinesischen Internets beschäftigen.

Eine Millionenstadt unter Kontrolle

Einer, der die vor über zwei Jahren beginnende Veränderung für die Nachwelt dokumentierte, ist Liao Yiwu: „Als Wuhan am 23. Januar 2020 abgeriegelt wurde, richtete Xi Jinping ein System für die Sperrung und Säuberung der Stadt ein“, erinnert Liao im Interview mit der chinesischsprachigen Epoch Times. Dieses Muster habe sich fortgesetzt. Es seien viele Städte geschlossen worden. Mittlerweile habe sich das Modell zu einem „repressiven und rationalen Ansatz zur Unterdrückung entwickelt“.

Liao fügt hinzu: „Und jetzt, vor dem 20. Parteitag der KP, sollen mehr als 30 Städte geschlossen worden sein.“

„Das ist etwas, was die Menschen in der ganzen Welt – auch ich und andere – noch nie erlebt haben“, sagte der 64-Jährige. „Als der Ausbruch erfolgte, war das sehr erschütternd, als Wuhan abgeriegelt wurde und eine Stadt mit zehn Millionen Einwohnern vollständig unter militärischer Kontrolle stand.“

Auch mit den Medien war es diesmal anders: „Beim Massaker auf dem Tiananmen-Platz (1989) und beim Erdbeben in Sichuan (2008) konnten westliche Journalisten noch vor Ort fotografieren. Aber ins abgeriegelte Wuhan konnte kein westlicher Journalist mehr gehen.“ Die westlichen Journalisten vor Ort seien vertrieben worden. Die in anderen Städten hätten sich nur im Internet informieren können. „Aber in China gibt es Firewalls, also bekommen sie nur ein paar Worte.“ In Deutschland habe er jedoch Informationen „in umfassender Weise“ herunterladen können.

„Ich kann bis jetzt noch nicht belegen, wie das Virus aus dem Wuhan-Viruslabor geleakt ist. Aber ich kann belegen: 1. Alle Investigativ-Reporter, die nahe ans Labor gekommen sind, wurden verhaftet. 2. Alle Wissenschaftler in China, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt hatten, sind nicht mehr zu finden.“

„Wuhan“ – eine gefährliche Wahrheit

Liao Yiwus Dokumentarroman „Wuhan“ beschäftigt sich mit den Vorkommnissen in der chinesischen Millionenmetropole zu Beginn des Corona-Ausbruchs und der Abriegelung der Stadt durch das KP-Regime. Viele Regierungen der Welt benutzten das kommunistische Instrument des Lockdowns, um das Virus – oder vielmehr die eigene Bevölkerung – unter Kontrolle zu bekommen, ganz wie es das chinesische Regime ihnen gezeigt hatte.

In „Wuhan“ geht es um einen Bürgerjournalisten, der zu Beginn des Corona-Ausbruchs einen Job in einem Wuhaner Krematorium annimmt. Er erfüllt bestens die Bedingungen der Stellenanzeige, weil er „keine Angst vor Gespenstern“ hat. Als er begreift, dass die offiziellen Opferzahlen nicht stimmen können und darüber zu reden beginnt, gerät er ins Visier der staatlichen Verfolgung.

Der Amazon-Begleittext verspricht eine „spannende Recherche der Hintergründe einer gewaltigen Vertuschung“ und erinnert daran, dass China ein Ort ist, an dem ein kommunistisches Regime mit eiserner Faust regiert: „Protokolle verschwinden, und neue Lügen zementieren die Geschichte vom heroischen Sieg der Partei – Propaganda, die die Menschen vergiftet wie das Virus.“

Wie Peking die Geschichte manipuliert

Liao Yiwus Buch wurde am 26. Januar 2022, kurz vor den Olympischen Winterspielen in Peking, in deutscher Sprache im Fischer-Verlag veröffentlicht. Erfolgreich. Ein Bestseller. Das Hörbuch folgte und aktuell gibt es Lesungen in verschiedenen Städten Deutschlands. Auch auf Italienisch, Japanisch und auf Chinesisch erschien das Buch – aber in Taiwan. In China sind Liao Yiwus Werke verboten. Nur die englische Version machte Probleme, wurde „immer wieder abgelehnt“. Liao: „Die einen hatten Angst vor dieser ‘Verschwörungstheorie‘ und die anderen …“

Die KPC habe damals eine sehr deutliche Erklärung abgegeben: Wer auch immer behaupte, das Virus käme aus China, würde definitiv schwere Verluste erleiden.

„China importiert jährlich viele Lexika, Biografien von Promis und Kinderbücher aus dem Westen.“ Das sei ein großer Markt. Viele westliche Verleger würden sich vor der KPC beugen, sagte Liao. Er erinnerte sich an eine Geschichte, aus einem Kinderbuch des Carlsen-Verlags. Liao berichtete darüber in einem Artikel in einer großen Schweizer Zeitung. „Sie schrieben eine Kindergeschichte über ein Kind, das fragte: Woher kommt dieses Virus? Ein anderer sagte ihm: Es kam aus China. Die Kommunistische Partei Chinas griff sofort ein und sagte: ‚Entweder Sie entfernen das, oder wir verbieten die Einfuhr Ihrer Bücher.‘ Und dann hat dieser Carlson-Verlag, der in Deutschland so groß ist, nachgegeben.“ Die Zeitung habe das dann herausgefunden und enthüllt, nachdem das Buch veröffentlicht worden war, erklärte Liao Yiwu.

Gehirnwäsche wie in „1984“

„In George Orwells 1984 wird diese diktatorische Technik sogar deutlich beschrieben.“ Dieser habe gesagt, derjenige, der die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert auch die Vergangenheit und die Zukunft.

Das heißt, die Kommunistische Partei Chinas werde sagen, dass das Virus aus den Vereinigten Staaten komme. Und sie werde es „wiederholen, wiederholen, wiederholen“. Egal, was man tue. Sie werde die Menschen schließlich einer Gehirnwäsche unterziehen.

Und in zwei, drei Jahren – falls es kein Buch eines Schriftstellers darüber gebe, um daran zu erinnern – seien die westlichen Würdenträger bereits abgestumpft und kennen wahrscheinlich nur noch die WHO-Nomenklatur. Dann werde die Kommunistische Partei sagen: „Dieses Virus wurde von amerikanischen Sportlern eingeschleppt, seht euch an, wie unser Wuhan infiziert wurde.“

Liao meinte, dass eines seiner Ziele beim Schreiben des Buches gewesen sei, „die Menschen dazu zu bringen, sich an Wuhan zu erinnern“. Denn nach Ansicht des Schriftstellers manipuliere die KPC die Geschichte nicht zum ersten Mal.

China früher und heute

„Chinas Gesellschaft ist einfach wertlos, eine große Müllhalde, die größte Müllhalde der Welt. Auch die Ansichten der Menschen sind Müll, die Umwelt ist Müll, und die Beziehungen zwischen den Menschen sind noch mehr Müll“, sagt Liao.

Das Geld sei zur „Religion“ geworden und ein schlechter Kreislauf sei erzeugt worden. „Es müssen die schlechtesten Leute sein, die Geld verdienen können, weil sie betrügen und lügen können.“ Jene hätten Macht, „weil sie und ihre Eltern zu den kommunistischen Interessengruppen gehören.“

Auch im alten China habe es schlimme Dinge gegeben, „aber damals hatte die traditionelle chinesische Kultur dies unterdrückt“. Es habe Regeln gegeben wie Loyalität, Pietät, Wohltätigkeit und Rechtschaffenheit […] Das habe einen moralischen Druck auf die Menschen ausgeübt.

Das kommunistische China habe nichts, „keine Überzeugungen, nur Macht und Geld“. Es sei „eine Missgeburt, die aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangen ist“.

Der Ukrainekrieg habe die Welt von China abgelenkt, erinnert Liao. Dieser „unsichtbare Krieg“, die Pandemie, habe mehr Tod und Schaden über die Welt gebracht, als es der „sichtbare“ und „regionale“ Krieg zwischen Russland und der Ukraine tue.

Biografie

Liao Yiwu kam 1990 für einige Jahre ins Gefängnis wegen „Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda“ über die Ereignisse vom Tiananmen-Massaker 1989. Im Gefängnis versuchte er zweimal sich das Leben zu nehmen. Auch nach seiner Entlassung lebte er in gesellschaftlicher Isolation. Seine Werke handeln meist von den Leiden der einfachen Menschen im kommunistischen China. 2011 gelang ihm die Flucht aus dem KP-Staat. Heute lebt er im Exil in Berlin.



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