Schwere Vorwürfe gegen US-Rapper Sean Combs („P. Diddy“) – Anwalt: Razzien waren „exzessive“ Militärgewalt

„Bad Boy 4 Life“ (Böser Junge fürs Leben) ist einer seiner berühmtesten Songs. Jetzt muss sich der etablierte US-Rapper Sean Combs tatsächlich vor den US-Behörden verantworten. Im Raum stehen Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs und Menschenhandels.
Combs ist einer der erfolgreichsten Vertreter der Hip-Hop-Branche und zudem auch als Plattenproduzent, Schauspieler und in anderen Geschäftsfeldern tätig.
Combs ist einer der erfolgreichsten Vertreter der Hip-Hop-Branche und zudem auch als Plattenproduzent, Schauspieler und in anderen Geschäftsfeldern tätig.Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa
Von 29. März 2024

In der US-Rapperszene hat Sean Combs, auch „P. Diddy“ genannt, es bis nach ganz oben geschafft. Jetzt werfen ihm die US-amerikanischen Bundesbehörden vor, sich an illegalem Menschen- beziehungsweise Sexhandel beteiligt zu haben. Gleichzeitig belasten Combs mehrere Klagen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch.

Am Montag, 25. März, fanden deswegen Razzien in seinen beiden Villen in Los Angeles, Kalifornien und Miami, Florida, statt. Dutzende schwerbewaffnete Beamte der Ermittlungsbehörde des amerikanischen Ministeriums für Heimatschutz (HSI) haben die Anwesen durchsucht, wie die FAZ berichtet. Neben dem großen Polizeiaufgebot befanden sich vor beiden Häusern mehrere Einsatzwagen. Gegen Combs wird derzeit ermittelt, auch wegen häuslicher Gewalt und organisierter Kriminalität.

Anwalt: „Anwendung von militärischer Gewalt“

Aaron Dyer, der Anwalt von Combs, sagte am Dienstag, dass bei den Hausdurchsuchungen im Rahmen der Ermittlungen gegen den Menschenhandel „exzessive militärische Gewalt angewendet wurde“. Das war die erste öffentliche Stellungnahme vonseiten des angeklagten Rappers seit den Razzien. „Es gibt keine Entschuldigung für die übermäßige Gewaltanwendung und die Feindseligkeit der Behörden oder die Art und Weise, wie seine Kinder und Angestellten behandelt wurden“, so Dyer.

Wie der Anwalt mitteilte, haben die Einsatzkräfte weder Combs noch seine Familienangehörigen festgenommen. Auch ihre Reisefreiheit sei nicht eingeschränkt. Dyer merkte an, der „beispiellose Überfall“ habe zu einer „voreiligen Verurteilung von Combs geführt und ist nichts anderes als eine Hexenjagd, die auf unbegründeten Anschuldigungen in Zivilklagen beruht“.

Die Söhne von Combs, Justin und Christian „King“ Combs, wurden bei der Razzia im Haus ihres Vaters in Los Angeles in Handschellen abgeführt. Der 25-jährige King ist ein Musiker, dessen Lied mit dem Titel „Can’t Stop Won’t Stop“ mit Kodak Black im Jahr 2022 die Billboard R&B Hip-Hop-Charts anführte. Weiter sagte der Anwalt des Rappers:

Bei keiner dieser Anschuldigungen wurde eine straf- oder zivilrechtliche Haftung festgestellt. Combs ist unschuldig und wird weiterhin jeden Tag dafür kämpfen, seinen Namen reinzuwaschen.“

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Polizei und Medienvertreter versammelten sich am 25. März 2024 vor der Villa des US-Produzenten Sean „Diddy“ Combs in Los Angeles, Kalifornien. Foto: David Swanson/AFP via Getty Images

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Beamte der Homeland Security Investigation laden am 25. März am Eingang der Villa des US-Produzenten Sean Combs auf Star Island in Miami Beach eine Kiste in ein Auto. Foto: Giorgio Viera/AFP via Getty Images

Mehrere Kläger

Die strafrechtlichen Ermittlungen stellen eine erhebliche Verschärfung der Untersuchungen gegen Combs dar, der in den letzten Monaten in mehreren Prozessen wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt war.

Eine der Klagen stammt von seiner ehemaligen Freundin, die R&B-Sängerin Cassie. Sie wirft ihm vor, dass er sie jahrelang sexuell missbraucht haben soll, einschließlich Vergewaltigung. Eine weitere Anklägerin von Combs wirft dem Musikproduzenten vor, er habe sie vor zwei Jahrzehnten vergewaltigt, als sie 17 Jahre alt, also minderjährig, war.

Erst im Februar reichte ein Musikproduzent eine Klage gegen den Rapper ein. Dieser behauptete, Combs habe ihn gezwungen, Prostituierte anzusprechen, und ihn unter Druck gesetzt, mit ihnen Sex zu haben. Auch der Produzent Rodney Jones verklagte den 54-jährigen Combs und verlangt 30 Millionen Dollar Schadenersatz, wie „Newsweek“ berichtet. Sein Vorwurf gegen Combs betraf Menschenhandel, Missbrauch, Drogenkonsum, Betrug und sexuelle Nötigung.

Combs und seine Anwälte haben alle Anschuldigungen in den Klagen bestritten. Normalerweise werden keine Namen von Personen genannt, die behaupten, sexuell missbraucht worden zu sein. Es sei denn, sie melden sich öffentlich, wie es bei Cassie und Jones der Fall war.

Das Imperium des Rappers

Combs gehört zu den einflussreichsten Hip-Hop-Produzenten und Führungskräften in der Branche der letzten drei Jahrzehnte. Früher als „Puff Daddy“ bekannt, baute er eines der größten Hip-Hop-Imperien auf und bahnte sich einen Weg mit mehreren Unternehmen, die mit seinem berühmten Namen verbunden sind. Er ist der Gründer von Bad Boy Records und dreifacher Grammy-Preisträger. In seiner Laufbahn arbeitete er mit vielen berühmten Künstlern zusammen, darunter Notorious B.I.G., Mary J. Blige, Usher, Lil Kim, Faith Evans und 112.

Aber auch außerhalb des Musikgeschäftes hat sich Combs zuvor einiges aufgebaut. So brachte er etwa eigene lukrative Spirituosen und Sportmode auf den Markt. Zudem gehört ihm ein TV-Netzwerk, das allerdings mit dem Beginn der Missbrauchsklagen in die Brüche gegangen ist.

Sein Wodka- und Tequila-Geschäft mit Diageo, einem großen Hersteller von Spirituosen, wurde im Januar wegen Rechtsstreitigkeiten offiziell aufgelöst. Combs‘ Modelinie Sean John ist bei Macy’s, einem der Hauptpartner der Linie, inzwischen nicht mehr erhältlich. Die Artikel von Sean John werden aber weiterhin im Onlinestore von Walmart angeboten.

(Mit Material von theepochtimes.com)



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