Eine Urne zur Seebestattung wird ins Wasser gelassen. Nach Schätzung des Bundesverbandes Deutscher Bestatter gab es in Nord- und Ostsee im vergangenen Jahr fast 20 000 Bestattungen.Foto: Carsten Rehder/dpa

Endstation Meer – immer mehr Seebestattungen

Epoch Times10. März 2018 Aktualisiert: 10. März 2018 10:56
Die letzte Ruhestätte auf See wird immer beliebter: 20 000 Beisetzungen gibt es inzwischen jährlich an Nord- und Ostsee. Reedereien bieten außerdem Gedenktörns an. Doch manche Hinterbliebene wollen an Land Gedenkplaketten - was in einem Ort zu Ärger führt.

Das Ende ist auf See stets gleich: „Zum Abschluss der Fahrt geht immer die Urne über Bord“, sagt Ralf Paulsen. Immer mehr Menschen finden ihre letzte Ruhestätte im Meer. Rund ein Dutzend Seebestatter gibt es entlang der Küsten von Nord- und Ostsee.

Statistiken über Seebestattungen in Schleswig-Holstein hat die Bestatter-Innung zwar nicht. „Man kann tendenziell aber sagen, dass die Seebestattung zunimmt“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Ralf Paulsen.

Nach Schätzung des Bundesverbandes Deutscher Bestatter gab es in Nord- und Ostsee im vergangenen Jahr fast 20 000 Bestattungen. Die Nachfrage steigt tendenziell, sagt Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter. „Denn die Seebestattung hat den Vorteil, dass anschließend keine Grabpflege nötig ist.“

Gründe für eine Seebestattung gibt es viele. Ein Großteil der Beigesetzten hatte einen Bezug zum Wasser. Aber längst nicht mehr nur ehemalige Seeleute wollen im Meer bestattet werden. „Ein Drittel unserer Kunden kommt aus Schleswig-Holstein, die anderen aus ganz Deutschland“, sagt Norman Ludwig. Seine kleine Reederei aus Kiel übernimmt seit mehr als 30 Jahren Seebestattungen. Mehrere hundert Mal sticht er dafür von Strande bei Kiel aus in See. „Es wird von Jahr zu Jahr etwas mehr.“

Nach einer halben Stunde Fahrt auf der Ostsee hat Ludwigs „Nordica“ ihr Ziel unweit des Kieler Leuchtturms erreicht. Der 38-Jährige stoppt die Maschine und setzt die Flagge auf Halbmast. Etwa fünf Minuten dauert die dann folgende Trauerzeremonie. Vier Doppelschläge der Schiffsglocke ertönen. „Acht Schläge waren an Bord eines Schiffes das Zeichen für den Wachwechsel“, sagt Ludwig. „Bei uns stehen sie für den Übergang von einer Welt in eine andere.“

Nachdem die Urne und Blumen zu Wasser gelassen sind, umkreist das Schiff die Position noch einmal. Eine Bestattungsurkunde hält die genaue Position fest. Danach geht es wieder zurück. Doch wo können Hinterbliebene ihrer Angehörigen später gedenken? In dem kleinen Ferienort Strande mit seinen 1700 Einwohnern ist darüber aktuell ein Streit entbrannt. Anlass sind rund 20 Plaketten, die Hinterbliebene dort am Uferweg angebracht hatten – in Erinnerung an Verschiedene.

Mittlerweile ließ Bürgermeister Holger Klink (CDU) sie entfernen. „Es geht nicht darum, den Trauernden ihre Trauer zu verbieten“, sagt der 51-Jährige. „Bei rund 800 Seebestattungen vor dem Bülker Leuchtturm pro Jahr muss das aber geregelt werden, damit das mit den Plaketten nicht aus dem Ruder läuft.“ Eine Zeit lang habe die Gemeinde dies trotz eines anderslautenden Beschlusses geduldet.

Nach Beschwerden musste der Lokalpolitiker kürzlich tätig werden und ließ die Plaketten entfernen. „Die sind aber nicht weggeschmissen worden“, sagt er. Seit einem halben Jahr steht an dem Uferweg ein Verbotsschild mit der Warnung: Neue Plaketten werden kostenpflichtig entfernt. Das sei keine Boshaftigkeit der Gemeinde, sagt Klink. Aber: „Einige Spaziergänger, Touristen und auch Anwohner haben sich gestört gefühlt, wenn sie dort quasi durch einen Ort der Trauer gehen.“

Trauerexpertin Sabine Bobert von der Universität Kiel kann das Aufhängen von Gedenkplaketten nachvollziehen. „Dahinter steckt die Suche nach einem festen Ort der Trauer“, sagt die Theologin. „Zulassen, aber eindämmen“, rät Bobert und schlägt einen kleinen abgegrenzten Bereich für die Erinnerung vor, „mit sehr maritimem Flair“.

Strandes Bürgermeister Klink hat Verständnis für die Emotionen der Hinterbliebenen. Die Gemeinde sucht deshalb aktuell nach einer Lösung. „Ziel war es immer, den Trauernden einen eigenen Platz zu schaffen, auch in der Nähe des Wassers. Nur eben nicht genau an diesem Ort“, sagt er. Von dort aus sollen Hinterbliebene beim Trauern „auf das Wasser schauen können, wo die Verwandten am Horizont gewässert wurden“.

Wem das nicht reicht, der kann aber auch einen Trip per Schiff buchen. Die Deutsche See-Bestattungsgenossenschaft und auch Ludwigs Reederei bieten Gedenkfahrten für Hinterbliebene an. (dpa)


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