Brahms Doppelkonzert mit Alban Gerhardt und Hyeyoon Park beim Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin

Von 10. Juni 2013 Aktualisiert: 10. Juni 2013 9:29
Johannes Brahms nannte sein Doppelkonzert für Violine und Violoncello „etwas recht Drolliges“, ja sogar eine „Dummheit“. Vielleicht, weil er es, mäßig interpretiert, als „Show-Nummer für Zwei“ verkommen sah … Am …

Johannes Brahms nannte sein Doppelkonzert für Violine und Violoncello „etwas recht Drolliges“, ja sogar eine „Dummheit“. Vielleicht, weil er es, mäßig interpretiert, als „Show-Nummer für Zwei“ verkommen sah … Am Samstag, wurde jenes Doppelkonzert zur musikalischen Sternstunde, beim Saisonabschlusskonzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Unter Mihkel Kütson spielten Alban Gerhardt das Cello und Hyeyoon Park die Violine. Eingerahmt wurde das eher selten gehörte Herzstück des Konzertes von zwei weiteren Ungewöhnlichkeiten, die als gute Show-Nummern überzeugten: Es waren musikalische Visionen, die Komponisten in den Werken anderer gehört hatten. Die Klaviersonate op. 1 von Alban Berg in der Orchesterfassung von Theo Verbey aus dem Jahr 1984 und Brahms´ Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25, orchestriert von Arnold Schönberg.

Es begann mit Alban Bergs Klaviersonate op. 1: Intensive zwölf Minuten, die stilistisch zwischen Spätromantik und Moderne zu schweben scheinen. Theo Verbey baute die architektonischen Wellen, in denen das Werk angelegt ist, mit einem riesigen Orchesterapparat nach und lässt das Stück immer wieder zur Ausgangsformation, einem Streichquartett, zurückkehren. Dazwischen schrauben sich Blechbläser und fünf (!) Percussionisten zu eruptiven Höhepunkten empor.

Mihkel Kütson und das Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin entschlüsselten sämtliche Klangfacetten des Stückes und es wirkte wie ein Märchen, das in einer fremden Sprache erzählt wird – hermetisch in seiner inneren Logik, doch voll unerwarteter Poesie.

Nach diesem großformatigem Beginn ging eine Menge Personal vom Podium und zwei Solisten kamen. Zwei Menschen aus verschiedenen Kontinenten und mit über zwanzig Jahren Altersunterschied. Er (43) am Cello. Sie (21) an der Geige. Was Alban Gerhardt und Hyeyoon Park gelang, war nichts Geringeres als den von Brahms erträumten Klang der „Riesengeige“ zu kreieren – für sein Konzert für Violine, Violoncello und Orchester, a-Moll, op. 102.

Es war ein geschwisterlicher Klang, der sich nicht nur durch den gemeinsamen Atem der Phrasierung, sondern auch durch die Tonbildung von innen heraus so ähnelte, dass man nur von einem Wunder sprechen konnte. In vollendeter Symbiose mit dem Orchester gestalteten beide ein Epos der Sinnlichkeit und Leidenschaft, das hochmusikalisch interpretiert wurde – mit einem

Hauch von Melancholie und Bitterkeit. Alban Gerhardt legte mit einem süßen Celloklang vor, der nach Honig und Holz duftete. Hyeyoon Park entwickelte diesen Ton weiter bis in die strahlendsten Spitzentöne, wobei sie in den tiefen Gefilden der Geige vom akustischen Volumen als gleichstarke Partnerin überzeugen konnte, was die beiden Instrumente scheinbar zu einem verschmolz.

Viel zu schnell war dieser musikalische Glücksmoment vorbei. Ein Urschrei aus der Ecke der Musikstudenten eröffnete den Jubelsturm des Publikums. Für die junge Koreanerin Hyeyoon Park war es das Debut mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.

Im zweiten Teil gab es noch einmal Brahms, allerdings in der Bearbeitung von Arnold Schönberg. Seine Orchesterversion des Klavierquartetts Nr. 1 glich einer analytischen Inszenierung des Werkes.

Wieviel theatralischer und kühler wirkte diese Bearbeitung im Vergleich zum eben gehörten „echten“ Brahms! Die weiche Wehmut und Lyrik, die Brahms eigene Instrumentierung auszeichneten, waren verschwunden, das Klangbild war schärfer und auf Kontrast aufgebaut. Durch diese kristallinen Schroffheiten, die auch Dirigent Mihkel Kütson bewusst und ebenso virtuos ausspielen ließ, näherte man sich gar Sibelius. Beim Publikum wurde das Stück ein großer Erfolg, zumal sich im ungarisch inspirierten Finale ein Ohrwurm in spektakulärer Instrumentation (Percussion) präsentierte.

Obwohl die Philharmonie nur mäßig gefüllt war, bejubelten die Zuhörer den Saisonabschluss des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin so lautstark wie ein ausverkauftes Haus.

 

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