Alina Manoukian – Mit alten Liedern auf der Suche nach Identität

Von 17. Juli 2012 Aktualisiert: 17. Juli 2012 12:30

„Sing mir dein Lieblingslied“, so bat Alina Manoukian Bekannte und Fremde in Armenien mit einem Aufnahmegerät in der Hand. Alina Manoukian ist in Teheran geboren und in Deutschland aufgewachsen. Ihre Eltern stammen aus Armenien. Ihr Debütalbum, das im Juni dieses Jahres erschien, entstand bei der Suche nach ihrer Identität. Dafür reiste sie zweimal nach Armenien in das Land ihrer Eltern.

Ihre allererste Begegnung mit Armenien beschreibt sie als etwas schwierig. „Da war ich 11 Jahre alt und wir sind mit der ganzen Familie nach Armenien aufgebrochen. Ich hatte mich auf diese Reise gefreut, aber als wir dort ankamen, wurde ich von den Kindern nicht besonders freundlich empfangen, da ich aus Deutschland kam, und das war damals für mich komplett verwirrend. Dann habe ich für mich beschlossen ‚Okay, Deutschland ist mein Zuhause‘.“

Während ihres Schauspielstudiums erhielt Alina Manoukian zum ersten Mal die Möglichkeit, sich durch Gesang auszudrücken und ein armenisches Lied vor Intendanten zu singen.

Alina Manoukian fing an, Lieder zu recherchieren. Lieder und Melodien, die sie aus der Kindheit kannte. „Ich fing mit dem Gesangbuch meines Vater an, der mir auch seine Lieder vorsang“, erinnert sich die Künstlerin. Nach und nach entstand die erste Verseproduktion, diese hieß „Fremdeln die Sterne in der Ferne“ und lief zwei Jahre lang am Deutschen Theater in Göttingen.

Der Ausgangspunkt für ihre Reise nach Armenien war also eine Theaterproduktion und dabei ging es um die Frage: Was ist eigentlich Identität? „Wenn man in der Diaspora lebt, hält man sich an Rituale und da fragt man sich, was genau verknüpft mich mit dieser Kultur, wie lebe ich sie? Für mich ist die Musik ein ganz unmittelbarer Zugang. Meine Oma hat immer gesungen, mein Vater hat immer gesungen.“ Die Musik, sagt Manoukian, habe sie immer begleitet.

Mit einem Aufnahmegerät in der Hand reiste sie nach Armenien und fragte dort Bekannte, Freunde – Menschen, die sie dort kennengelernt hatte, nach ihren Liedern. Als Erwachsene war die Künstlerin zweimal in ihrer armenischen Heimat.

Obwohl Alina Manoukian die armenische Sprache beherrscht, mussten Verwandte und Freunde bei der Übersetzung der alten Lieder auch mal aushelfen. Ein Theologe hat ihr dabei geholfen, ein Kirchenlied zu verstehen. Sie selbst übersetzte die Lieder und versuchte, die Bildsprache und Poesie beizubehalten. In den Stücken gibt sie den alten Liedern und Texten ihre ganz persönliche Note.

Auf der Suche nach Liedern begegnete Alina Manoukian wundervollen Menschen, die ihr Ihre Lieblingslieder vorsangen. „Die Gesichter waren wie verzaubert, so wie man es oft bei Kindern beobachten kann, wenn sie sich besonders freuen“.

Die Angst, die Alina Manoukian bei dem Gedanken hatte, wie die Armenier ihre Lieder aufnehmen würden, ist verständlich, aber unnötig gewesen, wie sie selbst sagt. „Die haben verstanden, was ich dort gesucht habe.“ Der Albumtitel ihres Debutalbums „Na Mi Naz Ouni“ ist gleichzeitig ihr Lieblingslied mit sehr bildhaftem Text: „Die Lerche kam, verschwand im Feld. Die Nachtigall stieg herab und umarmte die Rose.“

„Wir haben versucht, bei jedem Lied ein griffiges Bild zu haben und das musikalisch umzusetzen in der Begleitung. […] Die armenischen Volkslieder sind meistens sehr opulent und werden in einer ganz bestimmten Form gesungen. Ich habe mich dem widersetzt, weil ich das Gefühl habe, es muss etwas mit mir zu tun haben – ich habe diese Lieder in der Kindheit gehört und muss das irgendwie einbringen, wie ich geprägt wurde.“

Alina Manoukian fühlt sich in Deutschland zu Hause. Doch gibt es auch Bereiche, in denen sie sich in der deutschen Kultur nicht so sehr verwurzelt fühlt, dazu zählen Humor, Erwartungen im zwischenmenschlichen Bereich und Emotionalität. Doch Heimat, so sagt sie, sei kein Land, sondern ein Zugriff auf das Leben. Ihr Wunsch ist es, einmal international aufzutreten, vielleicht auch einmal in Armenien.

Neben ihrem Wunsch, dass ihre Musik gut ankommt und verbreitet wird, hat die Deutsch-Armenierin noch einen Zukunftswunsch auf dem Herzen: Der Völkermord an den Armeniern wirft einen dunklen Schatten in die Gegenwart. Die Vergangenheit kann nicht ungeschehen gemacht werden, aber eine ehrliche Aufarbeitung durch die beteiligten Parteien wünscht sie sich und einen Prozess der Heilung. Auch könne man lernen zu verzeihen und beide Seiten könnten somit ein Kapitel abschließen und sich der Zukunft widmen. „Wir wollen alle weitermachen, aber es braucht eine Entschuldigung.“ Dies ist auch ihr Wunsch für die Zukunft. Für alle Parteien sei es gut, Klarheit zu schaffen. Für die zwischenmenschlichen Beziehungen, aber auch für die politische Beziehung sei es wichtig, dass sich die Verhältnisse beider Länder zueinander klären.

Aber zum Glück kennt Alinas Manoukians Musik keine Grenzen und geht nicht über den Kopf, sondern direkt ins Herz.

 

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