Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern', und verstehe die Freiheit, aufzubrechen, wohin er will.Foto: Marijan Murat/dpa/dpa

Lebenslauf – Von Friedrich Hölderlin

Von 31. Dezember 2020 Aktualisiert: 31. Dezember 2020 22:34
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Lebenslauf

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt

All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger,
Doch es kehret umsonst nicht
Unser Bogen, woher er kommt.

Aufwärts oder hinab! herrschet in heilger Nacht,
Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt,
Herrscht im schiefesten Orkus
Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?

Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich,
Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden,
Daß ich wüßte, mit Vorsicht
Mich des ebenen Pfads geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,
Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,
Und verstehe die Freiheit,
Aufzubrechen, wohin er will.

Friedrich Hölderlin  (1770 – 1843)



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