Die spirituelle Suche eines Skeptikers – Interview mit einem deutschen Top-Speaker

Ob es einen Gott gibt, das ist wohl die älteste und bewegendste Frage der Menschheit. Ein kleines Buch liefert einen Erklärungsversuch der besonderen Art.
Titelbild
Sternenstaub und Magie in Frauenhänden.Foto: iStock
Von 24. Dezember 2022

Hermann Scherer gehört zu den bekanntesten Vortragsrednern in Deutschland. Als Coach hat er vielen Menschen und Unternehmen zum Erfolg verholfen. Sein Buch „Der Weg zum Topspeaker“ ist wohl das erfolgreichste aus einer Reihe von 60 veröffentlichten Büchern unter seinem Namen.

2022 hat er mit dem Buch „Das Wunder – Nimm es an, wenn es dich trifft“ etwas besinnlichere Töne angeschlagen und aus dem Nähkästchen seiner ganz persönlichen Vergangenheit geplaudert. Wie er über sich selbst sagt, ist kein Geheimnis bei ihm gut aufgehoben, seine Gedankenwelt teilt er nur zu gerne mit seinem Publikum. Grund genug für uns, ihm ein paar Fragen zustellen.

Herr Scherer, in Ihrem Buch „Das Wunder“ gibt es diese einschlägige Szene aus Ihrer Kindheit, wo Sie sich bei der Doppelhochzeit ihrer Schwestern in der Kirche während der Zeremonie übergeben haben. Sie schreiben, das hat in etwa ausgedrückt, wie Sie dem allen gegenüber eingestellt waren. Erklären Sie das bitte etwas genauer.

Das ist eigentlich öfter vorgekommen, dass ich mich in der Kirche übergeben habe. Ich glaube, der Weihrauch war das Problem. Aber auch sonst habe ich mich in der Kirche nie besonders wohlgefühlt.

Womit waren Sie denn am wenigsten einverstanden? Mit Gott, dem Glauben, der Religion oder der Kirche?

Ich würde mal sagen, mit den Club-Bedingungen. Als Pubertierender wollte man ja gerne in so manchen Sachen das Leben erkunden, und wenn die Kirche einem dann vorschreibt, was man darf und was nicht, dann hat man keine Lust, mitzumachen. Der andere Punkt ist, es ist mir schon immer sehr schwergefallen, an Gott zu glauben.

Ist das heute anders?

Da ist immer noch etwas im negativen Sinne übrig geblieben. Als Kind hatte ich immer gehofft, Antworten zu bekommen – ich hatte auf irgendeine Art von Kommunikation gehofft. Doch die hat es nie gegeben. Es ist mir nie gelungen, dieses Gefühl zu erhalten, verstanden zu werden oder sich getragen zu fühlen. Auch in schwierigen Situationen nicht. Das änderte sich erst nach dem Ereignis, das ich im Buch beschrieben habe.

Das Ereignis, dass Sie im Buch schildern, hat bei Ihnen also zu einem Sinneswandel geführt?

Es hat mich zumindest zu der Überzeugung geführt, dass es Gott, oder wie auch immer man das nennen möge, gibt. Da es mir bei einer Marienfigur passiert ist, würde ich es schon in Richtung „Gott“ adressieren.

Welche Rolle spielt der Glauben in Ihrem jetzigen, täglichen Leben? 

Ich würde drei Dinge damit in Verbindung bringen. Zum einen ist meine Frau eine sehr, sehr gläubige Frau. Schon immer gewesen. Sie ist Jesus sehr verbunden. Zweitens ist bei mir ja dieses Gefühl da, getragen zu sein. Und der dritte Punkt ist: Ich bin jetzt 60 Jahre alt. Ich weiß noch nicht ganz genau wie, aber ich würde schon ganz gerne eine gewisse Nähe zu Gott finden, auch ohne ihn zu kennen. Diese wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit sehr wenig bis gar nichts mit der Kirche zu tun haben.

Gehen Sie hin und wieder in die Kirche?

In Deutschland kaum, denn hier finde ich das Kirchenkonstrukt sehr langweilig. Ganz anders ist das beispielsweise in New York. Ich sage immer, wenn man in Harlem in die Kirche geht, dann braucht man keinen Motivationstrainer mehr. Da ist so viel Spannung und Energie drin, das macht richtig Freude.

Sie zitieren im Buch die Bibel und dann wiederum auch eine Yoga-Seite. Ich nehme an, Glauben hat für Sie nicht unbedingt etwas mit Religion zu tun? 

Das kann man schon so sagen. Ich glaube an eine höhere Macht, aber ich nenne sie trotzdem Gott. Für mich gibt es zwischen Gott und Religion tatsächlich einen großen Unterschied, denn ich glaube, wenn Jesus heute noch einmal auf die Welt kommen und sehen würde, was die Kirche so tut, dann würde er das nicht immer gutheißen.

Was war Ihre Motivation zum Buch?

Ich fand es einfach spannend, den Menschen die Existenz Gottes zu zeigen.

Sie sind ein sehr erfolgreicher Vortragsredner und geben seit Langem Ihr Wissen durch Seminare an andere weiter. Gibt es ein Geheimnis Ihres Erfolgs?

Nein, da gibt es kein Geheimnis. Ich bin einfach nur sehr fleißig, ein Workaholic könnte man sagen – und ich liebe meine Arbeit.

Hinzu kommt – denke ich, dass es mir sehr gut gelingt, für andere Menschen einen Plan zu machen. Ich sehe die Größe der Menschen viel besser und konkreter, als die Menschen sie selbst sehen. Mir fällt es sehr leicht, das zu formulieren und auszusprechen. Ich würde sagen, ich habe eine besondere Gabe dafür. Ob da eine Verbindung nach oben im Spiel ist, weiß ich nicht, kann es aber auch nicht ausschließen.

Was meinen Sie, was braucht man notwendiger, um erfolgreich zu sein? Mentale Stärke oder Glauben? 

Ich würde sagen, mentale Stärke braucht man auf alle Fälle und der Glauben ist es, der dem Ganzen dann Flügel verleiht.

Sehr schön gesagt. Was würden Sie den Epoch Times-Lesern für das neue Jahr gerne mit auf den Weg geben? 

Sie sollten nicht so viel zweifeln. Beim Glauben geht es ja nicht nur um den Glauben an Gott, sondern auch um den Glauben an sich selbst und an seinen Erfolg. Viele Menschen glauben an Gott, ohne den Beweis zu erhalten, dass es ihn tatsächlich gibt. Man muss sozusagen in die Vorleistung gehen. Oder mit anderen Worten: Erst glauben, dann sehen.

Wenn ich das mit meinem Beruf verbinde, dann sehe ich, dass sehr viele Menschen scheitern, weil sie nicht glauben – weder an den Erfolg noch an sich selbst. Ich denke, der Glauben ist eines der wichtigsten Dinge, die wir brauchen, woran auch immer man glaubt.

Vielen Dank für das Gespräch. 

Das Interview führte Nancy McDonnell.



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