Peking: Interaktive Karte zeigt dunkle Schatten hinter den Olympischen Spielen

2008 bereits wurde Chinas KP-Regime erlaubt, Olympische Spiele auszurichten. Auch in diesem Jahr findet eine Olympiade in China statt. Die Kommunistische Partei versteht dies als Gelegenheit, sich selbst zu feiern. Doch die gute Stimmung bleibt nicht ungetrübt. Menschenrechtsaktivisten veröffentlichten unlängst eine interaktive Karte, die zeigt, was sich im Verborgenen und unweit der olympischen Wettkämpfe abspielt.
Titelbild
Ein Wachmann im Olympia-Park in Peking. Symbolbild.Foto: Andrea Verdelli/Getty Images
Von 19. Februar 2022

Pompös zeigte sich das kommunistische Regime in China bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele am 4. Februar 2008 im „Vogelnest“, dem Nationalstadion in der Hauptstadt Peking. Und nun will der chinesische Führer Xi der Welt vermitteln, man sei „Eine Welt, eine Familie“ – so der Slogan der Spiele.

Mit der schillernden Show versuche die Kommunistische Partei Chinas (KPC), die Aufmerksamkeit der Welt von den düsteren chinesischen Realitäten abzulenken, berichtet Eva Fu, die New Yorker China-Korrespondentin der Epoch Times anlässlich der Veröffentlichung einer interaktiven Karte am Eröffnungstag der Spiele durch Menschenrechtsaktivisten.

Die Aussage der Karte ist eindeutig: Unweit des olympischen Geschehens herrschen Folter und Tod.

Ein finsteres Zeugnis chinesischer Realität

Erstellt wurde diese interaktive Karte von dem in New York ansässigen Falun-Dafa-Informationszentrum. Sie sei die erste umfassende Karte dieser Art und gewähre „einen Einblick in die Orte, von denen die Kommunistische Partei Chinas nicht will, dass du sie siehst“. In mehr als einem Dutzend „Hotspots der Verfolgung“, Foltereinrichtungen in und um Peking, siechen zahllose eingekerkerte Anhänger der Glaubensgruppe Falun Gong dahin, einzig und allein, weil sie ihren Glauben auch unter unsäglichem Druck nicht aufzugeben bereit sind.

Insgesamt einen Monat dauerte es, die Details zu überprüfen und die Karte fertigzustellen. Viele der Einrichtungen versuchen Überprüfungen von außen zu erschweren, indem sie sowohl einen öffentlichen als auch einen privaten Namen haben und sogar unter zwei Adressen auftauchen. Diejenigen beispielsweise, die gleichzeitig als Arbeitslager dienten, hätten den Forschern zufolge einen Zweitnamen angenommen, als Deckmantel für ihre Geschäfte mit Sklavenarbeit.

Dies alles befindet sich nur wenige Kilometer entfernt von den Stadien, von denen aus die Medien der Welt über die Wettkämpfe der Olympioniken berichten. Unfreiwillig machen sie sich damit zum Propagandahelfer einer Partei, die seit ihrem Erscheinen in China mindestens 70 Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Ein heuchlerisches Regime

Gegenüber der Epoch Times erklärte Levi Browde, Direktor des Falun Dafa Informationszentrums: „Man könnte sich buchstäblich das olympische Eisschnelllaufereignis ansehen, aus dem Oval zur Tür hinausgehen und 14 Meilen (ca. 23 km) nach Osten laufen, und schon ist man in einem Gefangenenlager, in dem Menschen wegen ihres Glaubens an Falun Gong inhaftiert sind – in mindestens einem Fall neun Jahre lang“, sagte Levi Browde.

Das sei etwa so, als würde man in New York das Yankee-Stadion besuchen und dann in den Central Park gehen, wo sich ein Gefangenenlager befindet, verglich der Menschenrechtsaktivist. Oft sehe man nur die Hochhäuser und all die Starbucks in Peking und denke: Oh, das sei das neue China. Das Regime habe sich aber überhaupt nicht geändert, so Browde. Die Gefangenenlager, in denen Menschen wegen ihres Glaubens eingesperrt und gefoltert würden, direkt neben den olympischen Austragungsorten, das mache die Täuschung und Heuchelei der KP Chinas doch sehr deutlich, meint Browde.

Ähnliches erklärte Erping Zhang, Sprecher des Falun-Dafa-Informationszentrums, in einem Statement: „Es gibt kein anderes Regime auf der Welt, das die Kühnheit und den internationalen Einfluss hat, die Spiele auszurichten und gleichzeitig eine so große Anzahl von gewaltlosen politischen Gefangenen in einem Umfeld festzuhalten, das voll von Misshandlungen und Folter ist.“ Zhang betonte, dass die „Nähe von olympischem Ruhm und schrecklichem menschlichem Leid“ die tragische und vielfach täuschende Herrschaft der Kommunistischen Partei Chinas unterstreiche.

Tödliche „Olympiakontrolle“

Einer der Punkte auf der Karte befindet sich etwa 25 Kilometer südlich vom olympischen Eislaufstadion. Es handelt sich dabei um das Pekinger Frauengefängnis, in dem unter anderem die Künstlerin Xu Na kürzlich erneut inhaftiert wurde. Der Fall war durch Menschenrechtler international bekannt geworden.

Der Anfang reicht weit zurück. Alles begann mit einer „Olympiakontrolle“ einige Monate vor den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking. Die Malerin Xu Na war mit ihrem Ehemann, dem Musiker Yu Zhou, Mitglied der chinesischen Folkmusikband „Xiao Juan and Residents From the Valley“, im Auto unterwegs, als sie von der Polizei angehalten wurden. Das war am 26. Januar 2008 auf der Heimfahrt nach einem Konzert in Peking.

Als die Polizei Falun-Gong-Literatur bei ihnen fand, verhafteten sie die beiden und brachten sie in die Haftanstalt des Bezirks Tongzhou. Das Paar wurde getrennt – Xu sah ihren Mann nie mehr wieder. Er starb in Polizeigewahrsam, elf Tage nach seiner Verhaftung, am Vorabend des chinesischen Neujahrs. Seine Ehefrau Xu Na wurde zunächst zu drei Jahren Haft verurteilt.

Etwa 20 Kilometer nördlich des Eislaufstadions „National Speed Skating Oval“ befindet sich die Pekinger Jugendstrafanstalt, die eigentlich eine unterirdische Zwangsarbeitseinrichtung ist.

Frau Liu Jiying traf dort 2001 auf die junge Pekinger Malerin Xu Na, bevor beide später ins Pekinger Frauengefängnis verlegt wurden. Xu Na musste eine fünfjährige Haftstrafe verbüßen. Frau Liu erinnerte sich später gegenüber der Epoch Times, dass Xu Na eine der härtesten Arbeiten verrichten musste. Sie musste Schuhsohlen annähen, oft bis 2 Uhr nachts, so Frau Liu. Sie selbst habe Pullover und Schals für den Export hergestellt. Reden durfte man nicht bei der Arbeit und schlafen gehen konnte man erst, wenn die Tagesquote erfüllt war.

Dann kam 2008 die Sache mit der „Olympiakontrolle“, dem Tod von Yu Zhou und weiteren drei Jahren Haft.

Am 14. Januar 2022, drei Wochen vor den Winterspielen, wurde Xu Na erneut verhaftet.

Man hatte herausgefunden, dass sie Fotos an die Epoch Times geliefert hatte, die die ersten Monate der Pandemie dokumentierten. Acht Jahre bekam sie dafür. Als Liu Jiying davon hörte, sie war 2016 nach New York geflohen, sagte sie der Epoch Times, dass sie diese Nachricht unendlich traurig gemacht habe: „Sie hat bereits acht Jahre abgesessen, jetzt sind es weitere acht.“

An dieser Stelle wird ein Video von Youtube angezeigt. Bitte akzeptieren Sie mit einem Klick auf den folgenden Button die Marketing-Cookies, um das Video anzusehen.

Verfolgt seit Jahrzehnten

In den 1990er-Jahren erfuhr Falun Gong (Falun Dafa) in China einen regelrechten Boom. Bis zum Beginn der Verfolgung durch das KP-Regime am 20. Juli 1999 übten Schätzungen zufolge zwischen 70 und 100 Millionen Menschen die traditionelle Kultivierungspraxis.

Heute informiert beispielsweise die deutsche Abteilung des Falun-Dafa-Informationszentrums über 450.000 bis eine Million Lagergefangene und etwa 87.000 dokumentierte Folterfälle. Die Spitze der Verbrechen stellen jedoch erzwungene Organtransplantationen dar. Den Angaben nach soll es sich um etwa 60.000 bis 100.000 Fälle handeln – jedes Jahr. Betroffen seien davon jedoch nicht nur Falun-Gong-Praktizierende. Auch wenn diese Gruppe den größten Teil der Todesfälle ausmacht, sind auch zahllose Uiguren, Tibeter oder verfolgte Christen von Hauskirchen unter den Opfern zu beklagen.

Die Zahlen stammen aus einem Untersuchungsbericht, der seit zehn Jahren zu diesen speziellen Todesfällen recherchiert.



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion