Foto: Andre Rival im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN

Deutsche Oper Berlin vor der Premiere von Hector Berlioz „Die Trojaner“

Von 30. November 2010 Aktualisiert: 30. November 2010 21:58
Am Sonntag, dem 5. Dezember, stehe Berlin Großes bevor, sagt Operndirektor Christoph Seuferle: Die Deutsche Oper bringt „Die Trojaner“ von Hector Berlioz auf die Bühne.

Schon bevor er mit dem Komponieren begann, wusste Hector Berlioz (1803-1869), dass sein Werk alle Konventionen sprengen würde: „Die Trojaner“ sollten den Theaterbetrieb ihrer Zeit – und noch Jahrzehnte später – überfordern.

Trotz ausgiebiger Zweifel an dem Plan, eine Oper basierend auf Vergils Aeneis zu schreiben, folgte Berlioz schließlich dem Drängen einer Freundin, Prinzessin Wittgenstein aus Weimar, und begann mit der Komposition. Sie hatte ihm angedroht, ihn nicht mehr zu empfangen, sollte er sich davor drücken, seine Vision in die Tat umzusetzen …

Berlioz schrieb das Werk in nur zwei Jahren, zwischen 1856 und 1858, und hoffte zeitlebens vergeblich auf eine vollständige Aufführung. Er erlebte lediglich die Uraufführung der letzten drei Akte unter erheblichen Streichungen, was ihn schwer frustrierte. Heute zählt das Stück zu den größten Musikdramen aller Zeiten.

Operndirektor Christoph Seuferle erläutert die Fakten zur Neuinszenierung, die am 5. Dezember an der Deutschen Oper Berlin Premiere feiern wird.

Epoch Times: Warum spielt die Deutsche Oper „Die Trojaner“ ausgerechnet kurz vor Weihnachten?

Christoph Seuferle: Das waren praktische Erwägungen. Perioden, in denen wir Regisseur David Pountney, Generalmusikdirektor Donald Runnicles und einige der Hauptsolisten gleichzeitig am Haus haben konnten. Das war nicht unbedingt eine weihnachtliche Entscheidung. Letztlich ist es doch sehr weihnachtlich, denn es geht ja um etwas Großes. Wir sind sehr stolz, das dass Stück kommen wird. Gerade erleben wir die Endproben und es wird ziemlich spektakulär.

Epoch Times: Was macht „Die Trojaner“ so besonders?

Seuferle: Es ist die schiere Größe des Stückes. Das fängt mit der Länge von fünfeinhalb Stunden an. Wir haben etwa 130 Chormitglieder auf der Bühne, dazu ein Ballett von 20 Tänzern. Es gibt insgesamt fast 20 Solistenrollen. Auch das Orchester sprengt jeglichen Rahmen. Allein die Bühnenmusik erfordert neun Trompeten. Das trojanische Pferd kommt auf die Bühne und all solche Sachen. Das muss man irgendwie lösen.

Epoch Times: Gibt es auf der Bühne auch ein Pferd?

Seuferle: Oh ja, im trojanischen Pferd verstecken sich bekanntlich die griechischen Soldaten.

Epoch Times: Bereits Berlioz´ „Fausts Verdammnis” ist sehr bekannt, wird aber selten aufgeführt. Werden die „Trojaner” wegen ihrer Monumentalität so selten gespielt?

Seuferle: Ja. Es ist für jedes Theater eine enorme Herausforderung, das Werk auf die Bühne zu bringen. Für den Chor ist es eine unglaubliche Anstrengung. Noch dazu wird Französisch gesungen, was nicht jedem so leicht über die Lippen perlt. Da muss viel geprobt werden. Die Länge und die notwendige Größe des Orchestergrabens verhindert Aufführungen an kleineren Häusern.

Es ist sozusagen „Fausts Verdammnis” mal drei.

Epoch Times: Und ist die Musik ähnlich melodiös wie im Faust oder schwerer „konsumierbar“?

Seuferle: Nein, das ist reiner Berlioz. In „Fausts Verdammnis” hören Sie ja auch sehr verschiedene Stilrichtungen. Da gibt es den berühmten Rakoczy-Marsch. So etwas gibt es natürlich auch, den Marsch zum „Einzug des Pferdes” nämlich. Daneben gibt es ganz lyrische Momente, wie das große Liebesduett zwischen Dido und Aeneas, die für Ruhepunkte sorgen. Aber auch Waffengeklirr.

Epoch Times: Also alles, was man klassischerweise von einer historischen Oper erwartet?

Seuferle: Genau. Auch die Kostüme sehen so aus, wie man sich Griechenland vorstellen mag.

Epoch Times: Wer wird in den Hauptrollen zu hören sein?

Seuferle: In den Trojanern gibt es drei Hauptpartien: Den Aeneas singt Ian Storey, der in letzter Zeit vor allem als Tristan sehr hervorgetreten ist. Dazu kommt Petra Lang als Kassandra, die Seherin im ersten Teil. Und im zweiten Teil singt Béatrice Uria-Monzon die schöne Königin Dido. Eine Sängerin, die man in Deutschland noch nicht kennt, die aber in Frankreich absolut als Star gehandelt wird. Wir freuen uns sehr auf sie und das echt französische Flair, das sie mitbringen wird.

Foto: Andre Rival im Auftrag der DEUTSCHEN OPER BERLIN


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